Tirol bei Regenwetter: Die besten Tipps für graue Tage
Shownotes
Tirol bei Regen? Perfekt für Abenteuer & Entspannung! Dicke Wolken über den Alpen? Kein Grund für Trübsal! Lisa und Klaus zeigen, warum Regenwetter in Tirol nicht das Ende, sondern den Anfang eines besonderen Abenteuers ist. Mit Bergführer Roli Mayerhofer erkunden wir nebelverhangene Wälder und entdecken, warum Nieselregen die Bergwelt magischer macht – und welche Ausrüstung trocken hält. Wenn’s richtig schüttet, warten in Tirol wohltuende Spas: Wellness-Expertin Jeannine Hermann spricht über Kältetherapie, Waldbaden und Sauna-Trends. Und für alle, die lieber im Trockenen bleiben: Der Brennerbasistunnel öffnet seine Tore für spannende Entdeckungstouren, im Museum der Völker geht’s auf eine Reise durch ferne Kulturen, und auf Schloss Bruck wird Geschichte lebendig. Sportlich? Eisbaden am Achensee – garantiert Gänsehaut! Also: Regenjacke an oder ab ins Warme – jetzt reinhören in die Hörausflüge und das beste Schlechtwetterprogramm im Tiroler Reisepodcast mit Lisa & Klaus abholen!
Links:
- Weitere Tipps für Schlechtwetter in Tirol
- Wellness in Tirol: Erholung im alpinen Ambiente
- 10 Tipps für Ausflüge bei Regen
- Die Tunnel Erlebniswelt Brennerbasistunnel – ein Blick hinter die Kulissen der längsten unterirdischen Eisenbahnverbindung der Welt.
- Das Museum der Völker in Schwaz – eine Reise durch Kulturen und Bräuche, die den Horizont erweitert.
- Schloss Bruck in Lienz, Osttirol – die Schönheit der Kunst und Geschichte in einem historischen Ambiente.
- Eisbaden zu Silvester am Achensee
- Erfahrungsbericht Eisbaden in Tirol
- Eine Tour mit Roli Mayrhofer buchen
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Lisa: Hörausflüge!
Klaus: Der Tirol-Podcast. Ja, hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von 'Hörausflüge, dem Tirol-Podcast'. Wir nehmen euch mit auf die kleinen und großen Abenteuer, die es hier bei uns zu erleben gibt. Ich bin Klaus Brunner.
Lisa: Und mein Name ist Lisa Prantl. Für diese Episode packen wir die Gummistiefel aus oder eben auch nicht.
Klaus: Ja, wenn es morgens leise auf die Fensterbank tropft und sich die Berge vielleicht nicht vor strahlend blauem Himmel, sondern eher verhangen zeigen, dann gibt's meistens im Urlaub zwei Reaktionen.
Lisa: Zum Glück habe ich die Regenjacke dabei.
Klaus: Genau, nach dem Motto, "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung", machen sich die einen trotzdem auf in die Natur, machen eine Wanderung und erleben die Berge vielleicht mal ganz mystisch und vielleicht auch ein bisschen matschig.
Lisa: Ja, und die anderen sagen vielleicht, "Fein, ich drehe mich noch einmal um und dann lasse ich den Tag so richtig gemütlich angehen, vielleicht mit einem guten Buch oder vielleicht auch im Wellnessbereich".
Klaus: Aber worauf muss man in den Bergen bei schlechtem Wetter eigentlich aufpassen? Und bedeutet Wellnessen wirklich nur, sich in der Sauna weich kochen zu lassen? Das wollen wir in diesem Hörausflug für euch herausfinden.
Lisa: Ich habe mich dafür erstmal auf den Weg nach Schwaz gemacht, nämlich in den Silberwald. Dort habe ich Berg- und Skiführer Roli Mayerhofer getroffen und mich mit ihm über Spaziergänge im verregneten Wald unterhalten. Passenderweise hat es auch an diesem Tag so einem leichten Nieselregen gegeben. Und Roli Mayerhofer ist wirklich überzeugt, bei schlechten Wetter haben die Berge eine besondere Magie und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Er gibt aber natürlich auch wichtige Sicherheitstipps.
