Festspiele Erl: Große Oper im kleinen Dorf

Shownotes

Klassik und Oper auf internationalem Niveau – mitten im Tiroler Unterland: In dieser Folge besuchen Lisa und Klaus die Tiroler Festspiele Erl (https://www.tiroler-festspiele.at) und werfen einen Blick hinter die Kulissen des Festspielhauses. Gemeinsam mit dem künstlerischen Betriebsdirektor Andreas Leisner führt der Weg durch Werkstätten, Proberäume und bis direkt auf die Bühne. Im Mittelpunkt stehen die markante Architektur und herausragende Akustik sowie das Zusammenspiel von Dorfleben und internationaler Hochkultur. Außerdem geht es um große Namen wie Jonas Kaufmann, um Familienkonzerte und darum, warum Oper vor allem eines ist: emotional zugänglich. Rund um den Kulturbesuch lohnt sich auch ein Blick in die Region: Die Stadt Kufstein (https://www.kufstein.com) ist nur wenige Minuten entfernt und eng mit den Festspielen verbunden. Kulinarisch bieten sich die Blaue Quelle (https://www.blauequelle.at), das Gasthaus beim Dresch (https://www.beimdresch.at) sowie der Unterwirt in Ebbs (https://www.unterwirt.at) an. Spannende Einblicke in den Festspiel-Alltag in Erl finden sich zudem im Tirol Magazin: https://www.tirol.at/magazin/reportage-festspielhaus-erl Wer die Kultur in Tirol entdecken möchte, ist hier richtig. https://www.tirol.at/kultur

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Klaus Brunner: Klassik und Oper auf Weltniveau und das in einem kleinen Grenzdorf zwischen Bayern und Tirol

Lisa Prantl: In dieser Episode Hörausflüge nehmen wir euch mit hinter die Kulissen der Tiroler Festspiele in Aal.

Klaus Brunner: Auch für Nicht-Klassik-Fans geeignet.

Lisa Prantl: Immer wieder spannend, wenn man nach Erl fährt und dann ist nix nix nix und auf einmal kommen diese Riesengebäude, das Passionsspielhaus und das Festspielhaus, mitten auf der grünen Wiese.

Klaus Brunner: Ja, Lisa, sie stehen fast ein bisschen da wie Ufos, einfach von Weitem sichtbar. Und dabei spielt sich einfach Großartiges ab in diesen beiden Häusern.

Das Passionsspielhaus mit einer jahrhundertealten Geschichte. Wo sich dieses Leiden Christi die Dorfbevölkerung, aufführt alle sechs Jahre nur. Aber ohne das gäbe es wiederum auch das Festspielhaus nicht. Also es ist eine coole Geschichte hier in Erl.

Lisa Prantl: Wir dürfen heute hier im Festspielhaus mit Andreas Leisner dem künstlerischen Betriebsdirektor, einen richtigen Blick hinter die Kulissen werfen, oder?Also wir waren über der Bühne in schwindeligen Höhen wir waren bei den Näherinnen, wir waren in der Werkstatt.

Klaus Brunner: Überall. Andreas ist seit über 20 Jahren dabei. Ich glaube, es gibt wahrscheinlich wenige die das Festival und auch den Ort so gut kennen. Also wir haben da ganz, ganz tolle Einblicke bekommen.

Hörausflug nach Erl. Wir stehen an einem ganz besonderen Ort direkt vor der Dornenkrone des Passionsspielhauses. Hier bei mir ist Andreas Leisner. Bitte erzähl uns doch kurz, warum ist denn das eigentlich so ein geschichtsträchtiger und so ein besonderer Ort hier?

Andreas Leisner: Erl ist ein besonderer Ort, weil er schon über 400 Jahre Passionsspiele aufführt. Eine unglaubliche Tradition. Ein Dorf voller Theaterspieler und Theaterkenner, die vor bald 60 Jahren ein unglaubliches Passionsspielhaus hier hingebaut haben. Und das Besondere natürlich, es hat eine Folge gegeben. Hier wurden Festspiele, Musikfestspiele, Opernfestspiele gegründet und haben sogar noch ein Festspielhaus bekommen. Das natürlich in seiner Architektur auf die Bausubstanz des alten, großen, berühmten Theaters Bezug nehmen. Also das Passionsspielhaus, weiß, rund, vertikal strahlt übers Inntal und daneben steht ein sehr kantiger, horizontaler Bau, schwarz inspiriert aus der Dornenkrone. Das ist schon einzigartig diese Symbiose auch von Tradition und Moderne.

