Tirol als Filmkulisse: Von Bond bis Bollywood
Shownotes
Tirol ist ein Hotspot für Filmproduktionen! Von James Bond in Spectre im Ötztal bis zu Bollywood – die majestätischen Alpen bieten spektakuläre Drehorte. Tirol ist ein Paradies für Natur- und Sportbegeisterte und eine gefragte Kulisse für Filmproduktionen weltweit. Johannes Köck von Cine Tirol verrät, wie er 007 nach Sölden und Obertilliach lockte und was es mit der 007 Elements-Erfahrung auf sich hat. Ob Der Bergdoktor, The Mountain Eagle oder aktuelle Action-Filme – Tirol ist mehr als nur Kulisse! Licht, Kamera, Action – jetzt reinhören in Hörausflüge – Der Tiroler Reisepodcast mit Lisa & Klaus!
Für alle Filmbegeisterten, die mehr über Produktionen erfahren möchten, die Tirol als malerische Kulisse nutzen, bietet Cine Tirol ein reichhaltiges Location-Archiv. Entdeckt mehr über die faszinierende Filmwelt Tirols auf der Website cine.tirol und in den verlinkten Ressourcen:
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Lisa: Hörausflüge!
Klaus: Der Tirol-Podcast.
Lisa: Wir nehmen euch mit auf die kleinen und großen Abenteuer, die es hierzulande zu erleben gibt. Ich bin Lisa Prantl.
Klaus: Mein Name ist Brunner, Klaus Brunner.
Lisa: Didididididididididiiii!
Klaus: Ja, in dieser folge bringen wir Tirol zu euch nach Hause.
Lisa: Mehrere tausend Film- oder Fernsehproduktionen wurden bereits in Tirol gedreht. Einer davon war 'James Bond Spectre'.
Klaus: Neben London, Rom und vielen weiteren Drehorten ist Daniel Craig als 007 auch im Ötztal und in Osttirol im Einsatz gewesen.
Lisa: Ja, und was das für eine Aufregung war, diese Action-Szenen am Gletscher umzusetzen, das haben wir jemanden gefragt, der ganz nah dabei war, nämlich Johannes Köck.
Klaus: Mit seinem Team unterstützt er Filmschaffende dabei, hier bei uns in den Bergen ihre Produktionen umzusetzen.
Lisa: Ja, und James Bond ist dabei nicht der einzige Superstar, den die Arbeit schon nach Tirol geführt hat. Wir sprechen mit Johannes Köck über Ed Sheeran, die Stars der indischen Filmszene Bollywood und natürlich auch den Über-Drüber-Arzt vom Wilden Kaiser. Lieber Johannes, vielen Dank für deinen Besuch. Wir wollen unsere Hörerinnen und Hörer heute zu einem Hörausflug in die Traumfabrik von Film und Fernsehen mitnehmen. Wir reisen aber nicht nach Hollywood, sondern holen die Abenteuer nach Tirol, wie du das ja bereits seit 25 Jahren machst und hautnah miterlebst. Mit deiner Arbeit schickst du wiederum Bilder aus Tirol um die ganze Welt. Über 1900 Filme wurden hier im Land seither gedreht. Es flimmert also ziemlich wahrscheinlich auch jetzt gerade in diesem Moment irgendwo auf der Welt ein Stück Tirol über den Bildschirm. Was macht denn diese Vorstellung mit dir?
Johannes Köck: Die macht mich vor allem sehr dankbar. Dann entsteht auch das Gefühl, dass ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen Spuren hinterlassen habe, die noch lange Zeit sichtbar sein werden. Und so gesehen ist es ja auch für mich beruflich eine unglaubliche Fügung, wofür ich schon sehr freudvolle Gefühle entwickle.
Klaus: Mhm, du sagst, es war eine Fügung und du hast Spuren hinterlassen. Vor 25 Jahren war das wahrscheinlich noch nicht absehbar. Wenn du dich zurückerinnerst, wie waren deine Anfänge in der Filmwelt?