Lieber Roli, wir haben uns gerade auf den Weg gemacht auf eine kleine Wanderung im Nieselregen. Der Himmel ist grau, es fallen ein paar Tropfen vom Himmel, aber nicht zu viele. Wahrscheinlich immer noch ideales Wetter zum Rausgehen. Was würdest du als Bergführer sagen?
Roli Mayerhofer: Ja, so ein Tag wie heute kann man schon gut nützen, dass man nicht zu Hause auf dem Sofa sitzt, sondern sich auch ein bisschen in der Natur bewegt und das ein bisschen genießen kann, solange der Regen nicht zu stark ist. So ein leichter Nieselregen im Wald fällt meistens gar nicht so auf, man ist gut abgeschattet von den Bäumen, gut geschützt. Gute Kleidung zieht man sich an und dann kann man den Tag schon genießen.
Lisa: Wir stehen jetzt gerade unter einer schönen großen Buche, die schützt uns ein bisschen. Wir haben extra die Regenjacke angezogen, gute Schuhe, einen Schirm hätte ich auch noch dabei. Worauf muss man sich denn vorbereiten für so eine Regenwanderung im Wald?
Roli Mayerhofer: Du hast es ja schon gesagt, gute Schuhe, macht auf jeden Fall Sinn, weil es macht wenig Spaß, wenn man fünf Minuten unterwegs ist, dann schon die Füße klatschnass hat, dann die Temperaturen vielleicht ein bisschen niedriger sind, nicht mehr ganz so warm und dann kühlt man einfach schnell aus. Gute Kleidung ist auf jeden Fall wichtig, eine Regenjacke, wasserfeste Schuhe, ein Regenschirm macht auf jeden Fall Sinn. Wenn es mal ein bisschen mehr regnet und ein bisschen Wind ist, dann eine Regenhose und ansonsten einfach schauen, dass man vielleicht ein bisschen ein Wechselgewand dabei hat, ein zweites T-Shirt, dass man sich einfach, wenn man nass wird, nochmal neu einkleiden kann.
Lisa: Ja, so kann wahrscheinlich nichts schief gehen. Aber für alle, die sagen, "Nein, also wenn die Sonne nicht scheint, dann zieht es mich nicht raus in die Berge", was ist denn der besondere Zauber für dich hier im Wald? Wir sind ja jetzt nicht sehr weit oben am Berg, aber auch oben in der Höhe, wo du wahrscheinlich auch bei Wolken mal unterwegs bist. Was ist das Besondere an der Natur bei schlechtem Wetter?
Roli Mayerhofer: Meistens, wenn das Wetter nicht ganz so optimal ist, sind die Berge nicht ganz so überlaufen. Man hat mehr Ruhe und irgendwie so durch den Regen und wenn dann auch so die Wolken um die Berge herum wabbern, dann wird es irgendwie so ruhig und man ist irgendwie so abgeschattet und ja, man hat irgendwie so da seinen Frieden oben und und man wandert dann so gemütlich dahin und man vergisst so ein bisschen die Zeit, bis man dann vielleicht endlich bei seinem Ziel der Hütte oder wieder zu Hause ankommt und man kann einfach gut den Kopf abschalten.
Lisa: Das kann ich auf jeden Fall auch gut nachvollziehen. Diese Ruhe, die im Wald oder auch am Berg herrscht, wenn es mal nicht so schönes Wetter ist, dieses Nieseln, das man hört. Und ich bin ja schon jemand, wenn ich dann zu Hause ankomme, dann kann ich mich doppelt so gut entspannen, wenn ich mich vorher ein bisschen bewegt habe. Ich nehme an, bei dir ist es auch so. Wie schaut denn für dich so ein perfekter Regentag aus?
Roli Mayerhofer: Ja, perfekter Regentag. Der perfekte Regentag hört natürlich irgendwann wieder auf. Und der perfekte Regentag endet dann, wenn sich dann die Wolken so ein bisschen lichten, die Sonne wieder durchkommt und wenn man dann so ein zufriedenes Gefühl hat und eigentlich sich freut, dass man doch rausgegangen ist und nicht zu Hause herumgehängt und, ja, einfach einen guten Tag gehabt hat. Also, ich bin ja selber so ein rastloser Typ und, ja, mich hält es selten zuhause. Also, auch wenn es mal ein bisschen regnet, unterwegs sein ist einfach gut.
