Bergsee-Safari: Schwimmen durch Tirol
Shownotes
Tirol überrascht als Badeparadies mit über 600 Seen, Weihern und Teichen – vom Gletschersee bis zum Moorsee, vom eiskalten bis zum angenehm warmen Gewässer. Anne-Celine Jäger stürzt sich in eine Schwimm-Safari durch zehn Tiroler Seen, vom entspannten Vilsalpsee bis zu den eiskalten Berggewässern. Forscherin Ariana Molenaar erklärt, wie die Tiroler Seenlandschaft entstand – so trugen Felsstürze zur Entstehung einiger Gewässer bei, wie etwa dem Piburger See. In Tirol gibt es zahlreiche Geschichten über Lindwürmer und geheimnisvolle Wasserwesen, die sich in einigen Seen tummeln. Alles nur ein Mythos? Jetzt eintauchen in Hörausflüge – Der Tiroler Reisepodcast mit Lisa & Klaus!
Links zu unserer Hörsafari:
- Die schönsten Berg- und Badeseen in Tirol
- Für alle, die Tirols Seenlandschaft selbst erleben möchten, empfehlen wir, Anne-Celines komplette Geschichte im "Mein Tirol Magazin" nachzulesen.
- Silvesterschwimmen im Achensee bei 4°C Wassertemperatur
- Über den Gletschersee schippern im Natureispalast im Hintertuxer Gletscher
- Auf der Suche nach warmem Wasser? Heilquellen in Tirol
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Lisa: Hörausflüge!
Klaus: Der Tirol-Podcast. Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von 'Hörausflüge, dem Tirol-Podcast'. Wir nehmen euch mit auf die kleinen und großen Abenteuer, die es hier zu erleben gibt. Mein Name ist Klaus Brunner.
Lisa: Und ich bin Lisa Prantl. Für diese Episode springen wir ins kühle Nass.
Klaus: 600 Seen, Weiher und Teiche gibt es etwa in Tirol. Gelegenheit zur Abkühlung an heißen Sommertagen gibt es also genug. Die Bergseen hoch oben sind sogar richtig kalt, perfekt für Eisbade-Fans und alle, die es gerne frisch mögen. Unten im Tal haben die Badeseen dafür meist angenehm warme Temperaturen von bis zu 25 Grad.
Lisa: Der größte See, auch das Meer der Tiroler genannt, ist der Achensee. Oft auch mit einem Fjord verglichen, schlängelt er sich über mehr als neun Kilometer zwischen Karwendelgebirge und Brandenberger Alpen durchs Achental.
Klaus: Ja, er ist bis zu 133 Meter tief und ist ein beliebtes Ziel für Wassersportler. Aber selbst im August ist der Achensee noch ziemlich kühl.
Lisa: Von den großen Seen wie Achen- oder auch dem Plansee im Außerfern bis zu ganz kleinen, in Wäldern versteckten Seen, wie dem Berglsteinersee oder den Piburger See, über Moorseen, Bergseen und Gletscherseen, in Tirol gibt's Seen für jeden Geschmack und jedes Kälteempfinden. Eine, die bei keinem See vorbeikommt, ohne reinzuspringen, egal zu welcher Jahreszeit, ist die Journalistin Anne-Celine Jäger. Sie hat eine Schwimmsafari durch Tirol gemacht und zehn Tiroler Seen von Westen nach Osten durchschwommen.
Anne-Celine Jäger: Juhu! Jetzt geht's los. Wie fühlt ihr euch, Leute?
Tuli: Aufgeregt?
Fotografin: Ich glaub, wir haben voll Glück, weil das Wetter ist super. Juhu!
Klaus: Mit ihrer Schwägerin Tuli und einer Fotografin hat sich Anne-Celine eine Woche lang in Tirol dem Abenteuer Schwimmen gestellt. Manche Seen, die schon angenehm warm waren, haben Anne-Celine und Tuli tatsächlich komplett durchgeschwommen. Bei anderen Seen, wie dem Drachensee auf 2000 Metern Höhe, war es wohl eher ein kurzes Eintauchen in das 2 Grad kalte Wasser.