Lisa Prantl: Wir haben uns gerade im Saal der Tiroler Festspiele, von dem Talent von vier großartigen jungen Schlagwerkern überzeugen können, heute ein Musikwettbewerb hier. Was kann man denn zum Saal noch sagen? Ich habe gelesen, es soll der größte Orchestergraben der Welt sein.

Andreas Leisner: Das habe ich auch gehört und das hat bis jetzt noch niemand widersprochen. Nein, der Saal ist auch berühmt für seine Akustik muss man sagen. Berühmt für das Hinschauen, für das Sehen für seine Sichtlinien, weil er hat die Steigung eines griechischen Amphitheaters. Das heißt, jeder Platz sieht gleich gut und jeder sieht frei auf die Bühne gerade pfeilgrad hin. Es sind jetzt 732 Plätze, die wir da haben übersehen. Und jeder hat eigentlich ein tolles Erlebnis klanglich und optisch also eine Luxussituation und Beinfreiheit.

Jetzt kommen wir hier ins Requisiten und Dekorationslager. Und das ist für mich immer so ein bisschen wie in Harry Potter der Raum der Erinnerungen, wo man einfach alles lagert, was im Leben Bedeutung hat und bei jedem Bühnenbildteil kommen mir die Erinnerungen hoch. Ach, das ist so ein Nambula aus 2018.

Mein Gott, war das schön.

Klaus Brunner: Du bist seit 26 Jahren hier. Ich glaube, da sind ein paar Aufführungen dabei gewesen.

Andreas Leisner: Ja, seit 20 Jahren bin ich hier und ich kann es eigentlich gar nicht mehr zählen, wie viele Stunden ich in Vorstellungen und Proben verbracht habe. Das ist schon ein Zeiterlebnis… Das ich hier aber auch gerne verbracht habe.

Klaus Brunner: Ja, wirklich voll spannend. Und dann war unser nächster Stopp hier im Kammerl vom Dirigenten. Kammerl klingt natürlich nicht so elegant wie Camarino. Genaueres dazu erzählt uns gleich Andreas Leisner.

Lisa Prantl: Ja, und alles über die 400 Jahre alte Geschichte der Passionsspiele in Erl. Das war es wie immer, die Goaß die alles woaß.

Die Goaß die alles woas: Ohne die Passionsspiele Erl gab es die Festspiele erst gar nicht. Sie seien sozusagen das Kind der Passionsspiele. Aber vielleicht muss ich da jetzt ein bisschen ausholen. Also, schon vor 1578 gibt es ein Gemälde der Erler Komediehütte Da ist alles Mögliche aufgeführt worden und wahrscheinlich auch schon Passionsspiele.

Also das Nachspielen von Jesus' Leiden Sterben und seiner Auferstehung. Schriftlich belegt sind die Passionsspiele dann ab 1613 und seither finden sie im Normalfall alle sechs Jahre statt. Und so wie sich das Drehbuch immer wieder wandelt, hat es auch immer wieder neue Spielstätten gegeben. Das heutige Passionsspielhaus ist von den Erlern und Erlerinnen 1959 fertiggestellt worden. Und weil es ein Apostelsilo oder Kraftwerk Gottes, wie es von den Einheimischen auch genannt wird, nicht sechs Jahre lang leer stehen hat sollen, seien hier in alter Tradition auch andere Stücke gespielt worden. Und eben auch die ersten Erler-Festspiele. Nur hat das Passionsspielhaus halt keine Heizung. Das ist eher suboptimal und so ist 2012, gleich neben dem Passionsspielhaus, das Festspielhaus eröffnet worden. Man wollte ja auch im Winter spielen und proben. Apropos Proben, nur wenn Erl geboren ist oder dort den Hauptwohnsitz hat, darf bei den Passionsspielen mitmachen. Und gut ein Drittel der Erler und Erlerinnen tut das auch.

Um die 600 Menschen stehen schauspielend auf der Bühne, haben vorher ca. 130 Mal probt und gerade die Männer haben ein Jahr lang auf Friseurbesuch und Rasierer verzichten müssen. Sie sollen ja schließlich auch so ausschauen wie es in den echten Nullerjahren modisch war. So, und jetzt bin ich gespannt, was uns Andreas Leisner über die Festspiele Erl erzählt.

