Totenfrau-Autor Bernhard Aichner
Shownotes
Wie wird aus einem Bestseller ein Netflix-Hit? In dieser Episode von Hörausflüge – Der Tiroler Reisepodcast tauchen Lisa & Klaus in die düstere Welt von Bernhard Aichners Totenfrau ein. Der Erfolgsautor erzählt, wie die Geschichte der Bestatterin Blum entstand – und warum Tirol die perfekte Kulisse für eine packende Rachegeschichte bietet. Was macht die Netflix-Serie Totenfrau so fesselnd? Aichner spricht über die Herausforderungen der Verfilmung und das Gefühl, den eigenen Roman auf dem Bildschirm zu sehen. Dazu gibt’s exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Dreharbeiten – von Innsbruck bis ins Zillertal. Außerdem geht’s um sein neues Buch – ein weiterer Bestseller-Krimi mit dunklen Geschichten aus den Bergen. Welche Themen faszinieren ihn? Wie entstehen seine spannenden Romane? Und wie viel Aichner steckt in Blum? Ein Muss für alle, die Bücher für Thriller-Fans lieben – ob Mord- und Rache-Thriller oder andere Thriller-Bücher, die unter die Haut gehen. Die Antworten gibt’s in dieser Episode – nichts für schwache Nerven! Jetzt reinhören in Hörausflüge – Der Tiroler Reisepodcast mit Lisa & Klaus!
Links:
- Lustiger Friedhof in Kramsach
- Drehorte der Totenfrau in Tirol
- Die Totenfrau auf Netflix
- Lesungen Bernhard Aichner
Netflix #Totenfrau #BernhardAichner #Thriller #Tirol #Drehorte #Reisepodcast #Hörausflüge #Bücher #SpannendeRomane #BestsellerKrimi
Transkript anzeigen
Lisa: Hörausflüge - der Tiroler Reise-Podcast.
Szenenausschnitt Totenfrau:
"Es fängt alles von vorne an."
"Hallo?"
"Die haben mir gedroht, meine Tochter umzubringen. Verstehen Sie? Also denken Sie nach!"
Klaus: Ui, gruselig. Das, was wir gehört haben, ist eine Szene aus der neuen Staffel der 'Totenfrau' von Bernhard Aichner, einem Thriller, der in Tirol spielt. Lisa, wie geht's denn dir? Magst du's gern grausig, gruselig?
Lisa: Ja, ich muss sagen, nicht immer, aber die Totenfrau ist so spannend und wenn sowas dann natürlich noch in Tirol spielt, dann muss ich mir das anschauen. Wie geht's dir, Klaus?
Klaus: Ja, ich bin auch ein bisschen reingekippt in die neue Serie. Hallo und herzlich willkommen zu 'Hörausflüge, dem Tiroler Reise-Podcast'. Wir sind Lisa Prantl...
Lisa: und Klaus Brunner und wir haben für euch heute einen absoluten Stargast, nämlich den Krimiautor Tirols, Bernhard Aichner. Er ist der Autor der Totenfrau. Die Triologie hat ihn vor ungefähr zehn Jahren zum Bestsellerautor gemacht.
Klaus: Wir haben mit ihm natürlich über die neue Staffel der Totenfrau gesprochen, darüber, wie es ist, selbst am Set mitzumachen, wie es sich anfühlt, wenn seine Romanfiguren plötzlich über den Bildschirm flimmern, und wir haben ihn mit kuriosen Fakten zum Thema Tod aus Tirol konfrontiert.
Lisa: Lieber Bernhard Aichner, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst für diesen Hörausflug. Wir wollen mit dir in eine spannende Welt eintauchen. Vorher, weil wir das immer so machen bei den Hörausflügen, starten wir aber mit einem Dialektwort für diese Episode. Und wir haben uns für dich was Passendes rausgesucht aus deiner Heimat Osttirol, kennst du das Wort 'Baandogeischt'?
Bernhard Aichner: Um Gottes Willen, also super mal, dass ich da sein darf bei euch. Äh, Baandogeischt?
Klaus: Oder Bandl, Bandlgeischt.
Bernhard Aichner: Bandlgeist.
Klaus: Wir haben das aus dem Internet also.
Bernhard Aichner: Ja, es gibt in Osttirol auch den Defereggen und Virgen und das Iseltal und das Pustertal, also das Oberland, und dann das Villgratental und da gibt es schon ganz, ganz viele verschiedene Welten. Baandogeischt, der Tod wahrscheinlich, oder?
