Benni Raich und die Streif: Hinter den Kulissen des Hahnenkamms
Shownotes
Kitzbühel im Jänner: Die Streif wird zur steilsten Bühne der Skiwelt. Seit 1931 schreibt das Hahnenkammrennen Sportgeschichte – mit 85 % Gefälle in der Mausefalle, Sprüngen bis zu 80 Metern und Top-Speed von 153 km/h während bis zu 80.000 Fans im Zielraum mitfiebern.
Im Talk erzählt Olympiasieger Hahnenkamm-Sieger Benni Raich, warum das Rennwochenende für ihn das Event im Weltcup ist, wie sich der Start auf der Streif wirklich anfühlt und warum Nervosität manchmal der beste Trainingspartner ist. Es geht um mentale Vorbereitung, das Sich-trauen, die besondere Aufmerksamkeit am Start – und darum, warum Erfolg in Kitzbühel mehr ist als nur eine schnelle Zeit.
Links zur Episode:
- Aufzählungs-Text10 Fakten zu den Hahnenkammrennen https://www.tirol.at/aktivitaeten/sport/skifahren/fakten-hahnenkammrennen
- Benni Raich https://www.instagram.com/benjamin_raich/ und https://benjaminraich.at/
- Das Rennen vor dem Rennen https://www.tirol.at/magazin/hahnenkamm-streif
- Kitz und Glitz – Kitzbühel für Anfänger https://www.tirol.at/magazin/luxus-kitzbuehel
- Tipps für einen Skitag in Kitzbühel https://www.tirol.at/aktivitaeten/sport/skifahren/skigebietstipps-kitzbuehel
- Die besten Restaurants in Kitzbühel https://www.tirol.at/aktivitaeten/kulinarik/restaurants-in-kitzbuehel
Transkript anzeigen
Benni Raich Mix-01
Klaus Brunner: Hörausflug zum spektakulärsten Ski-Rennen der Welt. Beim
Lisa Prantl: Hahnenkamm-Wochenende in Kitzbühel treffen sich die besten Skifahrer, Promis aus der ganzen Welt und zigtausende Menschen im Publikum.
Klaus Brunner: Und wie es sich anfühlt dort zu gewinnen, das sagt uns gleich Olympiasieger, Weltmeister und Hahnenkamm-Sieger Benni
Lisa Prantl: Raich!
Lisa Prantl: Ja Hahnenkamm-Wochenende, da kann die Sonne vom Himmel strahlen wie sie will. Da sitzt man doch dann gern vor dem Fernseher und schaut sich das Spektakel
Klaus Brunner: an. Ja, fix. Es ist ein Pflichttermin, auf jeden Fall in Österreich. Aber was natürlich noch cooler ist, wie vor dem Fernseher, ist wirklich hinzufahren in Kitzbühel.
Lisa Prantl: Auf jeden Fall. Ich war leider noch nie dort.
Klaus Brunner: Katastrophe ich schon. Also ich habe es aus mehreren Facetten Schon kennengelernt so als Kind einmal haben wir versucht, möglichst nah an die Strecke heranzukommen, das geht auch ganz gut mit Skiern wenn man so von oben runter fährt und es war wirklich unglaublich wenn man sieht wie die da vorbeipfeifen bei der Abfahrt dann ein bisschen später auch habe ich im Catering gearbeitet und habe da quasi diese Promis bedient als Kellner und letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Weißwurstparty in Going im Stanglwirt und das war halt auch schon witzig, zwar nur in der Holzklasse das heißt ich habe sie nur aus der Entfernung gesehen die Promis, aber es war cool
Lisa Prantl: Ja, klingt sehr spannend.Also in Kitzbühel ist auf jeden Fall sehr sehr viel losgerundet, dieses Hahnenkamm-Wochenende. Und wie sich es anfühlt wenn man da so richtig im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, wenn man auch noch gewinnt das haben wir wen gefragt, das weiß nämlich Benni Raich.
Klaus Brunner: Er ist sicher einer der erfolgreichsten Skifahrer der Welt. Er ist Olympiasieger, mehrfacher Weltmeister und natürlich auch Hahnenkamm-Sieger. Eigentlich ist er ja im Slalom zu Hause, er hat sich dann sogar die Streif in der Abfahrt runtergewagt.
