Tiroler Fasnacht: Sag niemals Fasching dazu!
Shownotes
Nassereith im Fasnachtsfieber: Bären, Scheller, Ruaßler mit kunstvoll geschnitzten Holzlarven übernehmen den Ort. Wenn hier Fasnacht ist, herrscht Ausnahmezustand – und fast das ganze Dorf macht mit. Lisa und Klaus sind zu Gast bei der Fasnacht in Nassereith. Anja Falbesoner und Holger Gassler erzählen, warum die Fasnacht hier mehr ist als ein Umzug: gelebte Tradition, Generationenprojekt und pure Emotion. Es geht um schwere Glocken (bis zu 28 Kilo!), handgenähte Kostüme, archaische Rollen und die Aufregung kurz vor dem Start. Scheller, Ruaßler, Bären und Bärentreiber: Die Figuren der Nassereither Fasnacht tragen Geschichte, Winteraustreiben und Glück in sich.
Außerdem gibt es spannende Einblicke in die Fasnacht im restlichen Tirol: Warum das Winteraustreiben häufig Männersache ist, wo Frauen inzwischen den Umzug übernehmen und an welchen Orten der Winter buchstäblich niedergeschlagen wird.
Kurz gesagt: Kein Karneval mit Plastikverkleidungen, dafür echtes Brauchtum – jahrhundertealt, farbenfroh und beeindruckend.
Links zur Episode:
- Nassereither Schellerlaufen https://www.tirol.at/aktivitaeten/brauchtum-traditionen/nassereither-schellerlaufen
- Fasnacht-Veranstaltungen in Tirol https://www.tirol.at/aktivitaeten/events/fasnacht-events
- Ausflugsziel: Fasnachtshaus Nassereith https://www.tirol.at/aktivitaeten/ausflugsziele/pois/fasnachtshaus-nassereith
- Die Tiroler Fasnacht von A bis Z https://www.tirol.at/aktivitaeten/brauchtum-traditionen/fasnacht
- Imster Fasnacht https://www.fasnacht.at/de
- Thaurer Mullerlaufen https://www.tirol.at/aktivitaeten/brauchtum-traditionen/thaurer-mullerlaufen
- Mit Mut zum Hut – das Telfer Schleicherlaufen https://www.tirol.at/aktivitaeten/brauchtum-traditionen/telfer-schleicherlaufen
- Axamer Wampelerreiten: Kleine Wampeler ganz groß https://www.tirol.at/aktivitaeten/brauchtum-traditionen/axamer-wampelerreiten
Transkript anzeigen
00:00:00: Klaus Brunner: Bären, Hexen, bunte Gewänder und ausdrucksstarke Holzmasken. Lisa Prantl: Während der Fasnacht herrscht in einigen Tiroler Gemeinden absoluter Ausnahmezustand. Besonders eindrucksvoll ist die Fasnacht zum Beispiel in Nasserreith. Klaus Brunner: Ja, mehr oder weniger alle Dorfbewohner beteiligen sich an dieser jahrhundertealten Tradition. Lisa Prantl: Warum? Das finden wir in dieser Episode heraus. Hörausflüge, der Tiroler Reisepodcast. Klaus Brunner: Ja Lisa, eins haben wir gelernt in Nasserreith, sag niemals Fasching zur Fasnacht. Lisa Prantl: Nein man wird keine Biene Maja oder keine Mickey-Maus auf der Fasnacht finden. Es ist ein Jahrhundertealter-Brauch. Klaus Brunner: Ja, so Fasching und Karneval und Fasnacht haben sicherlichähnliche Wurzeln. es geht immer um die Vertreibung des Winters Der Frühling muss her, der Winter muss weg.Aber natürlich ist es ganz was Eigenes Jetzt nicht nur in Nassireit, sondern in Tirol gibt es mehrere vergleichbare Bräuche. Aber wir waren im Fasnachtsmuseum in Nassireith. Lisa Prantl: Wir haben da Anja Falbesoner und Holger Gassler getroffen, die uns ein bisschen mehr darüber erzählen, wie dieser Brauch immer noch zelebriert wird und es war wirklich spannend zu hören, wie seit Jahrhunderten fast das ganze Dorf da mitmacht, was das für eine Begeisterung ist, wie das die Generationen zusammenbringt und dass die eigentlich absolut gar kein Nachwuchsproblem haben, im Gegenteil. Klaus Brunner: Das waren schon fast leuchtende Augen, man merkt die sind einfach heiß auf die nächste Fastnacht, die freuen sich drauf. Und wir haben diese ganzen Figuren kennengelernt da gibt es ganz viele und das ist relativ komplex