Klaus: Wir verraten es zum Schluss, wahrscheinlich haben wir es auch jetzt furchtbar schlecht ausgesprochen. Also, liebe Hörerinnen und Hörer aus Osttirol, bitte seid nicht so streng mit uns. Ja, wir treffen uns heute mit dir kurz, nachdem die zweite Staffel der Totenfrau on air gegangen ist, passenderweise heute an einem doch recht trüben Spätwinterabend, passt eigentlich zur Stimmung. Ich muss sagen, ich bin ein bisschen übernachtig, wie man so sagt, ein bisschen müde, weil ich gestern noch bis spätabends Totenfrau geschaut habe. Ich glaube, es ist jetzt auch für dich eine spannende Zeit. Wie geht es dir denn gerade, wo so viel los ist gerade bei der Totenfrau?
Bernhard Aichner: Ja, super spannende Zeit und, äh, weil man doch lang wartet. Und, äh, Staffel, für Staffel Eins hat es, glaube ich, zehn Jahre gedauert, bis es soweit war und dass es dann weiterging, dass genug Leute das angesehen haben, dass es den Auftrag für Staffel 2 gab und dass es jetzt raus ist und dass dieses Bangen jetzt beginnt auch. Wir schalten genug Leute ein. Wird es dann auch auf Netflix so sein, dass weltweit die Streamingzahlen hoch genug sind in so und so viele Länder unter den Top 10, die schauen sich das genau an, 28 Tage lang. Wie schaut's aus? Und dann gibt's eine Entscheidung, Staffel 3 ja oder nein. Und deshalb tu ich jetzt den ganzen Tag und den ganzen Abend und die ganze Nacht immer Daumen drücken.
Lisa: Du hast es gerade gesagt, vor zehn Jahren ist ja das erste Buch der Totenfrau erschienen. Kannst du dich irgendwie erinnern, wie war der Moment, wo warst du, wie ist dir diese Idee gekommen von der Bestatterin, die auf Rachefeldzug geht, die die Leichen in den Sarg zu anderen Leichen legt.
Bernhard Aichner: Ja, das hat sich so entwickelt, weil vorher war, in meinem ersten Krimis, waren Krimis rund um einen Totengräber, Friedhofsgärtner, Max Broll. Und das war schon ein bisschen ein schräger Typ oder schräger, besonderer Beruf für einen Ermittler und dann kam eben, kam ich vom Friedhof in die Bestattung. Also der Weg war eigentlich kurz, also Faszination Friedhof war immer schon da als Kind, Ministrant und der Tod ist da zu Hause und ich wollte aber, war noch neugieriger und bin dann eben in eine Bestattung zur Recherche und dann war schnell einmal klar, es ist ein sehr praktischer Beruf, wenn man Leute umbringt und hochinteressant. Weil irgendjemand muss den Job des Totengräbers machen und irgendwer muss die Leute auch bestatten. Am Ende, Bestatter brauchen wir irgendwann einmal alle. Und das ist, die machen so richtig einen richtig guten, guten Job.
Lisa: Aber suchst du dir deine Charaktere nach den Berufen aus? Weil aktuelles Buch ist ja eine Metzgerin am Werk. Da hat man auch schnell ein Bild, wie die ihrer Leichen los wird. Hast du da eine Liste zu Hause?
Bernhard Aichner: Liste nicht, aber tatsächlich suche ich mir wirklich die, die, die Heldinnen ein bisschen nach dem Beruf aus, das stimmt. Rita Dalek zum Beispiel war Supermarktverkäuferin, hab mir immer gedacht, wie spannend muss das sein, wenn man Kokain in einer Bananenkiste findet, was man ja immer wieder liest, dass das geschieht und so passiert es eben auch. Und dann denke ich mir, jetzt habe ich diese Verkäuferin, 50 Jahre alt, was hat die von ihrem Leben und und und. Und dann beginnt im Kopf diese Maschine zu laufen und irgendwann gibt es die Nebenfiguren und irgendwann gibt es die Handlung und, das Ende, wo geht die Reise hin? Und so entspinnt sich das langsam in meinem Kopf, aber es geht tatsächlich von den Berufen aus.