Lisa Prantl: Ja, und warum? Das haben wir ihn gefragt. Lieber Benni, vielen Dank dass du dir Zeit nimmst für diesen Hörausflug nach Kitzbühel. Du hast in deiner aktiven Sportlerkarriere alles gewonnen, was man so gewinnen kann. Bist du Olympiasieger, Weltmeister und hast auch in Kitzbühel gewonnen. In deinen Worten was macht Kitzbühel so besonders und dieses Kitzbühel-Rennwochenende
Benjamin Raich: Ja, Kitzbühel ist natürlich schon das Event, muss man sagen, im Weltcup-Zirkus. Einerseits natürlich, weil es eine extreme Geschichte hat. Jeder, der Kitzbühel gesehen hat, der Rennen angeschaut hat, der natürlich auch tot fährt, das macht man natürlich auch, dass wir das anschauen dann vorher oder natürlich auch schon als junge Kinder das angeschaut haben, der spürt, dass das einfach das Rennen ist mit der meisten Geschichte, sag ich mal, das einfach auch überall auf der Welt eigentlich gekannt wird, geschaut wird und das muss man schon sagen, ist total entscheidend macht das Ganze einfach zu was Besonderem natürlich auch und natürlich, was man schon auch sagen muss, es ist einfach auch sportlich eine extrem schwierige Aufgabe, einerseits den Ganslernhang, aber auch die Streifen zu bezwingen und da am Ende zu realisieren. Diese Herausforderung anzunehmen, diese Wichtigkeit sozusagen von diesem Event auch wahrzunehmen und dann da auch noch erfolgreich zu sein, das ist sicher schwierig. Aber wenn man es dann geschafft hat, schön.
Lisa Prantl: Du bist ja ganz ein besonderer Sportler nochmal in diesem Aspekt Du hast es gerade gesagt, das ist der Slalom und die Abfahrt zwei sehr große Herausforderungen. Jetzt hast du als Techniker als Slalomfahrer so große Erfolge gefeiert. Und man sagt oft über die Abfahrt in Kitzbühel das ist das gefährlichste Skirennen der Welt. Und was hat dich dazu gebracht, dass du das auch noch machst? Ist das der Sportgeist? Warum hat man da Respekt? Was ist in dir vorgegangen?
Benjamin Raich: Ja, Respekt muss man immer haben, bei jeder Disziplin und natürlich gerade in Kitzbühel auf der Streif ganz besonders. Ich meine, das ist eine extrem schwierige Abfahrt natürlich. Es ist auch gefährlich da brauchen wir gar nicht reden. Aber auf der anderen Seite habe ich natürlich als junger Bub angefangen Skizufahren zu lernen. Meine Technik zu verfeinern und ich habe mir irgendwann zugetraut dass ich auch Abfahrt fahre und ich habe auch die Möglichkeit gehabt tot schnell zu sein. Ich habe in der Abfahrt mein bestes Ergebnis war am fünften Platz, also nicht in Kitzbühel, sondern überhaupt. In Kitzbühel war ich einmal Zenter, glaube ich. Also ich bin da schon ganz gut gefahren. Es war auch wichtig für den Gesamtweltcup und deswegen war diese Entscheidung da. Und wie gesagt, ich habe mein Leben lang hart trainiert, dass ich am Ende in Kitzbühel am Start stehen kann, auch bei anderen Abfahrten am Start stehen kann. Perfekt präparierte Piste vor mir habe, alles abgesperrt, keine Leute auf der Piste, im Normalfall. Und das ist schon was Besonderes wenn man, sage ich mal, sein Leben lang Skifahrt hart trainiert und dann eigentlich da runterfahren darf. Und natürlich muss man, sage ich mal, diesen Respekt haben, den du auch angesprochen hast. Der ist schon aus dem Grund notwendig, dass man sich dieser Aufgabe bewusst ist, dass man sich auch der Gefahr bewusst ist. Da muss man natürlich auch die Nervosität zulassen, denn die Nervosität auf der anderen Seite macht ja auch extrem aufmerksam und frisch im Kopf und in Reaktion schnell und so weiter. Und das ist ja alles notwendig, dass man da auch bestehen kann. Und das ist mir eigentlich auch in Kitzbühel gar nicht so schlecht gelungen, weil ich bin ein Hahnenkammsieger. Also das war ja früher so, Hahnenkammsieger haben sich nur diese nennen dürfen, die eigentlich Abfahrt und Slalom gewonnen haben. Und das habe ich gewonnen. Also die Kombination habe ich ja gewonnen in Kitzbühel und das war schon ein schöner Erfolg. Und ohne Abfahrt wäre das natürlich nicht möglich gewesen. Auch das ist ein Grund.