Lisa: Jetzt gibt es den Nieselregen, aber wie du schon erwähnt hast, wenn es sehr stark regnet, ist die Geschichte eine andere und auch Gewitter sind natürlich am Berg etwas, das man vermeiden möchte. Was sind denn deine Tipps, bei welchem Wetter unbedingt rausgehen und wann sollte man aufpassen und wie bereitet man sich am besten vor?
Roli Mayerhofer: Ja, Vorbereitung ist auf jeden Fall sehr wichtig, also Planung. Speziell in meinem Beruf als Bergführer ist schon Planung ganz wichtig und das sollten aber auch alle machen, also mal den Wetterbericht abchecken, sind Gewitter vorangekündigt, ist Sturm angekündigt, also wenn es starke Gewitter gibt oder Sturm, dann besser nicht in den Wald gehen, dann ist wirklich besser zu Hause bleiben, abwarten, bis das Schlimmste vorbei ist und dann einfach wieder hinaus gehen. Also wirklich vorbereiten, auch anschauen, wo verläuft die Tour, wo sind vielleicht Punkte, wo man mal sich unterstellen kann, wo man trocken bleibt, wo man geschützt ist. Gibt es vielleicht eine Schutzhütte unterwegs, dass man sich ein bisschen vorbereitet und nicht so ganz kopflos sich ins Abenteuer stürzt.
Lisa: Das heißt, selbst wenn man den Wetterbericht genaustens studiert hat, kann man vielleicht im Hochgebirge mal von einem Gewitter überrascht werden. Dann wäre dein Tipp, wissen, wie man reagiert, abgesehen von der Schutzhütte, die ich mir vielleicht schon vorher herausgesucht habe, wie gehe ich denn dann mit dieser Situation um?
Roli Mayerhofer: Ja, wenn ich wirklich in die Situation komme, dass da relativ spontan ein Gewitter oder ein Sturm aufzieht, dann ist einfach schauen, möglichst irgendwo einen Unterschlupf finden. Wenn das nicht möglich ist, schaut, dass ihr eine Notfallausrüstung dabei habt, einen Biwaksack, eine Rettungsdecke, wo ihr euch darunter vergriechen könnt. Bei Gewitter und Sturm besser nicht unter Bäumen stehen bleiben, in Kauerstellung gehen, schön tief auf den Boden runter, dass man geschützt ist, ja, und dann auf das Beste hoffen.
Lisa: Für dich ist der Sommer natürlich sehr voll, wenn es sehr schönes Wetter hat und wenn es so ein bisschen regnet wie heute, hast du eher Zeit, um mit mir zum Beispiel zu sprechen. Aber was ist denn dein Tipp? Du hast gesagt, meistens planen wir einfach ein bisschen um, die Hochtour wird bei schlechtem Wetter vielleicht auf eine andere Aktivität umgemünzt. Was sind denn deine Tipps für Urlauberinnen und Urlauber oder auch Tirolerinnen und Tiroler, die eigentlich einen Gipfel vorhatten und jetzt vom Wetterbericht eingebremst werden?
Roli Mayerhofer: Ja, generell kann man sagen Flexibilität. Also nicht, nicht zu sehr auf das Ziel versteifen, sondern einfach probieren, das Beste aus dem Tag machen. Und manchmal geht es halt nicht aufgrund vom Wetter. Dann, dann macht es wenig Sinn, dass man sich dann einen großen Gipfel vornimmt, vielleicht irgendwo über einen Gletscher geht. Dann ist einfach besser, okay, spontan sein, ein bisschen umplanen und das Beste aus dem Tag machen.
Lisa: Wenn ich jetzt aufwache, das Wetter ist nicht so schön, ich will trotzdem eine Runde rausgehen. Wie plane ich denn die optimale Tour für eine schöne Wanderung im Regen, eine kleine Wanderung oder auch eine größere Wanderung, wenn das Wetter dazu passt?