Lisa: Okay, spannend. Jetzt hast du 20 Bücher schon geschrieben, ein ganzes Universum an Charakteren gibt es wahrscheinlich in deinem Kopf, aber die Frau Blum hat dich zum Bestsellerautor gemacht und die wird ja jetzt eben auch verfilmt. Wie ist es für dich? Manche Sachen sind ja anders wie in den Büchern. Du siehst das jetzt alles umgesetzt mit Schauspielerinnen an bestimmten Orten. Hast du dir irgendwann gedacht, "Oh mein Gott, hoffentlich hasse ich dieses Ergebnis nicht. Was machen die mit meiner Blum?"
Bernhard Aichner: Ja, von Anfang an eigentlich war das, ab dem Moment, als es hieß, eine Produktionsfirma sichert sich die Rechte, war die Angst da, hoffentlich wird das gut ausgehen, weil es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die dann sehr, sehr unglücklich waren mit ihren Verfilmungen und ich mir gedacht hab, "Bitte lasst es bei mir anders sein", und ich war immer im regen Austausch mit den Produzenten und die haben schon signalisiert, dass sie das lieben, dass sie die Figur lieben und dass sie so behutsam wie möglich damit umgehen. Und ich durfte dann die Drehbücher lesen und da war ich schon eigentlich beim Lesen der Drehbücher beruhigt. Und dann, als ich es gesehen habe, erste Staffel und jetzt zweite Staffel sowieso, weil es noch einmal eins draufsetzt vielleicht, die haben richtig, richtig tolle Arbeit gemacht und Film ist Film, Buch ist Buch. Dass man als Autor loslassen muss, ist ohnehin klar. Die Figuren sind da, also Blum ist da und Reza ist da und das ganze Universum, der Kosmos, diese Blum, der ist da. Dass die Handlung ein bisschen vom Buch abweicht, ist eigentlich nicht weiter tragisch.
Klaus: Mhm.
Bernhard Aichner: Ist total okay.
Klaus: Wir wollen jetzt nicht spoilern, aber es gibt auch einen kleinen Auftritt von dir. Was kannst du denn darüber verraten?
Bernhard Aichner: Ja, so ganz mini-mini-mini-mini-mini. Also, ich glaube, anderthalb Sekunden sind es. Aber das war nett. Blum springt brennend in den Achensee und steigt dann, mehr oder weniger am Eingang des Ötztals, wieder aus dem See, rennt durch den Wald und, äh, dann kommt ein Pick-Up-Fahrer, das bin ich, und ich darf sie mitnehmen. Und mein Satz ist: "Ist alles in Ordnung?"
Klaus: Super, das reicht.
Lisa: Das hat hervorragend geklungen.
Klaus: Wie ist das so für dich auf einem großen Filmset? Das ist jetzt auch als Krimiautor ja nicht Alltag, oder?
Bernhard Aichner: Ja, super spannend. Also Wahnsinn, was die da leisten und wie lange die warten müssen auf ihre Szenen. Und dann auf Knopfdruck abrufen, zuerst noch stricken im, im Wohnwagen und dann rausgehen und dann plötzlich, äh, die total zerstörte Figur abrufen und, äh, weinen und traurig sein und wütend sein und den Zorn, äh, faszinierend zum Zuschauen, wie die das machen, wie viele Menschen da am Werk sind, vom Licht über das Kostüm, Kamera und, und, und, und, und, wie viel, also die wieseln alle rum und am Ende ist ein ganzer Tag vorbei und vielleicht eineinhalb Minuten oder zwei Minuten Film und das ist schon verrückt.
Klaus: Mhm.
Bernhard Aichner: Und da ein bisschen dabei zu sein und ja, ist schön und dass es in Tirol, dass so viele Außenaufnahmen in Tirol spielen, ist natürlich besonders schön.
Klaus: Diese Cameo-Auftritte, da bist du ja eigentlich in bester Gesellschaft, oder? Ich glaube, Alfred Hitchcock hat das begonnen.
Bernhard Aichner: Ja, genau. Ich hab's beim Wolf Haas immer gesehen, weil ich dachte, der taucht da immer irgendwo auf, der wieselt immer irgendwo rum und dann hab ich mir gedacht, möchte ich auch gern. Und das ist schon nett, wenn man dann, äh, auch wenn's nur kurz ist, aber das ist schön und ist auch wirklich, allergrößten Respekt vor allen, die da spielen und die das, äh, so grandios machen und vor allem in der Serie auch von der Besetzung, von der Anna angefangen, von der Anna-Maria-Mühe bis über, also das sind wirklich, wirklich grandiose Schauspieler am Start und die sich da reingehauen haben und, äh, ihr Herzblut vergießen, für Blum.