Lisa: Für unseren heutigen Hörausflug hat Anne-Celine am letzten Tag der Schwimm-Safari Tagebuch geführt und sie nimmt uns mit ins Tannheimer Tal an den Vilsalpsee. An diesem Tag waren mögliche Gewitter schon ab der Mittagszeit angekündigt, deshalb ging's für die drei ganz, ganz früh raus aus ihrer Pension.
Anne-Celine Jäger: Wer hatte nochmal diese Idee aufzustehen so früh? Ich glaube, ich war's. Jetzt ist es 5:48 Uhr, aber jetzt geht's gleich auf den Berg. Juhu. Jetzt geht's los. Wie fühlt ihr euch, Leute?
Tuli: Aufgeregt?
Fotografin: Ich glaub, wir haben voll Glück, weil das Wetter ist super.
Tuli: Ich find's ganz toll grade.
Anne-Celine Jäger: Juhu! Also wir sehen die Berge, da ist grad keine Wolke oben auf dem Berg. Sind alle ein bisschen drumherum. Wenn wir Glück haben, bleiben sie da, wo sie sind. Und wir kriegen so ein mega, mega Sonnenaufgangsgefühl. Alles schläft grad noch. Wir auch eigentlich, Tuli, oder? Hier sind wir in dem kleinen Dorf von Zöbeln, unterwegs nach Tannheim. Und es geht schon gleich, "obi", oder ist "obi" nach unten?
Tuli: Nee.
Anne-Celine Jäger: "Obi" ist nach oben. "Abi", "abi", nee, "abi" ist runter. "Obi" ist hoch? Es ist grad sooo schön, wir sehen, wie die Sonne so über die Bergspitze springt, sich hinaus kriecht und da ist so eine Krone, so eine Krone, wie würde man das beschreiben, so eine Bergkrone einfach so Zacken, Zacken, Zacken, Zacken, die da so rausragen und dahinter der blaue Himmel, der so anfängt. Außentemperatur 10 Grad, lass es gesagt sein, wir sind noch nicht auf dem Berg, jetzt geht's nach oben. Wir sind gerade beim Vilsalpsee angekommen und die Stimmung ist total ruhig. Der See ist spiegelglatt. Die Berge spiegeln sich total schön im Wasser. Allerdings ist es noch so früh, dass die Sonne erst die Spitzen hinterm See erreicht hat. Also sie ist noch nicht einmal hoch genug, dass sie auf den See trifft. Aber hoffentlich in den nächsten 10 bis 15 Minuten wandelt es dann so bis aufs Wasser und es ist wahrscheinlich ungefähr acht Grad Lufttemperatur, Wassertemperatur sicher weniger, das werden wir dann gleich sehen. Wie ist die innere Stimmung bei mir? Also vor so einem kalten Eintauchen tue ich mich schon immer wieder so mit dem Inneren befassen. Man muss sich schon fast so ein bisschen beruhigen, bevor man reingeht. Aber das ist eine gute Aufregung. So, so Freude mit Aufregung gemischt. Freudaufregung, vielleicht gibt's da ein neues Wort, wenn man ins kalte Wasser auch eintaucht.
Lisa: Und Klaus, wärst du reingegangen?
Klaus: Vielleicht, also ich mag das kalte Wasser schon, aber vielleicht die Uhrzeit, ich weiß es nicht.
Lisa: Ich glaube auch, bei der Uhrzeit und bei der Außentemperatur, es war ja wirklich kein sehr warmer Sommertag, wäre es mir schwer gefallen, aber hören wir mal rein, was Anne-Celine berichtet.
Anne-Celine Jäger: Ich habe jetzt gerade dieses Nachzittern, was man so kriegt, wenn man aus dem kalten Wasser kommt. Allerdings war es längst nicht so kalt wie beim Drachensee oben. Wahrscheinlich hat es so um die acht Grad im Wasser oder so. Und es hat sich angefühlt wie Butter, das Wasser, so sanft. Und man konnte, wenn man so rausgeschwommen ist in den See, auch eine ganz andere Bergkette wieder sehen, als wie man vom Ufer irgendwie sieht. Es ist total spannend, je nach See, was man alles so sehen kann vom See, was man sonst nicht sieht. Und langsam, langsam kommen auch die Leute aus dem Tal hoch zum See und es fängt so langsam so das Leben an. Die Enten schwimmen vorbei gerade und, ähm, ich spüre gerade meine Hände überhaupt gar nicht und, äh, hab dieses innere Zittern. Und bin auch ganz traurig eigentlich, dass die Schwimmsafari jetzt zu Ende ist. Es ist so, jedes Mal sind es so kleine heilige Momente. Man fühlt sich, man fühlt sich irgendwie klein mit den großen Bergen. Und dieses Gefühl finde ich, finde ich gut.