Johannes Köck: Ich bin ja schon sehr lange in der Tirol-Werbung und früher sogar noch in der Tiroler Fremdenverkehrswerbung. Es hat uns ein Brief erreicht von einer neuen Deutschen Filmgesellschaft aus München, Anfang der 90er Jahre. Und der Inhalt war, die suchen in Bayern, Salzburg, Südtirol, Graubünden und eben auch in Tirol Drehorte für eine Fernsehserie mit dem damaligen Arbeitstitel der Bergdoktor. Dann haben wir uns angeschaut und gesagt, "Was machen wir da? Bergdoktor? Fernsehserie?", dann habe ich den Auftrag bekommen, mir da was einfallen zu lassen und vom Briefing her war das schon spektakulär, weil es war der Wunsch, hochgelegene Bergdörfer vorzuschlagen, wo sozusagen der Gletscher fast bis zur Dorfmauer kommt. Nur eine Straße sollte dort hinführen und so weiter und so fort. Und das gibt's ja reichlich in Tirol, nicht? In verschiedenen Bezirken. Ja, gesammelt und mit Karten definiert und, und Fotos beigelegt, ungefähr zwei Kilo Material ist dann mit der Post nach München gegangen und ich hab nix mehr gehört. Aber gedacht, das darf ja wohl nicht wahr sein. Ruf dann dort an und komm an den wunderbaren Produktionsleiter Siegfried Glöckler und frag ihn höflich, ob er mein Paket bekommen hat. Ja, hat er. Und sag ich, "Sind wir im Rennen?", dann sagt er ziemlich ernüchternd, "Nein", dann frag ich, "Lieber Herr Glöckler, warum nicht? Ich hab eine Woche meines Lebens dafür verwendet". Und dann sagt er, "Das, was Sie mir geschickt haben, ist unfilmbar". Und dann hab ich gesagt, "Aber so ist im Briefing gestanden". Dann hat er gesagt, "Das war das Briefing des Regisseurs und der kann sich vieles wünschen". Aber ich als Produktionsleiter muss schauen, dass das Ding auch filmbar ist. Und deshalb, ein Drehort, der nur über eine Straße zu erreichen ist, ist kein Drehort. Weil, wenn der durch einen Unfall, eine Mure, eine Lawine blockiert ist, steht das Filmteam vorn oder hinten, macht keinen Sinn. Dann hab ich gesagt, "Lieber Herr Glöckler", das war dann am Donnerstag, "Ich bitte um eine zweite Chance", "Ja, aber morgen mittags müssen die neuen Vorschläge bei mir am Tisch sein, sonst entscheiden wir anders". Dann habe ich eine bisschen eine stressige Nacht hinter mich gebracht und ja, ihr wisst ja, wo Bergdoktor 1 entstanden ist, auf einem Mittelgebirge in Wildermieming. Hat also mit entlegenem Bergdorf nix zu tun, aber hat alle Bedürfnisse für die Produktion erfüllt. Und deshalb ist dann die Produktion in Tirol gelandet, war dann 8 Jahre unterwegs, dann hat es eine lange Unterbrechung gegeben und dann ist es sogar noch einmal gelungen, Bergdoktor 2, wie wir das intern nennen, dann nach Ellmau, also wieder nach Tirol zu führen.
Lisa: Ja, der Bergdoktor ist immer noch oder vielleicht noch erfolgreicher heute. Fast neun Millionen Menschen schauen die Erstausstrahlung. Wie du schon gesagt hast, die Serie ist umgezogen an den Wilden Kaiser. Was denkst du, warum ist diese Serie denn so langlebig und so erfolgreich?