Lisa Prantl: Ja, nimm uns doch mal mit. Also zum Ersten will ich natürlich wissen, wenn man dann, du bist ja zweimal ganz oben gestanden am Siegertreppchen in Kitzbühel, einmal für die Kombination und einmal im Slalom. Wie fühlt sich das an, wenn man da dann in diesem Riesenevent mit diesen ganzen großen Stars, die alle wegen dem Rennen in die Stadt kommen, gewinnt?
Benjamin Raich: Das ist dann einfach… Der Tag, wo man ein Ziel erreicht, ein großes Ziel erreicht. Zumindest bei mir war es so, ich habe schon relativ früh gewisse Ziele formuliert für mich und habe darauf hingearbeitet. Ich würde sagen, mit zehn Jahren beispielsweise habe ich das Ziel gehabt, Olympiasieger zu werden. Das war natürlich 1988, Olympia Calgary, wo das einfach offensichtlich war, dass das was Besonderes ist, Olympische Spiele. Und dann habe ich mich beschäftigt ein bisschen damit und dann habe ich das Ziel formuliert. Und in Kitzbühel war es ähnlich. Ich glaube, sogar noch früher. Vielleicht nicht so ganz klar, aber Kitzbühel ist so das erste Rennen, was ich so im Kopf habe. Ich glaube, es war 1984, das heißt, da war ich sechs Jahre wahrscheinlich, wo der Franz Klammer gewonnen hat. Das war einfach ein Rennen, ich kann mich heute noch erinnern. Es war ein wunderschöner Winter, draußen hat die Sonne gescheit, der Schnee war und wir haben die Rollos runtergelassen, dass man halt das dann auch erkennen hat, was da so am Fernsehen vor sich gegangen ist. Also das habe ich heute noch präsent und natürlich, wenn man das so mitnimmt und gern Skifahrt und sich gerne auch vergleicht, und diese Herausforderung des Wettkampfs annimmt, dann ist das ein Ziel, ein logisches. Das ist weit weg, ist klar, scheint auch unerreichbar, aber wenn man sich auf den Weg macht und dranbleibt, kann man vieles erreichen offensichtlich. Also mir ist das zumindest gelungen.
Klaus Brunner: Ja, so wie die Familie Raich damals sich vor dem Fernseher versammelt hat zum Hahnenkamm-Rennen schauen, so ist das auch heute noch, zumindest bei vielen österreichischen Familien.
Lisa Prantl: Ja, weil das Rennen ist wirklich spektakulär und gespickt mit vielen Superlativen. Wir unterbrechen das Gespräch mit Benni Reich jetzt noch ganz kurz, weil die spannendsten Facts dazu hat wie immer unsere
Klaus Brunner: Goaß, die alls woas.
Die Goaß die alles woas: Mausefalle, Ganslernhang, Hahnenkamm. Klingt ja fast ein bissl wie ein Streichelzoo, ist aber eines der legendärsten Rennen im Skizirkus. Die Manege? Kitzbühel. Eine Abfahrtstrecke über 3,3 Kilometer, 800 Höhenmeter und 85% Gefälle. Das sind rund 40 Grad Neigung. Am Geodreieck schaut das nicht einmal so wild aus. Mit Ski unter den Füßen aber schon. Vor allem wenn die Piste eine einzige Eisfläche ist. Für den Sieg gehen die Athleten mit bis zu 153 km/h an ihre Grenzen, springen über 80 Meter weit und rittern dabei um Hundertstel Sekunden. Knapp zwei Minuten brauchen sie für die Strecke. Im Ziel jubeln dann insgesamt über 80.000 Fans live. Plus natürlich die knapp 400 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer von den Fernsehgeräten. Ja, da habt ihr euch jetzt nicht verhört. Wenn ich eine flapsige Prozentrechnung dazu machen würde, wären das 5% der Weltbevölkerung, also jeder 20. Mensch weltweit. Und natürlich ist es da auch klar, dass unter den Hahnenkammfans auch viel Prominenz zu finden ist. Schließlich verbindet das Rennen alles, was es für eine gute Show braucht. Eine schicke Location, wagemutige Helden und eine ordentliche Portions Spannung.