Lisa: Ja, den Gedanken kann ich gut nachvollziehen, dass man sich in den Bergen manchmal klein fühlt. Anne-Celine ist in München geboren und aufgewachsen, lebt aber inzwischen schon 30 Jahre in England. Das erklärt vielleicht die kurze Verunsicherung mit "abi" und "obi".
Klaus: Genau, wir vertiefen das jetzt nicht weiter.
Lisa: Genau, bevor wir gleich zu Anne-Celine und ihrer Reise zurückkehren und von ihr ein paar Details zu besonderen Momenten ihrer Reise hören, habe ich mich gefragt, was wir eigentlich über die Entstehung der Tiroler Gewässer wissen? Und dafür habe ich mich mit Ariana Molenaar an der Universität Innsbruck getroffen. Ariana kommt ursprünglich aus Holland, lebt seit zehn Jahren in Innsbruck und forscht gerade für ihren PhD in den Tiroler Seen nach Spuren der Vergangenheit. Sie hat mir verraten, wie die Eiszeit vor 20.000 Jahren zum Beispiel das Becken für den Achensee aufgeschürft hat. Und wie ein großes Erdbeben in Portugal im 18. Jahrhundert der Ursprung einer Sage sein könnte, die am Hechtsee in Tirol spielt. Hören wir rein! In Tirol gibt es rund 610 Weier und Teiche, davon mehr als 80 Prozent oberhalb der Baumgrenze, also eigentlich im Hochgebirge. Wie sind denn diese vielen Gewässer in Tirol eigentlich entstanden?
Ariana Molenaar: Also da gibt es eigentlich verschiedene Arten, wie solche Gewässer entstehen können, aber sicher im Gebirge haben die Gletscher, haben eine sehr große Rolle gehabt. Man kann sich vorstellen, in der letzten Eiszeit, die Gletscher waren gigantisch, so oberhalb von Innsbruck, fast zwei Kilometer Eis auf dem, auf dem Höhepunkt. Und diese Gletscher haben dann quasi die, die Täler so ausgeschürft und so Becken, Becken gemacht sozusagen. Und die werden dann aufgefüllt mit dem Schmelzwasser und dann entstehen halt Seen. Oder was zum Beispiel auch passieren kann, ist wenn man einen Bergsturz hat, man kann sich das vorstellen, da geht der Berg runter, da geht das ganze blockige Material, wird dort im Tal abgelagert, da entstehen auch so kleine Wannen und die werden dann auch mit Wasser aufgefüllt. Dann hat man auch so kleine Seen, wie zum Beispiel der Fernsteinsee am Fernpass. Und was es auch gibt, das sind ganz spezieller Fälle, wenn man so eine Art Kluftsysteme hat, so wie so Höhlensysteme eigentlich, unterhalb von einem Becken oder Vertiefung, dann kann sich das mit Grundwasser füllen. Und da kriegt man ganz spezielle Seen, wie zum Beispiel in Seefeld gibt es der Wildmoossee und Lottensee. Und die füllen sich nur manchmal, wenn die Bedingungen passen, und dann entleeren sie sich auch wieder über das Grundwassersystem.
Lisa: Kann man diese unterschiedlichen Entstehungsgeschichten der Seen, wenn man dort zum Schwimmen ist, auch irgendwie selber erkennen, wenn man keine Wissenschaftlerin ist wie du?