mit dem Scheller, das ist der Wichtigste dann den Ruaßler, die Hafelemeid nein, wie heißt sie? Klaus Brunner: Kübelemeid Entschuldigung. Und viele andere, zum Beispiel der Rußler der macht einen schwarz und das bringt dann Glück und steht für Fruchtbarkeit und für Glück. Lisa Prantl: Genau also das ist. Es ist eine Ehre genauso wie der Pferd Bär, der Bär steht für den Winter, der Bär und Treiber ist der Frühling, also die kämpfen dann am Schluss, also das finde ich auch spannend und der Bär der hebt irgendwie die Zuschauer hoch, wenn der einen hochhebt, das ist auch eine Ehre und es ist total spannend, weil unsere Gesprächspartner das mit auch so viel Respekt und Ehrfurcht vor diesem alten Brauch uns näher gebracht haben, das fand ich wirklich faszinierend. Klaus Brunner: Hören wir am besten einfach selber rein, was Anja und Holger uns zu sagen haben. Lisa Prantl: Wir haben sie zum Einstieg gefragt, wie sie eigentlich selber zur Fasnacht gekommen sind. Holger Gassler: Also bei mir ist die ganze Familie schon immer in die Fasnacht gegangen. Also ich glaube, die narrischte Fasnachtlerin ist eigentlich meine Mama. Die was das lebt und Frauen dürfen ja bei der Fasnacht nicht mitgehen, aber die ist überall dabei, näht die Kostüme. Zu meiner Familie hat man auch immer Wagen gebaut, also einen Fusserwagen und ich selber war dann auch als Zwergerl dabei, als Mohrenspritzer, als Roller. Und ja, man lebt das einfach mit. Anja Falbesoner: Ja, ich bin auch eine waschechte Nassereiterin und mein Papa war auch immer aktiv. Entweder mal als Ruaßler und immer beim Wagenbau, da hat Musik gespielt. Und mir hat es immer so, mit 17, 18 hat es mir gereut dass ich ein Mädchen geworden bin, weil ich selber gerne mitgegangen wäre. Und ja, und jetzt, der Liebe wegen, bin ich Gott sei Dank auch in Nassereith geblieben und mein Mann ist auch sehr fanatisch und meint Sohn auch. Lisa Prantl: Und wie sehr schmerzt es dich jetzt noch, wenn du weißt, jetzt kommt bald die Fastnacht und du gehst wieder nicht mit? Anja Falbesoner: Das passt, weil ohne uns gäbe es keine Fastnacht, ohne den Frauen und wir seien im Hintergrund sehr aktiv. Lisa Prantl: Kannst du mir mal ein Bild zeichnen für alle, die Fastnacht oder Fastnacht überhaupt nie gehört haben? Was passiert da An diesen Tagen hier in Nassereith? Anja Falbesoner: Ja, in Nassereith ist ab dem 6. Jänner Ausnahmezustand. Also da fiebert jeder schon mit, wer was für eine Rolle zieht und wer welche Schelle hat. Und die Nähmaschinen laufen heiß. Also da ist überall in jedem Haus, da fiebert man einfach darauf hin. Holger Gassler: Also im Endeffekt wenn ich vielleicht noch ergänzen darf, das ist ein gesellschaftlicher Akt eigentlich. Das ist wirklich für die Dorfgemeinschaft ganz, ganz wichtig. da trifft man sich einfach in die Häuser, kommt dann ewig lang nicht heim weil man Fasnachtssitzungen hat und weil man das dann alles austüfteln muss, wie man das macht. Ich glaube, eben die Fasnacht zu beschreiben... Es ist ganz, ganz schwierig, weil es einfach aus so vielen Facetten und Stücken besteht. Und von den Nassereithern gelebt wird, für jemanden anderen, glaube ich, sehr kurios klingt. Weil es einfach, auch die Figuren zu verstehen, aber jeder verinnerlicht diese Figuren, auch Frauen wie Männer. Und es gibt ja die ganzen Wägen die schönen die was da gebaut werden, der schöne Zug. Aber es gibt nachher die Karnerr, das sind so diese, die Laninge die was da durchziehen, die was auch. Die Labere, also das sind so Kuriositäten und die Hoppalas, die in den letzten drei Jahren im Dorf passiert sind und das wird halt auch im Dialekt gesungen, ist auch sehr für