Lisa Prantl: Ich stelle mir vor, in so einem schönen Festspielhaus braucht es viele, viele Menschen, die hier mitwirken und mitarbeiten. Jemand, der die Bühne baut, jemand, der die Kostüme näht die Sänger und Sängerinnen auf der Bühne, die Musikerinnen. Andreas, wie können wir uns denn das genau vorstellen? Was machst denn du hier bei den Festspielen in Tirol?

Andreas Leisner: Ich schaue dass alle... diese tollen Menschen, die du gerade erwähnt hast, dass die dann alle gut zusammenarbeiten, dass das wie ein Radl ineinander greift, das ist einerseits die Aufgabe des Betriebsdirektors, dass man diese ganzen Gewerke nennen wir das, koordiniert. Wann müssen denn die Kostüme fertig sein? Wann soll das Bühnenbild stehen? Wann soll der Sänger ankommen? Wie sollen die Proben eingeteilt sein? Das sollte ich alles im Griff und im Blick haben und ein Umfeld schaffen, in dem sie halt alle auch die beste Leistung abliefern können. Und dann auf der anderen Seite gilt es, das zu finanzieren und abzuwickeln und zu organisieren. Das ist dann der Geschäftsführerteil.

Lisa Prantl: Du bist ja selber eigentlich auch auf der künstlerischen Schiene gestartet, hast Regie für Musiktheater gemacht. Wie ist denn dein Weg daher nach Erl eigentlich gewesen und jetzt in diese Rolle?

Andreas Leisner: Ja das waren große Schuhe die mir da angeboten worden sind, das war ungefähr vor 20 Jahren, dass man mir anvertraut hat, komm, Kunst kann man nicht lernen oder Kultur, aber rechnen und organisieren schon.

Also es war ein Mensch gesucht, der beides kann und das ist auch das, was jetzt im Moment der große Spaß ist an meiner Position, dass ich, wenn ein künstlerisches Thema auf mich kommt, irgendein Stück, wir sollen eine gewisse Oper spielen, Dann ist die Trefferquote hoch, dass ich die Oper kenne und dann auch relativ schnell weiß, was das kosten wird. Und auch einzuschätzen, wenn ein Regisseur etwas sich wünscht, ist es sozusagen künstlerisch sollte man das machen oder ist es nur eine Kaprizce? Und wie ich hierher gekommen bin war quasi ein Zufall. Ich war freischaffender Regieassistent, Regisseur, habe einen Sommerjob gesehen in Erl. Und nach zwei Wochen hat man mich gefragt, willst du wiederkommen im nächsten Jahr?

Und nach drei Wochen hat man mich gefragt, möchtest du hier stellvertretender Intendant werden? Da habe gesagt, bitte lass mich doch einmal das anschauen, dass ich einen Sommer das gesehen habe. Und dann habe ich, glaube ich, bei den Festspielen alles gemacht, außer gesungen, dirigiert, inszeniert, Requisiten herumgeschleppt, alles und das gerne und mit Herz.

Klaus Brunner: Vielleicht kommt das ja noch mit dem Singen.

Andreas Leisner: Das erspare ich eigentlich immer.

Klaus Brunner: Was macht jetzt so das Flair von Erl aus? Es ist ja doch irgendwie ganz anders wie die Opernhäuser in den Metropolen dieser Welt.

Andreas Leisner: Ja ich glaube, die Essenz ist, dass hier in einer wunderschönen Landschaft mit einem unglaublichen Freizeitmehrwert Kultur und Musik geboten wird auf allerhöchstem internationalem Niveau. Und, dass man aber beides hat.

Man kommt aus der... Eine Opernvorstellung aus dem Konzert raus und steht quasi zwischen den Kühen mit einem wunderschönen Blick ins Inntal, weiß, dass man jetzt noch in ein, zwei Haubenlokale essen gehen kann und ich glaube, das Gesamterlebnis und der Fokus. Ist das Geheimnis. Genauso wie es unsere Künstler ist. Die haben eine Künstlerinnenresidenz gegenüber vom Festspielhaus stehen. Sie gehen fünf Minuten zu ihrer Arbeitsstätte über die Wiese und können mal einfach sich konzentrieren. Genauso wie unser Gast. Der kommt hierher und muss nicht sofort die Trambahn erwischen oder schauen. Also diese täglichen Probleme des Gastes haben wir hier in dem Sinn nicht.