Roli Mayerhofer: Noch einmal den Wetterbericht checken, vielleicht aufs Regenradar schauen. Schauen, vielleicht ist die Gewitterzelle schon beim Abziehen und ich kann schon unterwegs sein. Also wie gesagt, es gibt verschiedene Möglichkeiten. Das Internet bietet diverse Plattformen, wo man sich informieren kann. Es gibt Portale, wo man sich Informationen einholen kann. Mittlerweile auch mit Social Media sind so viele Informationen vorhanden, dass es eigentlich jedem möglich sein sollte, sich gut vorzubereiten, in die Tourenplanung zu gehen, einmal eine Karte zur Hand nehmen. Einfach einmal ein bisschen schauen, wo bin ich unterwegs und mich dann einfach entsprechend auch auf die Tour vorbereiten. Wie gesagt, das entsprechende, entsprechende Kleidung mitnehmen, was zu trinken, eine kleine Jause, macht auf jeden Fall Sinn. Vielleicht muss man einfach einmal irgendwo mal eine Stunde warten und dann ist es nett, wenn man was zum Essen dabei hat oder was zum Trinken.
Lisa: Super, ich würde sagen, wir genießen jetzt noch ein bisschen den Wald im Regen und quatschen noch ein bisschen über deine sehr spannende Tätigkeit als Berg- und Skiführer. Inzwischen vielen Dank für deine Zeit.
Roli Mayerhofer: Dankeschön, sag ich auch.
Klaus: Also, den Wetterbericht checken, gut und wetterfest einpacken und sich auf den Zauber einer Regenwanderung einlassen. Spätestens danach aber, so kann ich mir vorstellen, ruft dann die Couch oder, wenn man die Gelegenheit hat, auch der Wellnessbereich.
Lisa: Ja, für alle, die im Urlaub in Tirol sind, fehlt es in Bezug auf Wellness bestimmt nicht an Angebot, von der Schwitzhütte am Waldrand bis zur fünf-Sterne-Spa-Landschaft ist vieles geboten. Aber, und das habe ich in meinem Gespräch mit Wellness-Innovationsmanagerin Jeannine Hermann gelernt, Wellness meint ja viel mehr als das Schwitzen in der Sauna.
Klaus: Wellness im ursprünglichen Sinn ist eigentlich ein ganzheitlicher Lebensstil, also von guter Ernährung über Bewegung und natürlich auch die Entspannung. So wie man es im Urlaub erlebt, wird es natürlich schon mit Wärme und viel Herumliegen verbunden.
Lisa: Und auch das hat definitiv sein Gutes, erzählt uns Jeannine.
Jeannine Hermann: Ich glaube oder bin überzeugt, dass Wellness eine Möglichkeit ist, seine Gedanken einmal nach innen zu führen, einmal in eine Ruhephase zu gehen, Dinge zu reflektieren. Das Stresslevel sinkt natürlich, Cortisolspiegel sinkt nachweislich und das tut uns gut.
Lisa: Ja, Jeannine Hermann beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den neuesten Trends rund ums Wohlbefinden. Wir haben unter anderem übers Waldbaden und den neuen Trend hin zur Kälte gesprochen, aber natürlich auch ihre persönlichen Tipps für verregnete Tage in Tirol eingeholt.
Liebe Jeannine, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über Wellness und Wohlbefinden zu sprechen. Nicht nur, aber auch, wenn das Wetter vielleicht mal nicht unbedingt an den Badesee oder auf den Berggipfel einlädt. Zufälligerweise haben wir es heute perfekt erwischt. Draußen fallen ein paar Regentropfen. Wir schauen von deinem Büro aus auf die Nordkette. Die hängt ein bisschen unter den Wolken. Unser Thema ist heute 'Tirol bei Regen'. Deine Empfehlungen, wie sich der Regen genießen lässt, nehme ich mal an, ist klar.
Jeannine Hermann: Ja, absolut. Also bei Regen lässt sich Tirol natürlich sehr gut genießen, weil wir in Tirol eine tolle Wellnessinfrastruktur haben, wo man auch mal bei schlechtem Wetter das findet, was man so braucht im Urlaub.