Ariana Molenaar: Zum Beispiel die Farbe ist recht ein schöner Ausschlagpunkt, dass man irgendwie sehen kann, was für eine Art vom See ist. Also die Farbe von dem See wird oft so durch irgendwie die Trübstoffe, die kleinen, feinen Materialien, die im See rumschwimmen, gemacht. Wenn man zum Beispiel bei einem Hochgebirgsee ist, dann hat man vielleicht eher so klares Wasser, weil weniger Trübstoffe drin sind. Wenn der See aber mit dem Gletscher in Kontakt ist, dann hat man die ganze Gletschermehl und Gletscherstaub drin. Also dann wird es eher so ein bisschen gräulich vielleicht. Und wenn man zum Beispiel in einem Moorsee schwimmen geht, das kann man auch sehen, wenn man die Hand unter dem Wasser haltet, dass er vielleicht ein bisschen gelblich erscheint und das ist halt auch so eine Art organisches Material, die Pflanzenreste, die in dem See rumschwimmen, die dieses Gelb machen sozusagen. Also, viele Arten von Seen werden auch durch ihre Farbe bestimmt.
Lisa: Und dass jetzt zum Beispiel ein Moorsee, wie der Schwarzsee bei Kitzbühel, im Sommer angenehm warm ist und der Drachensee auf fast 2000 Metern ziemlich, ziemlich frisch, hat eigentlich hauptsächlich mit ihrer Lage zu tun.
Ariana Molenaar: Ja, eben die Temperatur und auch die Tiefe vom Becken. Also wenn man ganz einen seichten See hat, dann kann das Wasser sich schön aufwärmen und je höher natürlich je kälter, ja.
Lisa: In deiner Arbeit an der Universität Innsbruck erforscht du ja mit deinen Kolleginnen und Kollegen die Tiroler Seen auch nach Spuren der Vergangenheit. Was macht ihr denn da genau und was habt ihr bisher schon für Ergebnisse?
Ariana Molenaar: Also, wir untersuchen eigentlich den Schlamm am Boden, weil für uns ist das wie ein Buch. Also, wenn man weiß wie, kann man es wie ein Buch lesen, sozusagen. Man kann sich das so vorstellen, also man hat einen See, man hat das Becken und jedes Jahr wird wie so ein kleines Lager, wie Baumringe eigentlich, werden kleine Schlammschichten abgelagert. Und wenn ein Ereignis stattfindet, zum Beispiel unsere Spezialität von unserer Gruppe sind Erdbeben, also wenn so ein Erdbeben stattfindet, dann wird halt der See wird geschüttelt, das Becken wird geschüttelt und vom Hang wird, der Schlamm wird halt runtergespült in das Becken. Und dann kriegt man so eine Art dickere Lage auf einmal. Und danach, alles ist wieder normal, danach finden wieder so diese kleine, die normale Sedimentation statt sozusagen, also diese kleinen Baumringe lagern sich wieder ab. Und wir gehen dann hin, wir haben eine Plattform, wir haben ein Gerät zum Sedimentkern entnehmen, nennen wir das, und es ist eigentlich wie eine Art Plastikrohr von bis zu zehn Meter lang, aber meistens benutzen wir so eineinhalb Meter und dann stanzen wir das da in den Boden rein mit Hammern und allem, also an einem langen Seil ist das alles, wir tauchen nicht selber runter, leider, das wäre spektakulär, aber das machen wir nicht. Und dann holen wir das raus und wenn wir das dann öffnen, dann sehen wir eben genau, was ich vorher beschrieben habe, dieses kleine Lager, jedes Jahr, und dann diese dickere Lage drin und so sehen wir quasi, was für Ereignisse da stattgefunden haben. Also das können Erdbeben sein, aber auch Flutereignisse oder Muren zum Beispiel, Murabgänge können wir auch sehen.
Lisa: Tirol ist jetzt nicht unbedingt als Erdbebengebiet bekannt. Was habt ihr denn da über Erdbeben in Tirol schon herausfinden können?