Johannes Köck: Unterm Strich ist es die Kombination von dieser erhabenen Bergwelt des Wilden Kaisers, spannenden Geschichten, wo natürlich viel Emotionen auch mitschwingen, eingepackt in sozusagen den medizinischen Kontext, ein sicher sehr charismatischer Hans Sigl als Bergdoktor selbst, ein Ensemble, das wahnsinnig sympathisch rüberkommt. Und die Aussicht, dass es am Ende jeder Episode dann letztlich gut ausgeht. Ich glaub, zu allen Zeiten und zu den Zeiten, in denen wir gerade leben, ist die Sehnsucht nach solchen Geschichten, die ein Happy End finden, wahnsinnig groß. Ich kann mich erinnern, ich habe einmal eine E-Mail bekommen, ähm, in Deutsch, man hat gemerkt, es ist nicht die Muttersprache des Autors, aber sehr bemüht und stellt sich vor als Dr. Yusuke Yahagi aus Texas, der dort als Herzchirurg in Victoria arbeitet, ein Japaner, der nach Amerika gekommen ist, dort Medizin studiert hat und der wahnsinnig engagiert und motiviert in seinem Kernberuf arbeitet, aber nebenbei Träger des Schwarzen Gürtels ist, nebenbei Liedsänger einer Ärztekombo ist, die durch Texas dingelt, um Geld zu sammeln für Kinder, die sich die OP nicht leisten können, drei Töchter und so weiter und so fort. Und er hat noch ein bisschen Zeit, weil er schläft nachweislich nur vier Stunden pro Nacht. Das hat er sich antrainiert. Er liebt Ärzte-Serien, weltweit. Kommt über irgendeinen Stream zum Bergdoktor, um es zu verstehen, lernt er selbst Deutsch und schreibt, "Das ist die tollste und großartigste Ärzte-Serie auf dem Planeten" und ob wir es möglich machen könnten, er plant im Sommer eben nach Europa zu kommen, dass er da einen Set-Besuch machen dürfte. Wir haben schon schwierigere Sachen gelöst und gesagt, "Das werden wir schaffen", und tatsächlich ist er dann nach drei, vier Wochen vor dem Tourismusverbandsbüro in Ellmau gestanden. Er ist mit zwei Drehbüchern gekommen, die er auf Deutsch geschrieben hat und die er persönlich dem Hans Sigl übergeben hat. Spontan ist er dann als Statist eingeteilt worden, jetzt hat er überhaupt Tränen in den Augen gehabt. Und er macht seit damals Werbung für das Filmland Tirol und auch das Tourismusland Tirol. Das würden wir in Texas zumindest nie und nimmer schaffen. Ja, das ist eine einzige Geschichte, warum Menschen weltweit bei der Fernsehserie hängenbleiben und die über Jahre lang begleiten.
Lisa: Also dieser lange Abend hat sich so richtig gelohnt, dass du dich da eingesetzt hast, um den ersten Bergdoktor nach Tirol zu holen.
Johannes Köck: Also wenn das ein Beitrag war, dann stimmt das.
Klaus: Aber wahrscheinlich die größte und bekannteste Produktion ist natürlich James Bond 'Spectre'. Wie erinnerst du dich an die Geschichte zurück? Wie ist James Bond nach Tirol gekommen?
Johannes Köck: Wir haben natürlich seit der Gründung von Cine Tirol auf diesen leuchtenden Stern, James Bond geblickt und haben auch das uns mögliche getan, um die Produzenten auf Tirol als mögliche Location aufmerksam zu machen. Wir haben Kalender geschickt, wir haben Briefe geschrieben, wir haben sie ins Abendgebet eingeschlossen. Es hat alles nichts genützt. Die Akquisition von Spectre ist nicht unser Verdienst. De facto ist das wirklich der Verdienst von Jakob Falkner aus Sölden, der mit dem Bau des Ice Q's am Gaislachkogel-Gipfel eine Spur gelegt hat, die dann die Location Scouts von James Bond entdeckt haben. Und der Spur sind sie dann gefolgt.