Lisa: Woher kommt denn das, dass wir uns, vielleicht besonders bei schlechtem Wetter, aber allgemein zur Erholung und Entspannung gern in einen heißen Raum setzen, zum Schwitzen oder in ein warmes Wasser legen.
Jeannine Hermann: Das Bedürfnis nach dem, was du beschreibst, das gibt es schon jahrhundertelang. Wir haben im Urlaub natürlich immer wieder das Bedürfnis, uns vom stressigen Alltag zu erholen, abzuschalten, und das geht halt in einer warmen Umgebung sozusagen am besten. Da gibt's eben die verschiedenen Wellness-Infrastrukturen, die wir in Tirol sehr mannigfaltig haben. Ja, und wenn's halt draußen grausiges Wetter hat und es kalt ist und, ähm, ja, da findet man in Tirol überall sehr viel Spannendes und Schönes und Erholsames natürlich.
Lisa: Finden tut man es bestimmt. Die Frage ist, warum man es eigentlich machen soll. Ich kann mich gut aus der Schulzeit erinnern, dass die alten Griechen in der Schwitzkammer oder Sauna, vielleicht damals auch schon, obwohl ich glaube, Sauna kommt aus dem finnischen, da schon ihre Verhandlungen geführt haben. Was macht es denn mit mir, wenn ich mir einen Tag Zeit nehme für Wellness?
Jeannine Hermann: Wir sind gerade in unserer getriebenen Leistungsgesellschaft wirklich immer unter Strom. Wir überfordern uns auch oft. Wir packen viel zu viel hinein. Und der Körper und auch der Geist vor allem braucht einfach beides. Er braucht die Aktivierung, also er braucht das Aktive, aber auch das Passive. Ich glaube, man sollte eben beides im Leben verankern. Wir haben natürlich die Berge, wo man aktiv sein kann. Man kann wandern, man kann mountainbiken, man kann spazieren gehen, man kann auch das Wasser genießen. Und wenn man dann danach in die Sauna geht, oder auch in, es gibt ja viele, es gibt ja nicht nur die Sauna, es gibt ja Dampfbade, es gibt eine Infrarotkabine, es gibt einen feinen Pool, einen Whirlpool, man kann nochmal ein paar Längen schwimmen. Dann reduziert das einfach nachweislich den Stress. Ich hab aber ein bisserl Zeit, meine Gedanken fließen zu lassen. Ich kann ein bisserl mich vielleicht auch mal auf mich konzentrieren und mich nicht ablenken, weil das tun wir nämlich auch sehr gerne, dass wir uns durch zu viel Aktivität und durch sehr viel Medienkonsum und sehr aktiven Freizeitgestaltung ablenken. Und ich glaube oder bin überzeugt, dass Wellness eine Möglichkeit ist, seine Gedanken einmal nach innen zu führen, einmal in eine Ruhephase zu gehen, Dinge zu reflektieren. Das Stresslevel sinkt natürlich, Cortisolspiegel sinkt nachweislich und das tut uns gut.
Lisa: Es holt mich also ein bisschen runter, wie man so schön sagt, wenn ich mir Zeit nehme für Wellness und Erholung. Jetzt mal nur von der Entspannung gesprochen, wenn ich jetzt ein paar Tage Urlaub habe und nur darauf warte, "Das will ich aber nur machen, wenn es mal schlechtes Wetter hat oder vielleicht noch vor der Abreise", kann das funktionieren, dass man sich das eintaktet?