Lisa: Ja, du hast es schon gesagt. Ganz viele Außenaufnahmen spielen in Tirol. Tirol ist düster und karg, die Blum ist nicht in Saggen im Villenviertel zu Hause, sondern in einem kleinen Wintersportdorf, das ganz oben auf 2000 Metern in den Bergen liegt. Diese Bilder gehen jetzt hinaus in 190 Länder in der Welt. Hast du so, so ein Tirol auch vor Augen, wenn du sowas schreibst? Oder wie wichtig ist das Setting für dich?
Bernhard Aichner: Also ich bin generell niemand, der in den Büchern seitenweise Landschaft beschreibt. Ein bisschen, ja. Und äh, ich lass, also ich skizzier vielleicht die Landschaft und die Örtlichkeiten und die Leserinnen malen das dann mit ihrer Fantasie aus. Dass es jetzt im, im Bild oder in den Bildern so, so ein bisschen düster ist und das war tatsächlich auch bei der ersten Staffel beim Dreh so, dass Kaiserwetter war und die Produzenten gesagt haben, "So ein Scheißwetter heute". Und ich hab gesagt, "Was ist denn, was habt ihr denn, ist doch schön", dann hat er gesagt, "Wir wollen Regen, wir wollen bedeckten Himmel, wir wollen Nebel am liebsten irgendwie, und finster und grausig", und am Ende haben sie dann irgendwelche Filter draufgelegt und haben den blauen Himmel verschwinden lassen. Aber das ist schon cool natürlich, passt auch zum Thema und zum Thriller und dass das ein bisschen düster ist und dass die Berge da so eigentlich tatsächlich auch eine Hauptrolle spielen in dieser Serie, das ist, ist cool, sehr, sehr cool. Und ursprünglich war das Projekt ja mal in Amerika gelegen und das hätte in Colorado spielen sollen, in Boulder, in Colorado. Und dann, es ist irgendwann Tirol geworden, da hab ich gedacht, "Wie geil", und jetzt in der Serie ist es so, habe ich gesehen, da heißt es auch der Bad Annenhof und dann fährt sie mit dem Motorrad in Bad Annenhof ein und dann steht rechts Kühtai. Und dann hab ich gedacht, "Wie geil", Drei-Seen-Lift. Das ist schon sehr nett.
Klaus: Ja, gibt's da vielleicht auch andere Orte in Tirol, wo du unbedingt mal eine Geschichte spielen lassen willst?
Bernhard Aichner: Ich glaub, das geht überall. Ich sag immer, das Verbrechen ist überall zu Hause. Ich wollt jetzt nie das so verortet haben. Joko zum Beispiel, der neue Thriller, spielt im Nirgendwo, die Stadt kann in Bamberg sein, kann Agra sein, kann irgendwo sein und jeder nimmt sich seine eigene Vorlage für eine Stadt her und baut sich das in seinem Kopf zusammen. Aber möglich ist es überall. Und ich glaub, eben Verbrechen, das ist ja so, oder die allermeisten Verbrechen sind Beziehungsdaten. Und wo das passiert, ist eigentlich wurscht. Dass es passiert, ist schlimm. Und für einen Kriminautor natürlich spannend, wenn es in der Fiktion ausgelebt werden darf, in der Wirklichkeit natürlich grausig. Niemand, niemand soll sterben, muss sterben, in der Wirklichkeit, in den Büchern schon, bitte ganz viele, ja.
Lisa: Ich frage mich immer, warum können sich so viele Menschen so gut entspannen, wenn sie einen Krimi oder einen Thriller lesen.
Bernhard Aichner: Total schräg.
Lisa: Aber ich habe es jetzt ein bisschen für mich beantworten können, seit du mir, ja jetzt noch nicht, aber in anderen Interviews erklärt hast, dass dir deine Figuren ja so am Herzen liegen, dass du immer ein Stück weit ein positives Ende erschaffen willst.