Lisa Prantl: Wie ist es dann, wenn man dann selber, unter Anführungszeichen plötzlich, weil du warst schon sehr erfolgreich, man wird ja zum österreichischen Nationalhelden ein bisschen, oder? Also wirklich zum Superstar. Wie fühlt sich das an? Wer klopft einen da dann alle auf die Schulter in diesem Kitzbildtrubel, wie man es wahrnimmt?
Benjamin Raich: Das ist sicher keine so einfache Aufgabe. Mir war das eigentlich vor meinem ersten Sieg schon irgendwie so ein bisschen bewusst, weil ich habe mich da selber gefragt, nachdem ich geglaubt habe, ich kann das Rennen gewinnen, also jetzt nicht in Kitzbühel, in Schladming. Aber trotzdem habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt will. Genau aus dem Grund, weil natürlich, wenn du heute so ein Rennen gewinnst, wie es in Schladming war, aber natürlich in Kitzbühel in ganz besonderem Maße ist, wo einfach so viel Aufmerksamkeit da ist, wo einfach so viele Leute auch da sind. Das war mir bewusst, dass das einfach mein Leben verändern wird. Da werde ich bekannt sein danach und ich werde im Rampenlicht stehen. Ich werde müssen Rede und Antwort stehen, vielleicht zu Themen, wo ich mich gar nicht so auskennen. Als junger Sportler glaubt man natürlich, man muss überall eine Meinung haben. Und das war schon für mich gar nicht so einfach, das auch anzugehen. Weil ich bin eigentlich eher ein schüchterner Mensch. Ich bin eher gar nicht so das Rampenlicht suchender Mensch, sondern im Gegenteil eigentlich mag ich eher meine Ruhe haben. Aber das ist natürlich nicht kompatibel mit einem erfolgreichen Skifahrer weil sobald du natürlich im Ziel bist, ein Rennen gewonnen hast, schauen alle auf dich und du musst Fragen beantworten. Und ich habe mir eben diese Frage damals dann mit Ja beantwortet Ich habe gesagt, ja, ich will Skirennen fahren, ich will Rennen gewinnen. Und da muss man das natürlich auch mitkaufen sozusagen, dass man halt bekannt ist, dass man im Rampenlicht steht. Und es ist am Ende eigentlich, muss ich sagen, ein Privileg.
Lisa Prantl: Mhm. Jetzt hast du gesagt, schlagartig mit dem Sieg in Schladming ist man sehr bekannt und eben vor allem auch in Kitzbühel sind sehr viele andere bekannte Persönlichkeiten Du bist dann einer von ihnen, aber... Ist da auch manchmal ein Hopper da passiert? Weil da kommen ja von Filmstars aber auch hochrangige Politiker und viele wollen wahrscheinlich dem Sieger gratulieren. Kannst du dich da an Anekdoten erinnern? Wie ist es dir da gegangen als Sportler?