die Einheimischen, verstehen auch fast nur die Einheimischen. Aber eben das Fasnachtseingraben und das Fasnachtssuchen, das sind einfach ganz spezielle Momente auch und Emotionen, die da hochkommen und es ist ganz, ganz ruhig. Und schwierig ist es auch, diese Emotionen und diese Begeisterung jemandem zu erklären. Für manche schaut es schön aus, wenn da die Maskierten durchziehem. Für uns ist das Emotion pur. Lisa Prantl: Also die Fasnacht ist ja ein uralter Brauch in dieser Region von Tirol. Und jetzt ist Nassreith einer von diesen Orten, wo das noch so richtig, richtig lebendig ist. Mit 500 Leuten, also fast einem Viertel von der ganzen Bevölkerung, die da aktiv dabei ist. Was glaubt ihr, woher kommt es, dass das genau hier noch so lebt? Holger Gassler: Ich meine, in Nassereith ist es immer noch so, dass es eine Dorfgemeinschaft gibt, also eine sehr große Dorfgemeinschaft. Ich wohne ja hauptsächlich in Innsbruck, aber am Wochenende bin ich immer da, also bin ich so ein Teilzeit-Nassereither. Da wechsle ich dann auch immer noch zwischen Dialekt her und in Innsbruck lachen sie mich nachher immer aus, wenn ich nachher im Dialekt rede. Aber im Endeffekt ist es einfach ein gelebtes Dorfgefühl das wird einfach von Generationen zu Generationen noch weitergeben. Wie zum Beispiel jetzt mein Neffe, der was da mitgeht. Und das ist das einzige Mal, wo man das Handy hinlegt und wirklich dann schnellen geht und wo man auch merkt wo die Passion überschlägt. Und das ist einfach eine übergebene Tradition eigentlich. Fasnacht macht man für die Nassereither, für sich selber. Das ist jetzt weder Brauchtum, das was man für andere macht, oder touristische Attraktion. Das hat sich so ergeben. Aber machen darf man es für die Leute selber und für die Angehörigen und für die Familie. Lisa Prantl: Das klingt total spannend, weil das wäre ja genau das, was wir brauchen, dass die Menschen gerne in ihren Heimatgemeinden noch so aktiv sind, zusammenkommen. Vor allem, wie du sagst, die jungen Menschen, die irgendwie zu viel an ihren Handys hängen. Ist das das ein bisschen Mystische auch, dass man da in diese Figuren reinschlüpft, dass man da mal schon ein bisschen entrückt ist, oder? Also wenn ich das richtig verstehe, ein gewisses Kostüm hat eine gewisse Rolle, die macht eine gewisse Bewegung und in dieser Figur bleibt man dann auch. Wie ist das Gefühl? Holger Gassler: Das ist ein ganz eigenes Gefühl, früher war es auch so, dass man aus der tagtäglichen Rolle rausschlüpft und in ein farbenfrohes Kostüm reingeht. Und jetzt ist es eigentlich eher so, dass man eine Tradition erlebt. Und es gibt ja ganz strenge Folge, wie man das tut, was man zu tun hat. Und das lebt man einfach und da schlüpft man rein und da ist man ganz archaisch befolgt man den auch nachher. Allerdings ist es auch, finde ich das Gemeinschaftsgefühl, das man nachher hat, wenn man in der Gruppe ist, wo man sich mit Leuten austauscht, wieder einfach einen engeren Kontakt hat, dann auch Ideen entwickelt, wo man sagt, was gehen wir jetzt beim Fasnachtssuchen oder was gehen wir jetzt beim Fasnachtseingraben. Und ich glaube, dass es eher diese Gemeinschaft, diese Zugehörigkeit, soziale Gefühle ist und mit Tradition verbunden. Lisa Prantl: Und du bist in verschiedenen Rollen schon mitgegangen. Nimm uns mal mit, kurz bevor es losgeht. Also man merkt es ist wirklich eine ernsthafte Sache auch. Und wie fühlst du dich da, bevor es losgeht? Was geht da in einem vor? Holger Gassler: Das ist Aufregung das ist Adrenalin und ein wunderschönes Gefühl, stolz da durchzugehen und auch diese Rolle zu verkörpern und am Ende Ende ist es dann Schmerz teilweise