Ariana Molenaar: Also in Tirol gibt es sehr wohl Erdbeben, vielleicht nicht so oft und vielleicht auch nicht so stark, wie man sie kennt aus Japan zum Beispiel oder Chile oder solchen Gebieten. Aber es gibt auch tatsächlich schon Erdbeben. Ich glaube, die meisten Leute in Innsbruck haben schon mal Erdbeben gespürt. Was zum Beispiel ein großer Fund war von unserer Gruppe, war zum Beispiel der Fernpass und da, am Eibsee gibt es Bergstürze, und die hat man datiert auf so 4000 Jahren und unsere Gruppe hat dann den Plansee und den Piburger See nachgeforscht und gefunden, dass genau in diesem Zeitraum auch eine so Art Erdbebenlage halt gibt in diesen beiden Seen. Also könnte es sehr gut sein, dass eben ein Erdbeben stattgefunden hat und auch diese zwei Bergstürze ausgelöst hat. Dass es nicht eine Art Zufall war, dass die ungefähr gleichzeitig stattgefunden haben, aber wirklich eine Erdbeben war, die das ausgelöst hat. Ob das jetzt ein Hochwasser ist oder ein Erdbeben oder ob das Menschen sind, die am Feld arbeiten, das wird alles halt in dem See gespeichert sozusagen. Weil der Schlamm am Boden, der liegt halt da. Niemand kommt daher, da kommt, nimmt irgendein Kind und grabt das um oder ein Tier und das liegt einfach ruhig da unter dem Wasserbecken und ist quasi wie so, wie so ein stiller Beobachter von allem, was halt in der Umgebung passiert.
Lisa: Und ihr habt ja auch teilweise gesehen, dass sogar Ereignisse, die sehr weit weg von Tirol passiert sind, in den Tiroler Seen nachweisbar sind.
Ariana Molenaar: Genau, es gab zum Beispiel im 1755 ein sehr starkes Erdbeben in Portugal. Und jetzt ist es so, dass wenn ein See die richtige Tiefe und Größe hat, dann kann halt so eine Erdbebenwelle, die halt durch, durch die Erde weiterzieht sozusagen, kann dann den See so schütteln, dass wie so eine Art Welle entsteht in dem See, obwohl das Erdbeben ganz weit weg war. Man kann sich vorstellen, wenn man zum Beispiel ein, ein Glas Wasser hat und man schwappt es hin und her, da kriegt man auch so eine bestimmte Welle in einem Wasserglas. Und wir haben dieses Lager gefunden in dem Hechtsee, was damit, mit dem 1755 Erdbeben zusammenhängen kann. Und es gibt tatsächlich auch über diese, diesen Fall gibt es auch eine Sage, die 'Nixe vom Hechtsee', die beschreibt auch, wie das Wasser auf einmal hochkommt und einen armen Jäger mitnimmt und in dem See verschwinden lässt. Und das sieht man oft, wenn so Naturphänomene, wenn man es nicht ganz verstehen kann, wieso das jetzt passiert, dass es dann oft irgendeine, tatsächlich irgendein großes Ereignis gewesen hat, was dahinter liegt, sozusagen.
Klaus: Die Nixe am Hechtsee und das Erdbeben, das Lissabon 1755 fast vollständig zerstört hat, hängen also zusammen. Mythen und Sagen ranken sich ja auch noch um einige andere Tiroler Seen.
Lisa: Ja, zum Beispiel im türkisblauen Drachensee im Mieminger Gebirge. Das soll ein Drache hausen, der ein untergegangenes Dorf bewacht. Da muss man aber weniger wegen dem Drachen mutig sein, sondern wegen dem kalten Wasser. Wie uns Anne-Celine schon berichtet hat, hat es im Sommer oft nur zwei Grad. Und ein Seeungeheuer soll es vermeintlich auch im Piburger See im Ötztal geben. Auf dessen Grund soll der Piburger Seewurm hausen. Aber man weiß, seit 100 Jahren wird dieser See erforscht und man hat dort inzwischen Barsche, Rotaugen und Ringelnattern gefunden, Seewurm aber definitiv keinen.
Klaus: Ja, auch Anne-Celine, die in beiden dieser Seen geschwommen ist, hat wohl kein Ungeheuer gesehen, aber sie berichtet, wie unterschiedlich diese waren.