Und ich glaube, deswegen genießt ein jeder der Künstler aber auch der Gast in Erl zu sein.

Lisa Prantl: Es klingt jedenfalls sehr entschleunigend Ist das auch der Grund, warum so viele große Namen hier nach Erl kommen? Und ja auch die Intendanz mit Jonas Kaufmann ist ja eine große Sensation gewesen, dass er hier die Intendanz übernommen hat. Ist das auch ein bisschen der Grund, das besondere Flair von Erl?

Andreas Leisner: Ich glaube, dass das viele der Künstler und ja, dass das die inspiriert. Jetzt mittlerweile ist es so, es gab am Anfang, musste der Jonas Kaufmann mit seinem Enthusiasmus und seiner Liebe auch zu dem Ort vielleicht noch seine internationalen Künstler Kollegen, Stars überzeugen, dass sie ins Dorf zu uns kommen. Und jetzt spricht es sich rum, jetzt sagen diese Künstler von sich aus, das war so toll, können wir wiederkommen.

Lisa Prantl: Ist das Knistern im Haus oder hinter der Bühne noch mal ein anderes? Werden solche Stars dann jetzt auf der Bühne stehen? Weil was du uns vorher erzählt hast, wie dein Weg auch hier war, hat sich das jetzt schon ziemlich entwickelt.

Andreas Leisner: Man merkt, wenn zum Beispiel eine besonders großartige Sängerin, die nicht ja umsonst berühmt ist, auf der Bühne steht, dann horcht das Orchester anders zu, atmet anders mit, spielt engagierter oder feinfühliger, also diese,der künstlerische Input den uns zum Beispiel Jonas Kaufmann ins Haus gebracht hat. Das setzt sich einfach in jede Phase dieses Theaters, setzt es sich durch, dass jeder noch besser sein möchte und wenn Sie den Regisseur Klaus Gut engagieren, dann engagieren Sie nicht nur einen der berühmtesten Opernregisseure der gerade von der Met kommt und dann an die Bayerische Staatsoper geht, sondern Sie müssen auch ein Niveau erreichen. Da haben wir uns dann schon sehr zusammenreißen müssen, dass wir sagen, Kinder, es ist nicht mehr ein lustiges Sommercamp, wo wir hier Oper spielen, sondern jetzt müssen wir performen.

Klaus Brunner: Und was bedeutet das jetzt für das Publikum? Also ist es dann auch ein Festival sage ich mal, nur für Kenner und Kennerinnen oder ist es doch irgendwie auch bodenständig?

Andreas Leisner: Ich finde es wahnsinnig schön, was der Jonas Kaufmann als Konzept vorgelegt hat, dass er sozusagen aufs Publikum zugeht, was auch das Repertoire betrifft. Also er spielt jetzt nicht a priori obskure Titel oder abgefahrene Sachen, sondern Titel die die Menschen auch gerne hören. Gleichzeitig präsentiert er sie einfach auf allerhöchstem Niveau. Also sogar der Opernkenner kommt hierher, weil er sagt, mein Gott, die Sänger möchte ich in der Partie hören oder ich möchte diese Inszenierung sehen. Und der nicht große Opernfan kriegt einfach eine tolle Aufführung mit einer hohen Trefferquote, dass es ihm gefällt. Und ich finde diesen Spagat finde ich clever und wir merken es ja auch, wie sich die Zuschauerzahlen verändern und wie sich hier der Druck auf das Programm entwickelt. Also es erscheint ja den Nerv getroffen zu haben.

Lisa Prantl: Jetzt für alle, du hast in deinem Leben wahrscheinlich schon sehr früh eine Liebe zum Musiktheater gefunden. Sonst wärst du nicht diese Laufbahn eingeschlagen. Wer das nicht hat, vielleicht kannst du uns ganz kurz mitgeben, warum muss man sich eigentlich mal eine Oper anschauen?

Andreas Leisner: Ich glaube, das Schöne an der Oper ist, dass es... letztlich um die wirklich großen Emotionen geht und dass die Oper uns direkt berührt, also dass der singende Mensch auf der Bühne der muss unglaublich viel Emotionen mitbringen, damit er überhaupt singen kann damit er das über die Rampe kriegt das erreicht uns intuitiv ich brauche keine Vorbildung, ich muss nicht wissen, wo Verdi geboren ist und wie alt Puccini wurde, das ist vollkommen wurscht.Ich denke, dass Oper Aber überwältigt mit ihrer Emotionalität und das in jedem Alter und dass es kein intellektueller Herausforderung ist oder sein muss, sondern dass es eine Emotionsmaschine ist.