Klaus: Ja, kurz zur Erklärung für unsere Hörerinnen und Hörer. Jakob Falkner ist der Chef der Bergbahnen in Sölden und das Ice Q ist ein Gourmet-Restaurant gleich bei der Bergstation vom Gaislachkogl im Ötztal. Und mit viel Glas und Würfelformen ist die Architektur des Restaurants ziemlich futuristisch und genau dieses Restaurant dient bei James Bond Spectre als Hoffler-Klinik.
Johannes Köck: Ganz genau. Und es hat ja dann noch einen zweiten Drehort gegeben in Obertilliach. Alle unsere Bemühungen, den zweiten Drehort doch näher an Sölden zu platzieren, sind gescheitert. Also hat es dann einfach diesen logistischen Aufwand geben müssen, das Team, das aus 700...
Lisa: Wow!
Johannes Köck: ...Menschen bestanden hat, zwischen diesen zwei doch relativ entlegenen Drehorten hin und her zu bringen. Da war man schon sehr stolz, weil es ist sowas wie der Ritterschlag für jede Region, für jedes Land, wenn eine Bond-Produktion stattgefunden hat. Und dass Jakob Falkner eben genau zu diesem Thema auch noch oben am Gaislachkogel mit 007 Elements etwas geschaffen hat, was ein absolutes Magnet für nicht nur Bond-Fans, sondern für grundsätzlich filminteressierte Menschen ist, das ist dann schon noch einmal die Krönung gewesen und wir sind selber ganz ehrfürchtig das erste Mal hinaufgefahren und in diese Welt eingetaucht, die hochprofessionell, interaktiv gestaltet wird und kann nur jedem und jeder empfehlen, da mal einen Ausflug nach Sölden zu machen und, und Bondluft zu schnuppern.
Lisa: Richtig cool, dass man da noch mal einsteigen kann ins Bond-Universum, auch wenn man nicht wie du vielleicht, und das würde mich jetzt interessieren, hautnah dabei war bei den Dreharbeiten. Wie hast du denn diese Zeit erlebt, als das sich wirklich abgespielt hat in Tirol?
Johannes Köck: Das war eine relativ spannende Zeit und die ist ja über einen längeren Raum gegangen. Man muss sich vorstellen, die Dreharbeiten waren dann für Jänner geplant. Bereits im August ist ein 70-köpfiges Team nach Sölden gekommen und hat sich dort in der Talstation der Seilbahn einquartiert, um die Dreharbeiten, sechs Monate, später im Detail vorzubereiten. Und allein da dabei zu sein und über die Schultern zu blicken, was diese Superprofis aus der ganzen Welt, weil für Bond werden die Besten der Welt zusammengetrommelt, also wie die begonnen haben, so rastermäßig die Dreharbeiten zu organisieren. Ich kann mich erinnern, da war sozusagen das Thema, wie viel Schnee wird es dann geben? Viel Schnee, wenig Schnee oder irgendwas dazwischen? Wind war ein großes Thema, weil da Flugaufnahmen waren. Viel Wind, wenig Wind, irgendwas dazwischen? Und dann hab ich eben festgestellt, da werden alle diese Raster übereinandergelegt und dann, am Tag vor den Dreharbeiten, gibt's sozusagen das klare Bild, was können wir wirklich am nächsten Tag drehen, unter welchen Bedingungen. Und es hat sich halt so aufgebaut. Dann war eine kurze Pause über Weihnachten und dann ist das ganze Team wieder zusammengekommen. Und dann haben die Dreharbeiten ja auch mit aufwendigsten Stunt-Szenen begonnen, die natürlich x-mal geprobt wurden. Und allein der, der logistische Aufwand, alle diese Elemente, wenn ich nur denke an den Fuhrpark, es war unfassbar, wie viele Transportautos, Spielautos, bis hin dann ja auch zu den, äh, Flugzeugen, nach Sölden oder nach Obertilliach gekommen sind, nicht? Also das ist wirklich Meisterklasse und ich glaube, das beherrschen nicht allzu viele Produktionsfirmen auf der Welt. Und ja, sollte die Frage auch in die Richtung zielen, habe ich Daniel Craig kennengelernt, dann ist die Antwort "Nein", weil er sich sehr bewusst zurückgezogen hat. Aber, und das wird jetzt vielleicht alle freuen, ich habe in Obertilliach in einem Bauernhaus, wo sozusagen die Wärmestube war für die Schauspieler, Léa Seydoux kennenlernen dürfen und sie hat mir zum Abschied ein französisches Hello zugehaucht und das hat mich natürlich sehr glücklich gemacht, bin dann auch irgendwie ziemlich verklärt wieder nach Innsbruck zurückgefahren.