und große Erleichterung und auch Traurigkeit, weil dann heißt es wieder, wir sehen uns wieder und das erst wieder in drei Jahren, wo dann das nächste Spektakel wieder anfängt und alles wieder von vorne losgeht, aber es ist schöne Freude Klaus Brunner: Wir unterbrechen das Gespräch mit Anja und Holger ganz kurz, denn wir wollen natürlich wie immer ein bisschen tiefer reinschauen und haben uns die Frage gestellt, ob es wirklich nur Männer sind, die bei der Tiroler Fastnacht mitmachen dürfen. Ein bisschen mehr dazu weiß die Goaß, die alles woaß. Die Goaß die alles woaß: Dass wir Tiroler im Winter vertreiben wollen und das nur dazu schon im Februar, klingt jetzt zum ersten Mal ein bisschen paradox. Aber ganz früher haben wir vom Skifahren halt einfach nur nichts gewusst. Drum hat der Winter bald nach Weihnachten schon ziemlich einen Bart gehabt. Und bei der ganzen Kargheit ist dann auch noch die Fastenzeit vor der Tür gestanden. Kein Wunder, dass es die Menschen nochmal richtig krachen haben lassen und außerdem auch noch ein bisschen auf Aufsehen wollten. Die Fastnacht ist ja wirklich überall bunt und laut. Vor allem aber symbolisiert sie bei uns immer den Sieg des Frühlings über den Winter. Und da kann es ganz schön wild zugehen. Vielleicht ist die Fastnacht auch deshalb ein Männerdomäne in ganz Tirol. Ganz Tirol, nein, einen Moment. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Innsbruck haben die Frauen nämlich die Tradition übernommen. Da waren die Männer mal schlichtweg zu bequem für den Umzug. Und weil den Frauen das Winteraustreiben aber zu wichtig war, haben sie es kurzerhand selbst übernommen. Und das Ruder haben sie seither nicht mehr aus der Hand gegeben. Und so gehen die Patscher-Schellenschlagerinnen seit über 60 Jahren in die Fasnacht. Und die Männer schauen zu. Lisa Prantl: Du hast vorher erzählt, Anja dass dein Sohn der ist jetzt 18 Jahre alt und darf zum ersten Mal offiziell mitgehen. Wie geht es ihm? Ist er mega aufgeregt jetzt vor diesem... Anja Falbesoner: Also da muss ich dich jetzt ausbessern. Er darf nicht offiziell das erste Mal mitgehen, weil das erste Mal ist er mit fünf Jahren schon gegangen. Da war er schon Sackner. Und so hat es sich halt sein, er ist nach Kübelemaje gegangen und Mohrenspritzer. Und jetzt bei der letzten Fasnacht hat er beim Scheller probiert und hat sich gedacht das will ich jetzt machen und bei dieser Fasnacht jetzt 2026 geht das erste Mal Scheller. Lisa Prantl: Aha, das hat also weniger damit zu tun, dass man volljährig sein muss, sondern weil man kräftig sein muss. Die sind ja richtig schwer, also die sind so große Glocken aufgenäht 20, 25 Kilo oder was wir besprochen haben. Holger Gassler: 28, ja. Lisa Prantl: 28 Kilo das mutet er sich jetzt zu. Da mag man schon trainiert sein, also ich hoffe, er schafft es. Guter Hoffnung. Holger Gassler: Da geht das ganze Dorf nachher ab Herbst joggen, immer. Lisa Prantl: So wie ihr das erzählt, jetzt geht dein Sohn auch in dieser großen Rolle, in dieser wichtigen Rolle mit. Wie stellt man sich die Zukunft der Frostnacht vor? Wünscht man sich einfach, es möge doch immer so weitergehen oder wie geht es euch damit? Anja Falbesoner: Also als Mama und als Frau ist es natürlich eine Ehre, wenn der Sohn und der Mann so fanatisch ist. Was die Arbeit betrifft ist es natürlich sehr spannend Anstrengend wenn er so die Rollen wechselt weil man ja immer wieder ein neues Kostüm machen muss. Jetzt in dem Fall heuer darf man eines ausleihen, ein Schellergewand. Aber ich denke mal, wenn es ihm taugt bei der nächsten Fasnacht werden wir ein neues Gewand für ihn machen. Und ja, das ist immer wieder