Bernhard Aichner: Ja, also zum einen ist es das Sich-Gruseln, glaube ich, dass die Leute es gerne lesen und diese Spannung, sich hingeben und sich fesseln lassen wollen mit der Gewissheit, dass es am Ende ein Buch ist, dass es Fiktion ist und dass es nicht wirklich ist und das macht, gibt Sicherheit und dass, das Zweite, was du sagst, dass mir jetzt speziell vielleicht bei mir auch immer ein Happy End hinten reinzuschreiben, das gehört auch dazu. Weil ich kann jetzt nicht mein Publikum verstören, 300 Seiten lang und am Ende dann mit, mit einer toten Hauptfigur zurücklassen. Das wäre schrecklich für die, für die irgendwie, das geht gar nicht. Dann stirbt Blum und dann, man liebt sie, ich hab die Leute dazu gebracht, sie zu lieben, obwohl sie eine Mörderin ist und dann bring ich sie um. Also das wird nicht passieren. Irgendwann vielleicht, ja.
Klaus: Ja, ich geb dir wirklich recht. Ich sag's dir, gestern abends, ich hab die Kopfhörer aufgehabt, meine Frau liegt neben mir und da war diese Szene, wo die Blum gegen diesen, weiß ich nicht, was er genau ist, diesen Gangster, kämpft, bei sich quasi in der Bestattung und dann sagt meine Frau so plötzlich, "Was schnaufst denn so, was schnaufst denn so?", und dann hab ich gesagt, "Lass mich, lass mich, ich muss weiterschauen".
Bernhard Aichner: Aber das ist schon, das haben sie schon richtig, also diese Kampfszenen, da hat die wirklich drei Monate lang mit dem Stuntcoordinator, äh, diese choreografierten Bewegungen irgendwie einstudiert. Also das haben sie in der Serie richtig, richtig gut gemacht. Wenn die da schlägern und kämpfen und Messer stechen und, und Faustkämpfe und schießen. Also das schaut richtig, richtig echt aus. Und der Prochaska dann, äh, im Schnitt haben sie das dann, äh, der Regisseur mit dem Cutter, also Weltklasse, finde ich. Also das schaut richtig aus wie Hollywood. Man meint es nicht, ist in Österreich produziert, in Tirol gedreht. Und das ist geiler Scheiß.
Lisa: Auf jeden Fall. Wir fiebern mit vorm Buch oder vorm Fernseher, aber wie geht es denn dir, wenn du diese Szenen schreibst? Ich habe gelesen, du schreibst am liebsten handschriftlich und auch oft auf einem Friedhof in der Nähe von Innsbruck. Wie kann ich mir das vorstellen? Nimm uns doch mal mit.
Bernhard Aichner: Ja, also mit der Handschrift, das hat sich so entwickelt, dass ich irgendwann begonnen habe, das in Notizbücher zu schreiben, die ich immer dabei habe. Und, äh, eben, es braucht keinen Strom und keine Ablenkung, kein Facebook, kein Social Media und kein E-Mail. Und das bin dann nur ich und der Text. Und die wohl überlegteren Sätze, bevor ich sie hinschreibe, ein bisschen mehr nachdenke, das ist ein bisschen bedächtiger. Und das mit dem Friedhof ist tatsächlich so, weil Spazierrunde, ich wohne in Arzl in Innsbruck, geht über Mühlau beim Friedhof vorbei, das ist, äh, es gibt super Bankerl zum Sitzen und es ist total schön ruhig. Und wenn ich einen Namen braucht, gehe ich durch die Reihen und schnapp man dann einen runter vom Grabstein und das ist nett. Also Vornamen, Nachnamen, das ist schon ein super inspirierender Ort. Und, also jeder Friedhof ist, ist, ist, hat was Schönes, Stilles, aber der in Mühlau ist besonders schön. Also wenn ich irgendwann einmal, dann nach Mühlau zum Georg Trakl, das ist nett. Hab ich mir schon ausgesucht, wo es wirklich super Plätze gibt.
Klaus: Schon reserviert. Springen wir vielleicht kurz vom Mühlauer Friedhof ins Burgenland, wo du quasi deinen Zweitwohnsitz hast, neben Innsbruck. Schreibt es sich dort anders sozusagen im Flachland?