Lisa: Ja, das werden dir jetzt wahrscheinlich viele, naja, neidisch sein ist das falsche Wort, viele werden sich mit dir freuen, über diese Begegnung. Von Hollywood schauen wir vielleicht weiter nach Bollywood, um die indische Filmindustrie, auch Bollywood genannt, vom Drehort Tirol zu überzeugen, habe ich gelesen, bist du ja vor vielen Jahren sogar selbst nach Mumbai gereist und hast da mit deinem Team Tirol präsentiert. Wie spannend und reiselustig darf man sich denn deinen Job vorstellen und wie war diese Reise nach Mumbai?
Johannes Köck: Also man muss schon sehr reisefreudig bis lustig sein, aber das ist ja per se schon einmal ein großes Geschenk und ich habe das ein Leben lang sowohl beruflich als auch persönlich erleben dürfen, diese Reisen de facto wirklich rund um die Welt. Hollywood und Bollywood - geografisch weit voneinander entfernt - und doch sind es zwei Welten, die wir auch nach Tirol holen konnten. Wir haben natürlich in der Vorbereitungszeit bis zur Gründung wahrgenommen, die weltweit größte Filmindustrie ist eben in Bollywood und nicht in Hollywood. Und haben das aber mehr so zur Kenntnis genommen, ohne das jetzt strategisch anzugehen, weil wir uns beim besten Willen nicht vorstellen haben können, dass eine einzige indische Filmproduktion ins Stubaital oder nach Kitzbühel kommen sollte. Und dann, kurz nach der Gründung von Cine Tirol, lese ich einen Artikel über indische Filmproduktionen in Interlaken, in der Schweiz, und ich glaube, das ist so ein natürlicher Reflex der Tirolerinnen und Tiroler, vor allem der im Tourismus Tätigen, wenn wir hören, dass in der Schweiz etwas gut funktioniert, dann sagen wir reflexartig, das kann Tirol auch. Auf alle Fälle war das der Impuls, die österreichische Botschaft und Handels-Delegation in Neu Delhi anzuschreiben und zu sagen, es gibt uns und wir hören, große Industrie, Schweiz ist da schon mittendrin, wie die Chancen für Tirol stehen würden und wir haben natürlich riesiges Glück gehabt, weil der damalige österreichische Botschafter in Delhi hat Tiroler Wurzeln, ist mit einer indischen Tänzerin verheiratet, die wieder ein bisschen Kontakte in die indische Filmindustrie hat. Und er hat zurückgeschrieben, es ist eine großartige Idee. Und er hilft, und er macht, und er tut, und seine Frau auch. Und wir sind dann, glaube ich, drei Monate danach nach Mumbai geflogen. Der Botschafter und seine Frau haben dort einen Empfang für uns ausgerichtet. Da waren dann ungefähr 25, 30 Produzenten, Regisseure, manchmal auch in Personalunion, ja, und drei Wochen danach ist die erste indische Produktion gelandet und hat uns in vielfacher Weise überrascht, aber auch beglückt in der Art und Weise, wie indische Filme gemacht werden. Inzwischen haben wir über 90 indische Filme, also nicht nur aus Bollywood, weil es meint ja Mumbai, sondern eben auch aus Südindien, Hyderabad, Chennai, Bangalore und so weiter nach Tirol geführt. Und, äh, fast jede Produktion hat letztlich dazu geführt, dass ich eine Stunde lang Geschichten erzählen könnte, was da einfach passiert, weil es ist eine andere Kultur, es ist eine andere Herangehensweise, Zeitmanagement ist komplett unterschiedlich zu dem, was wir darunter verstehen. Aber was am Ende rauskommt, sind immer magische Bilder. Also Inder sind ja auch seit über 100 Jahren im Filmbusiness und sie können Filme machen, die die Herzen wirklich berühren.