Benjamin Raich: Also Hoppalas. Und vorher fällt mir jetzt keines direkt ein. Es ist natürlich so, wie du sagst, man trifft viele Leute. Ich meine, ich habe den Arnold Schwarzenegger schon auch auf anderer Bühne sozusagen kennengelernt. Natürlich in Kitzbühel trifft man den, aber auch viele andere Bundespräsidenten Kanzler, natürlich Filmstars. Natürlich auch aus anderen Sportbereichen sind Leute da. Also bis heute muss ich sagen, ist eigentlich Kitzbühel schon ein Ort, wo ich sehr, sehr gerne hingehe, weil man einfach immer interessante Leute trifft Als Sportler muss ich ganz ehrlich sagen, war es mir schon wichtig, einmal in erster Linie den Sport im Fokus zu haben. Nach der Karriere habe ich natürlich auch schon einen weiteren Blick sozusagen bekommen und sehe einfach, was auch drumherum noch passiert. Und man kann jetzt das gut finden oder nicht, aber grundsätzlich finde ich es gut Gut, es ist einfach entsprechend, wie dieser Event toll aufgebaut ist es gibt dann auch eine entsprechende Wertigkeit. Das Sportliche ist natürlich entscheidend und deswegen kommen auch die Leute, behaupte ich jetzt mal, aber es werden auch drumherum natürlich viele Geschäfte gemacht, viel ausgetauscht, viel auch Gutes getan, muss man ja auch sagen. Es gibt ja auch viele Charities und so weiter. Also es ist schon ein richtig großes Ereignis mit allen Facetten die Kitzbühel eben ausmachen, vom Sportlichen bis hin zum Gesellschaftlichen.
Lisa Prantl: Ja, jetzt schaue ich darauf auf deine große Kristallkugel und du hast in einem anderen Interview mal gesagt, gewinnen muss man sich trauen. Und du hast auch schon erklärt, dass der Gesamtweltcup und auch der Kombinationssieg in Kitzbühel natürlich nur deiner waren, weil du dich darunter getraut hast. Für jemanden wie mich, die schon vor der schwarzen Piste mal kurz tief durchschnauft und dann erst runterfährt. Kannst du uns mal mitnehmen? Sieben Minuten vor dem Rennen, was geht da in einem vor? Wie muss man sich da mental vorbereiten? Du hast gesagt, es macht Spaß, da hat man mal Platz, aber ein bisschen mehr ist wahrscheinlich schon noch dahinter.
Benjamin Raich: Ja, natürlich ist sehr viel dahinter. Man muss entsprechend einmal vorbereitet sein. Das fängt eigentlich mit fünf, sechs, sieben Jahren schon an ein bisschen, sage ich mal. Das Rennen für den jungen Buben war in dem Moment das Wichtigste. Ich denke zum Beispiel Mayrhofen-Tiroler Kinderskitag das war so das erste große Rennen. Natürlich auch ein Vereinsrennen ist wichtig, aber das war so das erste, was ich so im Kopf habe, wo ich mir gedacht habe. Heute wäre ich wahrscheinlich keine Chance zu haben, weil da kommen alle zusammen von ganz Tirol und dann sind die vielleicht auch noch besser ausgerüstet und das war auch so. Die haben schöne Handschuhe gehabt und Rennanzüge und ich habe eigentlich nur unter Anführungszeichen einen Pullover gehabt und eine Jethose von meinem Bruder, der schon zehn Jahre alt war. Da hat man schon das Gefühl, Man hat keine Chance. Und das ist natürlich bei einem Weltcuprennen genauso. Auch mit der Zeit weiß man dann schon ein bisschen, okay, kann man sich einschätzen und denkt man schon, ja, man kann da mitmischen. Aber man muss am Ende natürlich sich trauen, wie du richtig gesagt hast. Man muss sich trauen zu gewinnen. Das heißt jetzt gar nicht einmal sich die Geschwindigkeit fahren zu trauen oder so, aber man muss jetzt einfach sich einmal trauen anzugehen sich auch vielleicht zu blamieren. Es schauen ja