Bernhard Aichner: Es ist wahnsinnig still dort, wo wir sind. Also das ist wirklich Pampa. Da ist, da ist nicht viel. Und die Ruhe, ich liebe das immer mehr, eigentlich. Dass man, ich war jetzt in Wien wieder und denk mir, Wahnsinn ist das laut und groß und so viele Menschen. Und dann komm ich nach Innsbruck und denk mir, so fein, gemütlich haben wir es. Und dann komm ich ins Burgenland und denk mir, wow, da ist nix. Und da ist es still. Da hörst du nur die Vögel zwitschern und da denke ich mir dann, je älter ich werde, desto wichtiger ist mir, dass es still ist. Also eben die Vögel zwitschern und dann ein bisschen der Tinnitus, der immer da ist, aber sonst ist es fein. Und da zu schreiben und einzutauchen in meine Geschichten ist besonders schön. Und in Tirol natürlich auch, bin ich mit dem Radl irgendwo aufgefahren, mir dann oben eine Kaspressknödelsuppe esse und eine Seite schreibe. Also besser, schöner geht's eigentlich nicht.
Klaus: Wir machen einen kleinen Break, weil wir haben unsere fixe Kategorie namens Gschaftelhuberzeit. Und es ist höchste Zeit für die Gschaftelhuberzeit, aber wir bleiben beim Thema Tod natürlich und haben wie immer für euch ein paar merkwürdige, interessante, lustige, kuriose Fakten gesammelt.
Lisa: Ja, vielleicht weißt du mehr darüber. Unsere Recherche hat dazu nicht viel hergegeben, aber der Klaus hat das so als Urban Legend in Erinnerung, dass man früher...
Klaus: Rural Legend, nicht Urban.
Lisa: Absolut richtig, Tiroler Legend, dass man früher auf Bergbauernhöfen oder Almen, die abgeschnitten waren im Winter, die Leichen eingefroren hat, weil man sie ja nicht runterbringen hat können zum Friedhof.
Bernhard Aichner: Ja, die sind eher von allein eingefroren. Also die haben es wahrscheinlich im Schuppen irgendwo hingelegt und dann war es kalt. Aber wo hätte man sie ja hintun sollen?
Lisa: Absolut.
Bernhard Aichner: Das ist eben, weil dann den Verstorbenen da runterbringen, ist also total nachvollziehbar und auch okay irgendwie. Kann man mal schauen gehen, kann man sie noch besuchen, die Oma. Geht man einmal raus in den Schuppen zur gefrorenen Oma und sagt, "Du Omale, im Frühling bringen wir dich runter".
Klaus: Mit der Rodel.
Bernhard Aichner: Also es klingt so ein bisschen makaber und skurril, aber ich glaube, wenn man da gelebt hat in der Zeit, dann ist das einfach so. Oder so bestimmte Dinge, die sind so. Und ich glaube, wenn jemand eines natürlichen Todes stirbt, ist das immer traurig und alles, aber wir haben auch unsere Mutter beerdigt letztes Jahr und das war dann auch im Kreis und die war dann auch noch da. Und ähm, sodass sich jeder verabschieden hat können. Das ist ja eigentlich wirklich was Schönes. Nicht so wie es früher früher war, dass die Verstorbenen irgendwie "Zack, ab", oder immer noch so ist in manchen Familien, dass man Angst hat vor dem Tod und den Leichnam schnell, schnell, schnell wegbringen lässt. Wie schön das ist, wenn man noch ein bisschen Zeit verbringen kann. Ja, vielleicht nicht so lange bis zum Frühling, aber...
Klaus: Ich glaube, bei der Totenwache ist es ja auch oft passiert, dass sich die Leute einfach, dass sie dann versitzt sind, weil es war, glaube ich, ganz wichtig, dass die Leute beim Toten bleiben über die Nacht. Und das hat mir auch mal meine Oma erzählt, dass die dann oft Karten gespielt haben und dann haben sie oft ein bisschen schnapseln angefangen.
Bernhard Aichner: Ja, und ein Glas Wein, genau. Beruhigt auch, oder? Macht auch irgendwie entspannter, der Alkohol. Dass man dann sagt, so jetzt beruhigen wir uns ein bisschen und ich glaube, dass das schon was Nettes ist. Und dass die, die Lebenden irgendwie gesellig miteinander bleiben und sich vielleicht erinnern. Ich glaube, dass das schon neben der Trauer auch was Schönes ist.
Lisa: Ja, Humor ist da sowieso wahrscheinlich eine wichtige Stütze. Für viele in Tirol gibt es neben dem idyllischen Mühlauer Friedhof, den du gerade beschrieben hast, ja auch noch den Friedhof zum Totlachen. Ich weiß nicht, ob du da schon mal drüber gestolpert bist. Da werden lustige Inschriften vom ganzen Alpenraum gesammelt. Zum Beispiel: "Hier schweigt Johanna Vogelsang, sie zwitscherte ihr Leben lang", steht da drauf.