Anne-Celine Jäger: Wir haben eigentlich alles mehr oder weniger miterlebt in diesen zehn Seen. Der erste See, den wir durchschwommen haben, war der Schwarzsee bei Kitzbühel, das ist ein Moorsee, der ist total dunkel. Das hat auch so seine eigene Stimmung. Das bringt seine eigene Stimmung mit sich. Und den Reintaler See zum Beispiel sind wir durchschwommen von einer Seite zur anderen und sind dann auf der anderen Seite raus wie so zwei Meerjungfrauen und haben dann dort Mittag gegessen, das war ganz gut. Und das hat dann mehr so ein, so ein sportliches Element und dann natürlich die Bergseen, so wie der Drachensee oder der Seebensee, die so zwischen zwei und vier Grad haben, da geht man rein und dann ist es mehr für diese Experience von den Endorphinen und dem Dopamin, was man danach kriegt, weil halt der Rausch so krass ist, weil man im Kalten ist und dann geht es dann nicht unbedingt darum, den See zu durchschwimmen, sondern einfach im See zu sein und zu fühlen, wie sich das anfühlt und so richtig in der Natur zu sein. Total spannend war auch der Heiterwanger- und Plansee, weil die zwei Seen, die sind miteinander verbunden durch so einen 300 Meter Kanal und da haben wir so ein Elektroboot gemietet. Und weil die Seen so lange sind, von A nach B durchzuschwimmen, sind wir von der Mitte vom See mehr oder weniger durch den Kanal zum anderen See und da war die Farbe einfach so unglaublich grün, als wäre man in der Karibik und wir waren wieder die, mehr oder weniger die einzigen Schwimmer im See. Man fühlt sich fast, als wäre man Teil der Natur, so wie ein Vogel oder eine Ente oder ein Fisch. Also irgendwie ist man Teil des ganzen Systems, in dem da nicht so viel los ist und man schwimmt leise für sich. Und der andere See, der natürlich total spannend war, war der letzte Abschlusssee, der Vilsalpsee, der ist auch höher gelegen und da sind wir zum Sonnenaufgang mehr oder weniger, also ganz früh morgens hingefahren und da war auch wieder eine total besondere Stimmung, wir waren auch die einzigen da und es war wunder, wunderschön zu sehen, wie so die ersten Sonnenstrahlen die Tannenzapfen küssen, also, ich kann es nur empfehlen, diese Reise.
Klaus: Die Reise klingt jedenfalls sehr spannend. Aber wie ist sie eigentlich auf die Idee gekommen, eine Schwimmsafari durch Tirol zu machen?
Lisa: Ja, Anne-Celine liebt das Schwimmen und sie hat mir erzählt, fürs Wandern gibt es so viele Tipps und Wanderrouten. Warum nicht auch mal fürs Schwimmen so eine Reise planen?
Anne-Celine Jäger: Es gibt ja schon total viele berühmte Wanderungen, die von A nach B führen, so wie die E5-Wanderung oder Great Highland Way oder solche Wanderungen. Also es gibt ja schon total viele berühmte und ich fand es irgendwie total spannend, eine Art Odyssee zu haben, wo man von A nach B kommt, aber wo das Wasser das Interessante an dem Adventure ist und nicht die Wanderwege, oder beziehungsweise eine Mischung von beiden, aber wo es hauptsächlich darum geht, die Wasser zu durchschwimmen. Und dann habe ich mir Tirol angeschaut und habe mir gedacht, da sind so viele Seen, die man sich aussuchen kann. Und da ist einer schöner als der andere. Da, da kann es ja eigentlich nur gut gehen. Und so haben wir das dann, so sind wir das angegangen und haben uns dann zehn Seen ausgesucht, die wir von Osttirol bis Westtirol sozusagen durchschwommen sind. Und ich bin auch so jemand, die von klein auf es sehr schwer immer findet, an irgendeinem Gewässer vorbeizufahren, ohne stehen zu bleiben und drin zu schwimmen. Eigentlich egal, was für eine Jahreszeit es ist oder ob es gerade angebracht ist oder nicht oder wie viele Leute im Auto sind und dann auf mich warten müssen. Also war es total schön mal eine Reise zu haben, wo es tatsächlich ums Schwimmen ging und wo ich mich nicht schuldig fühlen musste, dass ich jetzt schon wieder anhalten will und in den See rein will oder in diesen Fluss rein will. Also das war total perfekt.