auch viele Leute zu. Man hat eigentlich sich, wie gesagt, über lange Zeit vorbereitet. Es gibt viele Leute, die dir helfen, aber am Ende, wenn du am Start stehst, bist du alleine. Und alles Scheinwerferlicht auf dich gerichtete Kameras auf dich gerichteten Haufen Leute zuschauen, das wird dann schon ein bisschen bewusst. Du hast nur dein dünnen Rennanzug an und du musst dich jedes Mal wieder aufs Neue beweisen. Es ist eisig es ist ein schwieriger Lauf gesetzt, es sind Kanten drin, die eigentlich gar nicht zum Fahren sind zum Beispiel, so gefühlt und jetzt muss man da bestehen. Und da muss man sich wirklich trauen, auch entsprechend dann an das zu glauben, was man gelernt hat, an seine Fähigkeiten zu glauben, an das zu glauben, auch was man sich vorgenommen hat, zum Beispiel nach der Besichtigung und dass man einfach das dann auch auf den Boden bringt und dann auch dieses Risiko sich nehmen traut, dass man vielleicht auch ausfällt beispielsweise oder einen Fehler macht, dann ist es vorbei. Also das sind schon so Punkte, die das Rennfahren sehr speziell macht und man muss sich einfach vorstellen, wenn man oben am Start steht oder vor dem Start steht, ist große Nervosität da natürlich. Aber ich glaube, die muss man auch zulassen, dass man am Ende auch diese Frische aufbringen kann, diese Frische im Kopf und diese Spannung im Körper auch entsprechend Leistung zu bringen. Wenn man dann am Start steht und rausfährt, Dann ist eigentlich wirklich große Freude. Man kann das zeigen, was man gelernt hat. Man kann eigentlich wirklich nach vorgehen, nichts zurückhalten. Und sozusagen, das ist eigentlich das Um und Auf, oder? Weil wir sind ja, und das könnte man vielleicht auch ein bisschen auf die Gesellschaft fast ein bisschen umlegen, auf unser Tun, sage ich mal, mehr oder andere weniger. Aber ich nehme jetzt selber gar nicht aus, bei so einem Skirennen da hat man Vom Start bis ins Ziel. Keinen Bereich, kein einziges Tor, nicht einmal ein halbes Tor, nicht einmal ein Meter, wo man ein Hundertstel verschenken darf. Also man darf es schon, man muss ja Fehler akzeptieren. Manchmal passieren auch Fehler und man kann auch mehr verlieren Aber so grundsätzlich von der Einstellung her muss man einfach reingehen und muss richtig rausgehen aus sich. Und man muss einfach versuchen, so schnell wie möglich sich da runter zu bewegen und mit dem Konzept Schwierigkeiten die der Hang, die der Lauf, die Piste und so weiter mit sich bringen, mit dir einfach spielen und das einfach versuchen zu handeln. Und das ist schon etwas, wo man einfach keine Handbremse haben darf und dann kann man vieles erreichen. Nur dann. Und das muss ich mir schon immer auch ein bisschen selber zu Herzen nehmen und ich glaube, das könnten viele. Wenn man mit der Handbremse durchs Leben geht, ist es Ich weiß nicht, ob es sicherer ist, vielleicht ein bisschen sicherer, aber es ist halt einfach schwer, dann auch entsprechendes zu erreichen und auch richtig Spaß zu haben.
Lisa Prantl: Jetzt gilt die Hahnenkammabfahrt, die Streif, als das spektakulärste Skirennen der Welt, auch das gefährlichste. Wie siehst denn du das, die Balance zwischen... Es ist ein sehr anspruchsvolles, schwieriges Rennen und es ist zu gefährlich für die Athleten ist in den letzten Jahren immer wieder infrage gestellt worden. Was ist denn dein Take dazu? Also die Abfahrer werden dann nachher als Helden gefeiert, aber gleichzeitig gibt es natürlich auch immer wieder welche, die sich schwer verletzen.