Jeannine Hermann: Ich glaube, es ist wichtig oder bin überzeugt, es ist wichtig, dass man im Urlaub das tut, was gefühlt einem gut tut. Es hat auch wieder was mit diesem Ablenken zu tun und mit diesem immer getrieben sein. Wir haben leider verlernt, in uns hineinzuspüren und wirklich zu spüren, was tut mir dann jetzt im Moment gut, was brauche ich jetzt, brauche ich jetzt was Aktives, brauche ich Bewegung, brauche ich was Passives, brauche ich ein bisschen Entspannung oder brauche ich auch was für meinen Kopf, brauche ich was für meinen Körper, weil er sagt mir das eigentlich. Ich brauche im Zweifel vielleicht auch gar keine Uhr, keinen Fitness-Tracker oder irgendwas anderes, sondern einfach ein gutes Körpergefühl, das mir sagt, heute mache ich eine Bergtour, heute gehe ich ein bisschen spazieren. Oder heute, nein, heute mache ich jetzt einfach mal nix und lese ein gutes Buch. Und dann kann man sich ja immer noch umentscheiden. Und ich glaube auch, dass wir wegkommen müssen von dem, im Urlaub muss ich alles machen. Und da ist vielleicht auch der ganze Wellness-Gedanke ein sehr guter, weil Wellness ist ein ganzheitlicher Lebensstilansatz. Und der passiert nicht nur im Urlaub, sondern der passiert eigentlich das ganze Jahr über. Und wenn man das verinnerlicht und Wellness tagtäglich einbaut, aktiv und passiv auf die innere Stimme hört, auf sein Körpergefühl hört, dann hat man im Urlaub auch nicht so einen Druck, dass ich noch kurz vor der Abreise noch 20 Minuten in die Sauna muss und dann ist mir der halbe Tag lang schlecht oder ich hab Kopfweh, weil mir die Hitze nicht gut tut. Also von dem her, einfach das ganze Jahr ein bisschen Wellness machen und dann hat man im Urlaub auch nicht so einen Stress und dann kommt die Entspannung von ganz alleine.
Lisa: Du hast vorher schon gesagt, Wellness ist ein Gesamtkonzept. Inzwischen kann man bei der Aufmachgymnastik mitmachen oder auch einen Meditationskurs besuchen. Gleichzeitig gibt es aber auch zum Beispiel sowas Alternatives wie Waldbaden. Wohin geht denn der Trend für die Erholungssuchenden?
Jeannine Hermann: Aus meiner Sicht geht der Trend nach draußen. Das zeigt eben auch das Waldbaden. Was ja ganz ein interessanter Trend oder Hype gerade ist, das kommt aus dem Asiatischen, die quasi entdeckt haben und auch wissenschaftlich hinterlegt haben, dass der Wald uns extrem gut tut. Und jetzt machen bei uns in Tirol auch immer mehr dieses Waldbaden. Man geht ganz bewusst durch den Wald. Man genießt die Stille. Man hört das Rauschen des Windes in den Blättern, in den Bäumen. Man umarmt auch mal einen Baum, da sind manche, da lächeln dann manche. Aber wenn man einfach mal fünf Minuten lang die Augen zumacht und einen Baum umarmt, dann ist das besser als wie, als wie jeder, wie jeder Schlaf, weil es einen wirklich runterbringt. Und wann macht man denn das schon? Bewusst ruhig durch den Wald gehen. Das ist sicherlich etwas, eben dieser Trend nach draußen, moderne Wellnessanlagen, moderne Wellnessinfrastruktur, die bis vor kurzem im Keller war, kommt nach oben. Glasfronten, die die Natur hereinholen in die Wellnessanlage, das ist mit Sicherheit der Trend. Und wir machen es eh schon seit ewigen Zeiten und wissen es eigentlich, es kommt immer mehr, Bewegung. Es geht darum, gesund zu bleiben und da ist die Bewegung ganz, ganz extrem wichtig. Und das erkennt auch die ganze Wellnessinfrastruktur oder die Urlaubsangebote gehen immer mehr dahin, dass Bewegung integriert wird.
Lisa: Apropos neue Trends, was sehr viel herumschwirrt im Internet ist Eisbaden. Ich glaube in Tirol das kalte Wasser zu finden ist eigentlich gar nicht so schwierig. Man kann entweder sehr früh im Jahr in einen See springen oder einen See sehr weit oben auf den Bergen suchen. Aber was hältst du vom Eisbaden?