Bernhard Aichner: Ja, war ich schon, super nett, super netter Friedhof. Ich finde überhaupt, der ganze Umgang mit dem Tod darf manchmal eben so ein bisschen, das darf auch heiter sein. Wir werden alle irgendwann sterben. Und wir werden alle irgendwann da unten liegen in der Grube oder in der Wand. Mit dem Bewusstsein, glaube ich, lebt sich's auch leichter.
Lisa: Hoffentlich geht es uns nicht so wie in deinen Büchern. Joko ist genauso gefeiert wie die Totenfrau und wir haben wieder eine Frau, die Rache nimmt und die Metzgerei, in der das Ganze sitzt, ist ja auch für dich ganz nah an deiner Kindheit. Du hast ja schon als Kind durch einen guten Freund das Metzgerei-Leben hautnah miterlebt. Nimm uns doch da mal mit nach Sillian.
Bernhard Aichner: Ja, genau, das war Metzgerei Ortner, beste überhaupt. Und da war der Harald, der Sohn, von mir, er war ein guter Freund in der Kindheit und wir haben in der Schlachthalle oft Tischtennis gespielt. Und da kriegt man das halt mit, eben Bolzenschussapparat und Halsschlagader durchtrennen und Blut fließt, das war schon faszinierend. Und dieser Geruch von Blut und diese Selbstverständlichkeit, mit der auch geschlachtet wurde, sag ich, ein notwendiges Übel, niemand tut's gern, aber Leute essen Fleisch und da, irgendwo kommt es her. Und das war so als Kind so selbstverständlich, das mitzubekommen. Vielleicht war es wirklich der Geruch von Blut, der mich dann 30, 40 Jahre später dazu gebracht hat, das Buch zu schreiben oder die Heldin einer Metzgerin sein zu lassen. Den Geruch habe ich mitgenommen tatsächlich.
Klaus: Also Hobby-psychologisches Resümee, die blutrünstigen Geschichten von Bernhard Aichner gibt's nur wegen einer kleinen Metzgerei in Osttirol.
Bernhard Aichner: Ja, auch, aber es sind so viele Sachen. Jetzt, heute, wenn ich da rausgehe bei euch, denke ich mir irgendwie, ja, so Studio und Moderatorin und Moderator und irgendwas fällt mir schon ein, ich nehme euch schon mit.
Lisa: Oh, oh. Ich würde sagen, vielen Dank für dieses spannende Gespräch.
Bernhard Aichner: Ich sage danke.
Lisa: Es fehlt uns noch das Dialekträtsel.
Bernhard Aichner: Ja, also ich habe überlegt jetzt während dem Reden, weil es gibt ja da den Boandlkramer. Kramer, das war der Tod. Und wenn der, also ich nehme mal an, Boandl-Geist oder Geist oder wie? Bandl-Geist.
Klaus: Genau, also geschrieben steht da Baandogeischt, aber wahrscheinlich wird es Baondl-Geist oder sowas sein. Es ist ein Skelett. Das ist die Antwort.
Bernhard Aichner: Okay. Ja, jetzt wär natürlich noch interessant, aus welcher Region in Osttirol das war.
Klaus: Aus dem Pustertal.
Bernhard Aichner: Wirklich?
Klaus: Ja, aus dem Pustertal.
Bernhard Aichner: Das ist quasi meine Heimat.
Klaus: Ja.
Bernhard Aichner: Sag, hab ich nicht aufgepasst das Kind.
Klaus: Genau, also wir freuen uns auf viele Kommentare und Ergänzungen auf info@tirol.at
Bernhard Aichner: Ja, und vielen Dank nochmal für die Einladung.
Klaus: Vielen Dank für das spannende Gespräch, lieber Bernhard Aichner. Wenn ihr andere Krimi-Fans kennt, die sich diesen Podcast anhören sollten, leitet ihn doch weiter und lasst uns gerne ein Like da.
Lisa: Ja, oder ihr kennt Menschen und Orte, die wir unbedingt besuchen sollten, dann lasst es uns wissen. Schreibt uns vielleicht auf unseren Social-Media-Kanälen 'visit.tirol'.
Klaus: Pfiat enk und bis zum nächsten Mal.
Neuer Kommentar