spannend, was auf uns zukommt. Lisa Prantl: Wie viele Stunden steckst du in so ein prachtvolles Kostüm? Anja Falbesoner: Das kann man nicht ausrechnen. Also ewig. Richtig viele Stunden. Ich kann da gar nichts dazu sagen. Tage, Nächte schlagen wir uns um die Ohren. Mit super Beleuchtung die Nächte meistens wenn wir unter dem Tag arbeiten müssen. Aber es ist eine schöne Arbeit. Lisa Prantl: Kommt ihr da zusammen mit euren Nähmaschinen und leistet es euch Gesellschaft? Anja Falbesoner: Wenn es die Zeit zulässt, dann ist es natürlich in der Gruppe schöner. Und ansonsten so Kleinigkeiten werden sicher im Laufe des Tages so gemacht. Lisa Prantl: Und das ist der persönliche Ehrgeiz oder? Also dass es immer wieder neue Kostüme sein sollen. Anja Falbesoner: Ja, es ist natürlich schwierig, weil die neue Generation natürlich nicht mehr so bewandt ist in der Näherei. Und wir sind froh, wenn wir die älteren Damen im Dorf oder die Schneiderinnen von denen Tipps kriegen, wie es funktioniert und so, weil sonst stirbt natürlich dieses Handwerk aus, dass man die Kostüme selber näht weil im Amazon oder so kann man diese ja nicht bestellen. Also es ist alles nur Handwerk vom kleinsten Detail an. Und da sind wir froh wenn wir Tipps kriegen von den alteingesessenen Nassereitherweiberleid. Lisa Prantl: Jetzt haben wir noch eine besondere Frau zum Beispiel in Nassereith hat sehr, sehr viele Masken geschnitzt. Ich habe unten gelesen, 400 Larven sagt man ja hier, Holzmasken gibt es hier für die Fasnacht. Was könntest du mir denn darüber erzählen? Das ist ja auch eine Besonderheit hier. Holger Gassler: Larven, sagt man. Maske ist so wie Fasching und Karneval. Also das ist, was einem als Nassereither glaube ich, gar nicht über die Lippen geht und wo man verbannt wird. Aber eben auch so ein Larven dann speziell selber zu haben, ist ganz was Spezielles. Also mit mir daheim haben wir auch einen Ruaßlerlaufen, das ist auch. Eine schwarze Larve von einem Ruaßler ist einer, der die Leute dann mit Ruß anschmiert, dann aufspringt und das bringt dann auch Glück. Also wenn man bei einer Fasnacht nicht ganz schwarz rausgeht dann ist man auch nicht die glücklichste Person. Also man muss sehr viel geruaselt werden und so eine eigene Larve zu haben, hat etwas ganz Eigenes. Und auch bei vielen Häusern, wo man einige hätte, da hängt die das ganze Jahr. Und das ist eigentlich so ein stolzes Gut und jeder Läufer hat seinen eigenen Ausdruck. Das ist auch etwas, was man nicht auf Amazon bestellen kann, sondern ist ganz etwas Individuelles und ganz ein spezielles Geschenk und ein spezielles Gut, was man auch hat. Ohne die Irene hätte man nicht diese wunderschönen Larven. Lisa Prantl: Jetzt sowas wie zum Beispiel, dass man den Ruß kriegen will, weil man dann Glück hat oder Fruchtbarkeit glaube ich bringt das auch. Das ist ja auch so ein bisschen abergläubisch natürlich, das schwingt in all diesen Traditionen natürlich mit. Würdet ihr jetzt sagen, im Rest des Jahres beschäftigt euch das auch? Habt ihr da andere Rituale wo man irgendwie mit diesem uralten Denken verhaftet ist? Fällt euch da was ein? Anja Falbesoner: Also bei der Fasnacht selber hofft man ja, dass man geruaßelt wird vom Ruaßler, weil das einfach Glück bringt und Fruchtbarkeit. Wenn natürlich auch Kinder in diesem Jahr entstehen sagt man nachher auch meistens aha, ein Kind, eine Fasnacht. Aber so während der Zeit unter dem Jahr. Ich denke manchmal nur an den Kaminkehrer. Lisa Prantl: Ja, und man merkt auch, dass diese tieferen Bedeutungen, dass das total drinnen ist und ernst ist und echt ist. Das finde ich total faszinierend. Bei uns in der Region, wo ich