Und die wird immer bestehen und deswegen werden Menschen immer auch Geld dafür ausgeben sich ein Ticket zu kaufen Das heißt immer, ja, das ist was für die alten Leute und die werden alle aussterben Ja, es wachsen immer mehr, immer weitere Leute. Also die Menschen lieben es ja trotzdem. Deswegen bin ich total zuversichtlich und weiß, dass das Menschen auch mitnehmen kann.

Klaus Brunner: Ganz im Gegenteil ich war auch schon bei so einem Kinderkonzert mit meinem Sohn und es war beeindruckend Ich habe Klassik vorher so noch nie erlebt. Wie ist dieses Konzept entstanden oder worum geht es da dabei?

Andreas Leisner: Also das ist sowohl schon Tradition hier in diesem Theater, dass wir immer Familienkonzerte gemacht haben und wir haben jetzt das große Glück, dass der Intendant auch ein großer Fan dieser Vermittlungsarbeit ist und uns also quasi den Rücken freihält und stärkt und wir diese Aktivitäten in den Vordergrund rücken können, sodass wir jede Saison ein großes Familienkonzert machen können, Polsterkonzerte. Und wir haben hier Künstler vor Ort, wir haben kreative Menschen, wir haben einen wunderbaren Saal. Da gibt es tolle Konzepte muss man eigentlich nur nehmen und dann macht man diese Konzerte und kann in einer Stunde mal unterhaltsamer, mal didaktischer, mal üppig mal eher präzise. Können wir diese Formate produzieren, die es ja dann bis ins Fernsehen schaffen. Also wir hatten jetzt eine ORF3-Übertragung von unserem Familienkonzert zum Thema Johann Strauss. Und das war eine Wiederaufnahme weil es so erfolgreich war.

Klaus Brunner: Und Polsterkonzert heißt, da sitzen ja wirklich die Kinder am Boden und hören Musik zu, oder?

Andreas Leisner: Wir haben einen kleinen Saal, das ist genau für diese Formate ideal. Sitzen sie auf dem Boden, auf ihren Polstern. Das ist meistens interaktiv. Instrumente stehen im Vordergrund kleine Geschichten. Das ist auch sehr schön, dass wir hier... Die Jüngsten und ihre Familien von vornherein ganz früh daran gewöhnen, dass in ihrer Region, in ihrem Dorf ein Theater steht und dass das zum Leben dazugehört. Ich gehe einfach dann immer wieder in mein Festspielhaus. Wenn wir das schaffen, dass sich das verstetigt in dem Bewusstsein der Menschen, dass Theater, Oper, Konzert dazugehört so wie sie es ja Gott sei Dank in der Musikkapelle und so weiter hier unglaublich intensiv pflegen, dann haben wir für die Zukunft auch was geschaffen.

Lisa Prantl: Ja, so schön dass es hier diese Region so prägt das Festspielhaus, dass eben die Kinder sich hier mit klassischer Musik befassen können, dass sich Menschen, die Wiener Philharmoniker im kleinen Dorf Erl anhören können. Wie ist es denn auf der anderen Seite, die Tiroler Kultur und Tradition, wie fließt die in den Tiroler Festspielen im Festspielhaus ein?

Andreas Leisner: Wir bemühen uns ja auch, die Türen offen zu halten, dass es, also besonders für die Kulturschaffenden der Region, und das ist nun mal Bundesmusikkapelle oder der und der Verein oder der Krippenverein, dass sie alle ihren Zugang hier bekommen. Wir können das jetzt nicht inflationär machen, dass dann jetzt von Imst die Blaskapelle sagt, sie möchten ein Konzert machen, dann irgendwann sind wir mit den Kapazitäten am Ende, aber was hier lokal performen möchte, das soll auch eine Möglichkeit kriegen, dass wir kein Haus sind, das nur mit einem Repertoire abgeschlossen ist.