Benjamin Raich: Ja, das ist im Leben so, in allen Bereichen fast die Balance zu finden, das ist das Um und Auf und das ist auch gar nicht immer so einfach und gerade natürlich im Spitzensport noch weniger, wenn man jetzt ganz ehrlich ist. Es ist gefährlich natürlich. Manchmal muss ich sagen, Ich verstehe auch manche Wortmeldungen nicht und Zugänge nicht von Athleten. Klar sind das alles wilde Hunde. Ich bin auch runtergefahren, habe auch Risiko genommen natürlich, aber man muss das jetzt nicht aus meiner Sicht besonders hochstilisieren Das wäre, glaube ich, das Falsche Ich glaube, man muss schon den Zugang haben, auch als Sportler. Und auch einfach das Gesamte sehen und vielleicht auch dankbar sein und demütig sein, wenn einem selber nichts passiert. Der Zugang ist aus meiner Sicht ganz klar. Man muss sich einfach gut vorbereiten, man muss sich konzentrieren und versuchen, Fehler zu vermeiden, Stöße zu vermeiden. Das hängt von der Fahrt ab, von seinem Zustand. Es geht aber natürlich auch Richtung Material. Es geht natürlich auch Richtung, sage ich mal, Verantwortliche die das Rennen veranstalten die entscheiden, ob gefahren wird oder nicht gefahren wird. Also die müssen alle irgendwo das Gesamte im Auge haben, finde ich. Und wenn man als Sportler der ja ich war, und irgendwie so gefühlt auch immer noch ein bisschen bin, vor allem wenn ich über solche Themen spreche, dann muss man halt auch vielleicht den Schwächsten auch im Auge haben. Es ist zwar, gerade in Kitzbühel und auch in anderer Stelle ist es schon oft passiert, dass die Besten auch schwer gestürzt sind, weil sie natürlich, wenn sie gewinnen wollen, extrem viel Risiko nehmen müssen. Aber es ist natürlich alles andere als cool und alles andere als heldenhaft, finde ich zumindest. Zum Beispiel der Zielsprung war ja immer so ein Thema, aber der ist eigentlich nicht besonders schwierig. Der ist natürlich teilweise, also auch wo ich gefahren bin, 40, 50, 60 Meter sogar gegangen. Das ist schon ein großer Sprung, war aber kein großes Problem. Wenn einer stürzt in drei Jahren, dann ist er fast tot. Weil du fast 140 km/h hast, es ist sehr flach. Das muss man unbedingt versuchen zu vermeiden. Und 100 km/h ist ganz eine andere Nummer. Also 100 mal 100 ist eine ganz andere Nummer als 140 mal 140. Wenn man sich das mal bewusst macht und ausrechnet, dann sieht man, da kannst du dann gar nicht mehr viel machen.
Lisa Prantl: Seit du deine Karriere beendet hast, bist du für das österreichische Fernsehen, für den ORF ja auch als Kommentator immer vor Ort. Inzwischen bist du dreifacher Vater. Das warst du damals noch nicht. Würdest du dich immer noch runterfahren trauen? Also so wie du jetzt da sitzt, bist du wahrscheinlich immer noch topfit? Oder hat man mehr Respekt?
Benjamin Raich: Nein, also ich könnte es nicht mehr. Ich meine, ich könnte schon da vernünftig runterfahren, sage ich jetzt einmal, mit einem Anzug auch mit schnellen Skiern, das wäre schon möglich, aber so, wie ich das als Rennfahrer gemacht habe, das ist einfach eine andere Nummer und so wie die das heute machen, sowieso. Also man muss sich schon vorstellen, die fahren da mit einem ganz engen Rennanzug oben raus, sie schieben Vollgas an am Start. Das war ja auch für mich eigentlich das Schönste da rauszufahren, alles zu geben, was man nur hat, rechts, links, Mausefalle. Und dann geht es einfach zur Sache bis zur Steilhangausfahrt Und dann fährt man den Weg raus und denkt sich, jetzt habe ich einmal das selbe schon geschafft. Jetzt das Gefühl aufbauen, ruhig bleiben windschnittig zu sein, also aerodynamische Positionen einzunehmen, all diese Themen, hat man dann sogar Zeit, ein bisschen zu überlegen. Und dann halt unten nochmal, sage ich mal Hausbergkante, Schrägfahrt und so, da geht es dann richtig nochmal zur Sache. Also das ist schon ganz was Besonderes und das ist was Schönes für den Rennfahrer Aber für mich jetzt, zehn Jahre nachdem ich das letzte Rennen gefahren bin, das ist nicht mehr möglich. Da muss man einfach entsprechend trainieren, über Jahre trainieren Gut vorbereitet sein, da brauchst du einfach mehr Kraft, da brauchst du natürlich Übungen, da musst du dich einfach auch entsprechend vorbereiten sonst ist es wirklich gefährlich.
Lisa Prantl: Jetzt das kommende Hahnenkamm-Wochenende. Hast du nicht mehr den Druck des aktiven Sportlers? Was freust du dich da besonders? Wie ist so ein Wochenende jetzt für dich?