Lisa: Ja, neben den großen Produktionen aus dem Ausland, die eben Teile des Films oder den ganzen Film in Tirol drehen und eben diese Bilder nach draußen tragen, gibt es natürlich auch Filme, die hier in Tirol spielen, entweder Tiroler Geschichte verarbeiten oder sogar wahre Geschichten aus Tirol nacherzählen. Gibt es denn aus diesem Bereich einen Film, den du uns besonders ans Herz legen kannst, wo man sozusagen über Land und Leute viel lernen kann oder in, wie sagt man, in die Tiroler Seele blicken kann?
Johannes Köck: Ich lege einen Film nicht nur an eure Herzen, sondern tief hinein. Es ist der Film 'Märzengrund', der mich in einer Art und Weise berührt hat. Und, wenn ich das mit euch teilen darf, ich mag Felix Mitterer sehr gerne und hab glaube ich fast alle seine Theaterstücke gesehen. Ja, und dann war 'Märzengrund' auf einmal im Programm vom 'Stummen Schrei', vom Theaterfestival in Zillertal, und ich bin mit meiner Frau hineingefahren und wie wir dann nach Hause gefahren sind, auf der Höhe von Schwaz fragt sie mich, ob ich wieder mal mit ihr rede? Und dann habe ich gesagt, "Natürlich Petra, rede ich wieder mit dir, aber nicht jetzt und wahrscheinlich wird es noch eine Zeit dauern". Weil mich das Theaterstück von Leiden aufgeführt, großartigen Leiden-Schauspielern, mir eine Geschichte erzählt hat, die schier unglaublich war und mir in Erinnerung gerufen hat, wie oft bin ich durchs Zillertal rein-, rausgefahren, beruflich, privat, nicht? Und in dieser Zeit hat sich ein junger Mann damals entschieden, das Dorf zu verlassen, die Eltern zu verlassen, die Erbschaft auszuschlagen und 40 Jahre lang, Sommer wie Winter, weit oben, weit weg von den Menschen und den Dingen unserer Welt zu leben. Und da hab ich mir geschworen, ich suche so lange Verbündete und Gefährten, bis diese Geschichte als Film erzählt wird und dann, Gott sei Dank, mit Michael Cencig von der Metafilm haben wir dann diesen Menschen gefunden, Adrian Goiginger hat dann Regie geführt und der Film ist entstanden. Und was mich aber am meisten freut, war bei vielen Präsentationen dabei, alle Menschen, die dann aus dem Kinosaal rausgegangen sind, waren ähnlich tief berührt wie, wie ich.
Lisa: Jetzt gibt es natürlich auch schon Produktionen, die man sich anschauen kann, die schon vor deiner Zeit gemacht wurden. Ich habe gelesen, dass Ende der 60er Jahre zum Beispiel Robert Redford oder Omar Sharif in Tirol gedreht haben. Man kennt vielleicht die Sissi-Filme mit Karl-Heinz Böhm und Ormi Schneider auf der Nordkette oben. Was erzählt man sich denn in deinen Kreisen noch für Legenden und Geschichten vielleicht aus dieser Zeit des Films?