Und es ist wirklich ein wichtiges Bestreben, dass wir den Menschen vermitteln, das ist ihr Haus. Deswegen darf ja jetzt gerade der Wettbewerb Prima La Musica hier toben. Am nächsten Dienstag werden 900 Kinder, Jugendliche junge Erwachsene vorgespielt haben und sich dem gestellt haben. Auch hier, dass die merken es ist unser Festspielhaus. Und wir sind auf der Bühne zu Hause. Das macht mir immer einen unglaublichen Spaß. Also wir haben da auch die wildesten Projekte mit der Musikschule in Epps schon gemacht. Habe ich gesagt, ihr dürft also das habe ich sehr geliebt. Ihr dürft euren sozusagen Jahresshowcase von allen euren Gruppen gerne im Festspielhaus machen, kriegt die Bühne mit allem, also mit Buffet, Einlassdienst, Garderobe alles schick. Einzige Bedingung, jede Gruppe, jeder muss den Triumphmarsch aus AIDA spielen. Wenn ihr dann mal den Triumphmarsch aus Aida mit Harfe und Hackbrett gehört habt, das ist einfach eine Show. Ich habe sie geliebt alle Gruppen einzeln.

Klaus Brunner: Gibt das irgendwo noch zum Nachhören?

Andreas Leisner: Ich glaube, das wird in der Erinnerung der wenigen weiterleben.

Klaus Brunner: Ich habe auch das Gefühl, beim Reingehen schon, es fühlt sich total offen an, irgendwie so niederschwellig, wirklich ein Ort für jeden. Und ich finde es total spannend, dass du erzählst, es ist ganz eine bewusste Entscheidung, dass das so ist. Und ich will jetzt gar nicht so sehr über die Passionsspiele reden, aber vielleicht kann man das kurz erklären, weil eigentlich ohne die Passionsspiele gibt es ja auch keine Festspiele in Erl.

Andreas Leisner: Absolut. Es hat alles angefangen im Passionsspielhaus. Man muss sich aber da vorstellen, das Passionsspielhaus steht halt immer fünf Jahre leer. Und dann wohnen da die Siebenschläfer und es geht da ziemlich zu und hat dann immer so ein bisschen vor sich hingemodert, bis dann halt Gustav Kuhn die Idee hatte, da mache ich doch Festspiele in diesen fünf Jahren dazwischen. Das geht aber nur im Sommer, weil das Passionsspielhaus ist weder klimatisiert noch geheizt. Und dann kam eines zum anderen. Wir haben ein Festspielorchester. Das Festspielorchester, wenn es zusammentritt, das sind Musiker aus der ganzen Welt, die brauchen dann immer eine Zeit bis sie miteinander wieder ein Orchester zum Klingen kommt. Und da war die Idee, naja, wenn die sich öfters treffen, dann sparen wir uns diese Aufwärmphase. Wäre doch schön, wenn wir ein Konzertscheune hätten, wo wir uns im Winter einmal treffen können, ein bisschen gemeinsam musizieren. Und damit tun wir das Niveau des Orchesters beflügeln oder erhöhen. Und aus dieser Idee einer Orchesterscheune, damit das Orchester bei Zusammentritt plötzlich ein Festspielhaus.

Und ja, ohne diese Idee, dass wir auch alle fünf Jahre mal raus müssen, hätte es das wahrscheinlich auch nicht gegeben. Wenn ihr euch die Architektur vom Haus anschaut, ist es natürlich ganz, ganz stark in Bezug auf das Passionsspielhaus. Also, dass der Architekt das verstanden hat, dass er sagt, ich gehe auf den Ort ein, ich nehme die zentralsten Elemente der Kultur dieses Dorfes mit ihrer 400-jährigen Passionsgeschichte und baue daraus ein Festspielhaus. Ich finde das auch auf der intellektuellen Ebene einen tollen Twist und zeigt den Respekt vor dem Dorf.

Klaus Brunner: Weil sonst wird es ja auch gar nicht möglich sein, dass einfach diese Offenheit... Ich stelle mir das jetzt vor, Dorf XY und man stellt zwei Ufos in die grüne Wiese. Das würde zuerst mal eine Protestbewegung auslösen wahrscheinlich. Und hier ist es einfach so, durch diese lange Tradition, sozusagen jeder und jede, ein Großteil der Bevölkerung ist irgendwie involviert in das Thema Theater.