Benjamin Raich: Entspannt. Es ist nicht stressfrei, das muss man auch sagen. Es gibt vieles zu tun, Gott sei Dank. Aber es ist entspannt. Früher war es so, dass man auf die Rennen hin gefiebert hat, alles versucht hat. Dass man gut isst dass man gut schläft, dass man sich gut regeneriert, dass man die ganzen Termine alle zackig abarbeitet ohne eine Minute zu viel Energie zu verlieren aber trotzdem professionell. Das Thema habe ich heute nicht mehr. Ich muss immer noch pünktlich sein bei meinen Terminen das ist klar. Aber eigentlich geht es da um relativ wenig, da geht es eigentlich sehr häufig einfach um da zu sein, präsent zu sein, ein bisschen zu sprechen, was ist das Gefühl von den Leuten, von den Rennfahrern, die da runterfahren, einfach auch ein bisschen, meistens auch das zu vermitteln, was man sieht, wie das für die Rennfahrer wohl sein wird, das ist ja etwas, was sowieso in mir drinnen ist und wertet denke ich, schon auch. Das Erlebnis für die, die dann dabei sind und das Rennen vielleicht das erste Mal sehen oder auch vielleicht schon mehrmals gesehen haben, ein bisschen auf und das ist schön.
Lisa Prantl: Das haben wir schon gehört, für dich ist entspannter jetzt in Kitzbühel. Zu welchem kleinen bisschen Luxus das fängt ja beim Glas Champagner vielleicht an, zu welchem kleinen bisschen Luxus lässt du dich hinreißen, wenn du in Kitzbühel bist? Gibt es das auch?
Benjamin Raich: Nein ich trinke auch mal ein Glas Champagner, gar nicht so ungern. Das kann auch alles Spaß machen, natürlich, aber das ist eigentlich für mich nicht sehr wichtig. Also der Luxus beim Skirennen beispielsweise, für mich war immer, vor allem auch nach dem Erfolg, aufs Zimmer zu kommen. Das Privileg zu haben, ein Einzelzimmer zu haben, zur Ruhe zu kommen und das einmal für einen selber, also für mich selber sozusagen zu fassen, was jetzt gerade passiert ist.
Weil natürlich in dem ganzen Lärm in dem ganzen Trubel auch innerlich... Innerlichen Lärm muss man sagen, weil das könnte man schon auch so übersetzen. Ich meine, da ist man natürlich entsprechend mit dem Adrenalin vollgepumpt, dass man dann auch diese Leistung bringen kann, wenn man dann zur Ruhe kommen kann, wenn man dann vielleicht auch einen Spaziergang machen kann. Ich gehe dann meistens eher beim Hotel hinten raus, also nicht, weil ich die Leute nicht mag, sondern weil ich einfach das genieße dann auch diese Ruhe. Das ist ja auch spannend, wenn man eigentlich auf der anderen Seite diesen Lärm sogar ein bisschen hört, vielleicht schon ein bisschen dumpf im Hintergrund und man geht dann in die andere Richtung raus, vielleicht ein bisschen durch den Wald, wo das dann alles immer mehr gedämpft wird und man eigentlich immer mehr zu sich kommt und eigentlich genießen darf, dass es vielleicht gerade schneit. Die Dämmerung reinkommt, das ist für mich eigentlich ein Luxus muss ich jetzt ganz ehrlich sagen. Und den haben wir ja in vielen Bereichen in Tirol jetzt, natürlich auch in Kitzbühel, aber das ist eigentlich etwas, was ich immer sehr, sehr gerne mache und auch genieße. Für mich selber, für meine Seele, für den Kopf, für das Herz, was auch immer.
Lisa Prantl: Ja, ich würde sagen, das sind wunderschöne Schlussworte von Benni Reich.
Klaus Brunner: Ja, ich finde es beeindruckend und spannend, wie er auch erzählt, dass eigentlich der Luxus total im Auge des Betrachters liegt.
Lisa Prantl: Es war jedenfalls ein sehr inspirierendes Gespräch für mich. Es gibt natürlich noch viele andere spannende Persönlichkeiten aus Tirol oder in Tirol.
Klaus Brunner: Ja, schreibt uns doch, wen wir mal einladen sollen unter info@tirol.at.
Lisa Prantl: Und inzwischen wünschen wir ein spannendes spektakuläres Hahnenkamm-Wochenende.
Klaus Brunner: Und bis bald.
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