Lisa: Am meisten überrascht haben Anne-Celine aber die Unterkünfte, die sie ganz spontan nahe der jeweiligen Seen entdeckt haben.
Anne-Celine Jäger: Die Landschaft war immer wieder total, umwerfend schön. Von einem Tag zum anderen dachte man sich, ja, kann ja eigentlich nicht schöner werden, kann ja eigentlich nicht schöner werden. Aber irgendwie hat jeder See für sich nochmal irgendwas total Spannendes gebracht, so dass man sich jedes Mal erneut erfreut hat, in einem neuen Gewässer zu sein. Und was auch total Spaß gemacht hat, woran ich eigentlich nicht so dran gedacht habe vor der Reise ist, dass wir uns immer total gefreut haben zu sehen, in welchem Dorf wir da landen und wie es dann sein wird, weil wir uns die Dörfer ausgesucht haben und die Pensionen, die halt naheliegend sind zum nächsten See oder zum letzten See, den wir durchschwommen haben. Und dadurch war es immer eigentlich total süß zu sehen. Wie ist die Pension? Ist es gemütlich? Was wird es zum Essen geben? Wie wird das Dorf sein? Und jedes Mal waren wir immer total nett überrascht, wie freundlich alle waren und wie willkommen wir waren. Und irgendwie war jedes Dorf super, super schön und jedes hatte so seinen eigenen Charakter und irgendwie hatte das irgendwas Spannendes, nicht zu wissen, wie wird's sein, aber jedes Mal positiv überrascht zu sein, so dass man am Schluss gar nicht aufhören wollte und noch ein Dorf entdecken wollte und noch ein Dorf entdecken wollte.
Klaus: Ja, auch ein interessanter Ansatz, um die vielleicht weniger bekannten Urlaubsregionen des Landes kennenzulernen. Es klingt jedenfalls nach einem super Abenteuer und einer tollen Zeit, also große Empfehlung. Den Text von unserer Kollegin Anne-Celine gibt es auch zum Nachlesen im Mein Tirol Magazin. Dazu mehr in den Shownotes. Bevor wir aber langsam zum Ende kommen für den heutigen Hörausflug, fehlen uns noch unnützes Wissen, spannende Fakten und gefährliches Halbwissen rund um die Tiroler Seen.
Lisa: Mir fällt da zum Beispiel das Silvesterschwimmen ein. Wir haben schon gehört, der auf 930 Metern gelegene Achensee, der ist schon im Sommer nicht warm. Im Dezember hat er ungefähr 4 Grad und trotzdem springen jährlich am 31. Dezember pünktlich um 12:30 Uhr viele, viele Menschen in den See und schwimmen 50 Meter rund um einen künstlichen Eisberg. Bis zu 3000 Menschen schauen sich dieses Spektakel an jedes Jahr an.
Klaus: Brrrr. Gehen wir vom größten See Tirols zur höchstgelegenen Bootsfahrt. Der Gletschersee im Natureispalast des Hintertuxer Gletschers liegt auf 3.250 Metern Seehöhe, aber 30 Meter unter der Skipiste im Berg. Die dort angemeldete Schifffahrtsgesellschaft, mit der man ein paar Minuten über den See schippern kann, ist wahrscheinlich eine der ungewöhnlichsten der Welt.
Lisa: Ja, für alle die sich denken, "Hört's mir doch mal mit dem kalten Wasser auf", vielleicht noch die Info, dass es in Tirol auch eine Tradition jahrhundertealter sogenannter Heilquellen gibt. Wer also wärmeres Wasser bevorzugt, könnte zum Beispiel in Bad Häring in schwefelhaltiges Heilwasser tauchen. Entdeckt haben die Quelle Bergbauknappen im 19. Jahrhundert, zufällig bei einem Grubenbrand. Ein großes Glück für Sie und alle im Ort. Bad Häring wurde nämlich später zum ersten offiziellen Kurort Tirols.
Klaus: Das klingt doch gut. Das war's vom heutigen Hörausflug. Wir hoffen, es hat euch ebenso viel Spaß gemacht wie uns.
Lisa: Vielen Dank fürs Zuhören und wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid.
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