Johannes Köck: Das Filmland Tirol gibt's natürlich länger als seit dem 1. April 1998, wo Cine Tirol begonnen hat, Tirol aktiv als Filmland zu bewerben, um Produktionen herzuholen. Ich hab ja ein Masterstudium Filmproduktion absolviert und hab meine Diplomarbeit der Filmgeschichte Tirols gewidmet. Hab gedacht, dass es da reichlich Literatur gibt, bin dann überrascht worden, es hat relativ wenig gegeben, aber viele Spuren und drum habe ich für diese Arbeit richtig viel Zeit gebraucht und sehr viele Nächte, äh, recherchiert. Auf alle Fälle, es geht zurück bis ins Jahr 1900 und da waren wirklich ein paar großartige Produktionen. Die von dir genannten natürlich in den 60er Jahren und danach noch weiter zurückgehen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beispiel war ein kleines Dorf namens Thiersee die Filmmetropole Europas. An diesem See sind, äh, in wenigen Jahren 18 Spielfilme entstanden, darunter das 'Doppelte Lottchen' von Erich Kästner. Also es ist wirklich sehr beeindruckend, was in diesen Jahren alles entstanden ist und da gibt es dann etwas oder eine Produktion und die ist die tollste und mysteriöseste von allen. Ein lieber Freund hat mir den Hinweis gegeben, dass Alfred Hitchcock 1925, Stummfilmzeit, seinen zweiten Regiefilm im Ötztal gemacht hätte. Und er hat auch ein paar Spuren gehabt und dann hab ich gesagt, das kann ich auch fast nicht glauben. Und hab dann auch meine Reisen genützt, war im Privatarchiv der Familie Hitchcock in Los Angeles freundlicherweise, bin dort eingeladen worden, und hab tatsächlich alle Belege dafür gefunden, dass Alfred Hitchcock im Herbst 1925 den Film 'The Mountain Eagle' dort realisiert hat. Ich habe auch zwölf Fotos bekommen, ich habe ein Filmplakat gesehen, ich habe Kritiken gelesen, ich habe seine Tagebuchaufzeichnungen anschauen dürfen. Das Spannende an dem Ganzen ist, es gibt keinen Meta dieses Films, und 'The Mountain Eagle' wurde nicht nur von uns, sondern vom British Film Institute zum meistgesuchten Film der Welt erklärt, und weltweit wird nach diesem Film gesucht, in allen Archiven, die es gibt, aber auch in Dachböden und Kellern, wo auch immer, deshalb auch die Botschaft an alle Hörerinnen und Hörer, wenn Sie nach diesem Interview bitte die Güte hätten, kurz in den Keller oder in den Dachboden zu gehen. Sollten dort Filmrollen herumliegen mit der Aufschrift 'The Mountain Eagle' oder 'Der Bergadler', das war eine britisch-deutsche Co-Produktion, rufen Sie mich bitte zu jeder Tages- und Nachtzeit an. Sie können mich dafür auch um drei in der Früh anrufen, ich komme dann gleich zu Ihnen und alles andere besprechen wir dann vor Ort.
Lisa: Klingt fantastisch. Wir können uns ja jetzt noch den Film von Alfred Hitchcock leider nicht anschauen. Wenn der ein oder andere Hörer, die Hörerin jetzt Sehnsucht nach Tirol hat und der nächste Urlaub vielleicht noch ein bisschen länger hin ist, was würdest du ans Herz legen? Vielleicht zwei, drei Filme oder Serien, wo du sagst, da kann man die Sehnsucht ein bisschen stillen.