Andreas Leisner: Das ist ein enormer Vorteil für uns. Wir müssen keinem Erler und keiner Erlerin erklären, was eine Generalprobe ist, was eine Beleuchtungsprobe ist, was eine Regieprobe ist. Wir haben ja oft auch mit Statisterie und mit den Erlern viel zusammengearbeitet und da war das immer klar, die sind theatergeeicht, die kennen eine Backstage-Disziplin. Theater ist für die in der DNA. Und man darf das auch nicht unterschätzen, dieses Dorf ist natürlich grundsätzlich schon mal risikobereit. Erstens entwickeln sie jedes Mal ihre Passion sehr ambitioniert weiter und sie haben auch dieses Passionsspielhaus in den 50er Jahren mit der eigenen Hände arbeiten, mit den eigenen Geldern haben die das hingestellt. Den Mut dieser Gemeinde darf man einfach nicht unterschätzen, was das, wie viel Energie die haben und wie viel Visionskraft die haben. Also das ist ein besonderes Dorf das ist wie die Gallier.

Klaus Brunner: Und wie kann man sich das so vorstellen? Wie ist das Leben in Erl? Also ich stelle es mir vor, zum Beispiel nach einer Vorstellung, was sind deine Tipps. Was macht man danach?

Andreas Leisner: Nach der Vorstellung in Erl kann man weiter genießen. Also ich Empfehlen eine rechtzeitige Reservierung in den beiden wirklich ausgezeichneten Gasthäusern hier, die in 5 Minuten Laufnähe sind. Blaue Quelle, Gasthaus beim Dresch. Schnell reservieren, absolut hochwertig essen, den Abend ausklingen lassen, aber auch ein paar Kilometer weiter, je nach Eppsfahrt sogar zu den Deutschen, das darf ich ausnahmsweise sagen, ich bin so Euregio-Fan.Man kann auch nach Oberaudorf Hervorragend seinen Abend noch ausklingen lassen. Da ist enorm viel geboten auch vorher. Ein schöner Spaziergang noch um den Hechtsee oder am Weichsee oder zum Wasserfall nach Erl. Dann gibt es eine sehr hochwertige Skatering bei den Festspielen. Also ich glaube, man hat das Grundumerlebnis Tiroler Unterland einfach zu genießen.

Klaus Brunner: Kuhstein ist auch nicht weit.

Andreas Leisner: Ja, Kufstein ist überhaupt der Hit, weil sie einen Service bieten den nicht alle Städte haben. Also man bucht ein Ticket bei den Festspielen und wohnt aber in Kufstein im Hotel. Dann hat man einen gratis Shuttlebus, der einen von der Hoteltür bis zu den Festspielen bringt und wieder retour. Einfach einen Anruf oder eine kleine Notiz auf einer Anmeldeplattform und schon wird man geshuttled und hat einfach ein sorgenfreies Leben. Klingt super.

Lisa Prantl: Und vielleicht noch für die Zukunft, was wünscht ihr euch hier als Team für die Tiroler Festspiele in Erl?

Andreas Leisner: Natürlich wollen wir die internationale Bekanntheit noch mehr steigern damit man anerkennt was hier tatsächlich abläuft.

Da wird man noch einbisschen brauchen. Die Salzburger Festspiele haben auch 125 Jahre gebraucht, bis sie die berühmtesten der Welt wurden. Mit Bayreuth, das hat auch eine längere Geschichte schon. Also wir haben noch einen langen Atem.

Klaus Brunner: Ja, das war es mit Andreas Leisner hier in den Festspielen Erl. Es war wirklich ein super interessanter Rundgang. Lisa, ich habe schon Tickets für das nächste coole Konzert. Wie geht es dir? Schaust du auch mal her?

Lisa Prantl: Ja, ich würde jetzt gerne mitgehen, aber niemand von deiner Familie will zu Hause bleiben. Aber ich freue mich jetzt auf jeden Fall und hoffe auch bald ein Opernerlebnis irgendwo zu machen. Irgendwie klingt es jetzt spannend, wenn jemand das so faszinierend findet, will man auch ein bisschen eintauchen.

Klaus Brunner: Ja, wir singen keine Oper für euch heute, das ersparen wir euch. Aber wir haben natürlich alle wichtigen Infos zur Region, zu Kufstein, Erl und so weiter und zur Kulturlandschaft in den Show Notes verlinkt.

Lisa Prantl: Schreibt uns unbedingt auf info@tirol.at und dann sagen wir bis zum nächsten Mal.

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