aufgewachsen bin, gibt es eher die Muller die auch sehr prachtvoll und in verschiedenen Rollen und wo es im Prinzip um das Gleiche geht. Der Winter soll gehen, der Frühling soll kommen, wie gewohnt grenzt sich das ab? Wie kann man das erklären, was Faustnacht und was die Muller sind? Anja Falbesoner: Ich sage jetzt einmal, jeder hat seine Fastnacht. Ich sage, die Muller ist genauso Fastnacht wie das Schemenlaufen in Imst, Schleicherlaufen in Telfs und wir haben das Schellerlaufen in Nassereith. Und ich denke mal jeder lebt seinen Brauch. Und jeder verkörpert es anders. Bei uns sind halt die Schellerlaufen mit dem Bären und Bärentreiber, was der Bärenkampf eigentlich die Hauptattraktion ist. Neben den schönen Schellern natürlich. Und bei den Mullern. Kriegst du den Fruchtbarkeitsschlag auf die Schulter und musst ein Schnaps trinken und so hat halt jeder seinen Brauch wie er den lebt. Holger Gassler: Also ich finde jetzt auch, alle Fasnachte dem Eigen und Schön. Und ich glaube, das Einzige was uns eint ist diese intrinsische [Motivation. Anja Falbesoner: Und das Farbenfrohe, gell? Holger Gassler: Farbenfrohe, genau. Genau wie es die Axamer machen, aber auch die Telfer oder auch die Imster. Natürlich neckt man sich immer gegenseitig aber man vergönnt jedem schönes Wetter und dass die Fahrtnacht gut umgeht und dass es ein gesellschaftliches Ereignis ist. Aber dafür die... Für die, die dort wohnen und dort aufgewachsen sind, ist das, glaube ich, genauso für die Axamer oder für die Telfer ein großes Ereignis und ist es eben diese intrinsische Motivation. Klaus Brunner: Ja, das sagt Holger Gassler, ein fanatischer Fasnachtler aus Nassereith. Aber es gibt natürlich auch an anderen Orten noch...Ähnliche tolle schöne Bräuche, zum Beispiel die Fastnacht in Imst. Und die wurde im 16. Jahrhundert schon zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Lisa Prantl: Ja, und dass nur, weil sie damals verboten wurde. Das ist schon spannend. Es soll noch viel älter sein, der Brauch. Beeindruckend ist auch die Fastnacht im Nachbarort Tarrenz zum Beispiel. Klaus Brunner: Genau die findet alle vier Jahre statt. Falls ihr es nicht schafft, im Jänner oder Februar zur Fastnachtszeit in Tirol zu sein, dann gibt es natürlich auch Fastnachtsmuseen zum Beispiel in Imst und in Nassereith. Lisa Prantl: Ja, und viele andere spannende Bräuche, ähnliche Bräuche, sehr eindrucksvoll, bunt und farbenfroh ist auch das Mullerlaufen. Klaus Brunner: Da gefallen mir besonders die Spiegelduxer, die haben so einen riesigen großen, gespiegelten Hut auf. Ist auf jeden Fall auch ein Besuch wert, das Mullerschauen. Und es gibt ein Ding, da möchte ich gerne hin, habe es noch nie gesehen, das ist das Wampelereiten in Axams. Lisa Prantl: Da werden Pullover ausgestopft oder? Und dann wird der Winter, den wieder diese Männer in diesen ausgestopften Pullovern signalisieren sollen, niedergeschlagen von den sogenannten Reitern. Klaus Brunner: Die Wampe schützt sie hoffentlich ein bisschen. Lisa Prantl: Ab nach Axams wer das sehen möchte. Klaus Brunner: Und für alle anderen gibt es natürlich den ganz normalen langweiligen Fasching. Lisa Prantl: Und du hast mir schon erklärt du bist leider kein Faschingsnarr. Ich wünsche allen anderen trotzdem eine schöne Fasnacht, schönes Mullerlaufen und einen schönen Fasching Fasching natürlich auch. Klaus Brunner: Genau, und wir haben in Tirol ja noch viele, viele schöne weitere Bräuche. Schreibt uns doch, was wir mal näher beleuchten sollen unter info.tirol.at. Lisa Prantl: Oder auf unseren Kanälen visit.tirol. Bis zum nächsten Mal.
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