Johannes Köck: Also 'Bergdoktor' wirkt immer, fast therapeutisch, im Sinn Sehnsucht wecken und Sehnsucht auch ein wenig stillen, bis man wirklich an den Drehorten oder auch benachbarten Gegenden ist. 'Märzengrund' habe ich erzählt, wer sich auf den Film einlässt, wird sicher reich beschenkt. Es gibt natürlich ein paar wunderbare Dokumentarfilme. Wenn ich einen hervorheben darf, dann ist es 'Glockner, der schwarze Berg' von Georg Riha, der Anfang der 2000er Jahre damals spektakuläre Flugaufnahmen gemacht hat und diesen Berg und dem ganzen Bergmassiv, speziell auf der Osttiroler Seite wirklich ein filmisches Denkmal gesetzt hat, Botschaft vermittelnd, "Geht behutsam und sorgsam mit dem Geschenk eurer Natur um", und er hat das vor allem auf das Dorfertal bei Kals hingemünzt, nicht, das ja, äh, ein, eins der schönsten, äh, Täler unsres Landes is, das aber vor einigen Jahrzehnten einmal geflutet hätte werden sollen, weil wasserreich und weiter und sofort, und hat sich ein Biologie-Professor aus Lienz und ein paar Bäuerinnen aus Kals dagegenstellt und gesagt, "Nein, wir wollen das nicht!" Und das sozusagen jetzt auch in dieser filmischen Art und Weise zu sehen, das macht schon große Lust auf Tirol, diese Wege zu gehen. Und es geht nicht nur um Gipfel, sondern einfach auch um die Talschaften, um die Geschichten, die dort erzählt werden und einmal mehr um die Menschen, die dort leben.
Klaus: Ed Sheeran würd mir noch einfallen.
Johannes Köck: Da danke ich euch für diesen Hinweis, weil wir ja davon geredet haben, was war der größte Film, der erfolgreichste Film, der tollste Film. In gewisser Weise ist es nämlich genau dieses Musikvideo 'Perfect' von Ed Sheeran. Dieses Musikvideo wurde jetzt über 3,3 Milliarden Mal angeklickt und so ab November steigt die Rate dann wieder überdurchschnittlich. Und ja, das Video trägt natürlich auch alle Elemente. Man kann es vielleicht zu romantisch oder zu kitschig oder was auch immer finden. Es ist halt unglaublich berührend und es zieht jede und jeden in den Bann und zwar über die Kulturen hinweg. Ich treffe Inderinnen und Inder, die mir 'Perfect' vorsummen und sagen, "Haben Sie gesehen?", und "Das hat Lust auf Tirol gemacht".
Lisa: Lieber Johannes Köck, vielen Dank für deine Zeit und dieses spannende Gespräch.
Johannes Köck: Ich danke euch und schließe mit meiner Grußformel, ich schließe alle Hörerinnen und Hörer natürlich herzlich ein. Ich wünsche euch Schönes und Gutes und ein frohes Herz.
Klaus: Das war unser Gespräch mit dem langjährigen Chef der Tiroler Filmkommission, Johannes Köck. Ich hatte das Gefühl, er hätte noch viel, viel mehr spannende Geschichten für uns auf Lager.
Lisa: Ja, und ich hab mich gefragt, woher dieser Boom der indischen Filmproduktionen in Tirol kommt und nachgelesen, dass die Bergwelt Tirols deswegen so ein interessantes Motiv ist, weil in der indischen Mythologie die Berge als Sitz der Götter gelten. Die Tiroler Landschaft wird deshalb mit dem Paradies verbunden und steht für Schönheit, Reinheit und Gesundheit.
Klaus: Und zum Schluss noch ein letzter praktischer Tipp für alle, die in der Filmbranche arbeiten, die uns vielleicht gerade zuhören. Das Online Location Archiv der Cine Tirol umfasst inzwischen bereits 700 Drehorte in Tirol, von der malerischen Bergstraße über Burgen und Schlösser bis hin zu moderner Architektur.
Lisa: Alles, was ihr darüber und über die zahlreichen Filme 'made in Tirol' wissen müsst, findet ihr unter cine.tirol oder verlinkt in den Shownotes.
Klaus: Das war's vom heutigen Hörausflug. Wir hoffen, es hat euch genauso viel Spaß gemacht wie uns. Cine-astische Grüße!
Lisa: Und vielen Dank fürs Zuhören. Wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid.
Outro: Und cut!
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