Jeannine Hermann: Das ist wirklich ein ganz ein toller Trend, weil nicht nur die Hitze tut uns gut, sondern die Kälte tut uns mindestens genauso gut. Und da hat sich in den letzten zehn Jahren sehr viel getan. Die Skandinavier machen das schon ewige Zeiten. Bei der Sauna ist das ganz klassisch. Man geht zuerst in die Sauna, erweitert die Gefäße und geht dann in die Kälte, ins kalte Wasser und dann ziehen sich die Gefäße ganz schnell zusammen und dadurch werden die trainiert und dann ist die Gefäßstruktur besser und dann sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringer, ganz einfach. Wo das schon ewige Zeiten praktiziert wird, ist im Sport. Also so die Eistonne, wo man danach hineingeht, um die Muskelregeneration zu unterstützen, kennt man auch schon lange. Jetzt kommt's langsam in den Urlaub oder in den Tourismus. Da gibt's mittlerweile tolle Angebote von Schneekabinen, also da gibt's dann in der Wellnessanlage die Sauna und daneben gibt's den Schneeraum, wo man hineingehen kann. Und was ein ganzer neuer Trend ist oder immer verbreiteter ist, ist die Kryotherapie. Das sind sozusagen ganz kleine Räume, wo man in Unterwäsche hineingeht, mit Handschuhen bestückt, Kappe und Schuhe und dann sich für bestimmte Zeit, eineinhalb bis maximal drei Minuten, minus 60 Grad bis zu minus 110 Grad, der Kälte aussetzt. Ich habe das selber letztes Jahr gemacht, so eine Kryo-Session und es ist unfassbar, was das mit dem Körper macht. Man ist aktiviert ohne Ende, man schläft danach wie ein Baby, weil der Körper einfach richtig geboostet ist. Das sind Trends, wo ganz spannende sind in Kombination mit der, mit der Hitze. Und in Tirol natürlich, wie du es angesprochen hast, die Alpenseen, die sind prädestiniert dafür, man radelt hinauf, man ist verschwitzt und dann so ein mutiger Sprung ins kühle Wasser ist sicherlich eine gute Sache, solange man keine Vorerkrankungen hat.
Lisa: Was ist denn dein persönliches Motto, wenn du an einem freien Tag einmal mit einem ordentlichen Regenwetter beschenkt wirst?
Jeannine Hermann: Ja, dadurch, dass ich eine kleine Tochter habe von sechs Jahren, ist auf alle Fälle was los. Nicht so wie früher, hätte ich jetzt ganz ehrlich geantwortet, da verbringe ich den Tag auf der Couch. Das hat sich jetzt geändert. Und bei uns in der Familie ist es wirklich so, wir gehen bei jedem Wetter raus, weil auch eben, so ein Regentag ist auch draußen wunderbar, da freut man sich dann umso mehr, wenn man reinkommt. Ansonsten, was ich auch wirklich gerne tue, ist in ein Museum gehen. Wir haben in Tirol einfach wirklich tolle Museen und auch tolle Indoor-Möglichkeiten. Und man muss wirklich abschließend sagen, bevor es nicht richtig kalt ist und richtig regnet, sind wir draußen.
Klaus: Ja, Waldbaden für alle, die gerne Bäume umarmen, Bewegung an der frischen Luft, Eisbaden im Bergsee. Wellness muss also eigentlich gar nichts kosten. Das habe ich mitgenommen. Und natürlich hat Jeannine Hermann recht. Viele spannende Museen oder andere Indoor-Möglichkeiten gibt es in Tirol genauso für Regentage. Lisa, hast du vielleicht ein paar Geheimtipps für uns?
Lisa: Ja, Technik-Interessierte könnten zum Beispiel die Erlebniswelt Brenner Basistunnel in Steinach am Brenner besuchen. Hier entsteht ja aktuell die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt. Mit Kindern sicher auch sehr, sehr spannend. Man könnte alternativ auch in Schwaz ins Museum der Völker gehen und dort nicht nur Tiroler Kultur, sondern Kulturen der ganzen Welt erleben. Und wer vielleicht eine kleine Zeitreise machen möchte, könnte auch Schloss Bruck in Lienz in Osttirol besuchen, dort gibt es auch ganz, ganz tolle Kunst von Egger-Lienz zum Beispiel.
Klaus: Ich freue mich schon fast auf den nächsten Regentag. Es gibt also genug zu erleben. Keine Sorge, wenn ihr euch das jetzt nicht alles merken konntet. Wir haben selbstverständlich alle Tipps und Empfehlungen in den Shownotes für euch verlinkt. Bevor wir nun zum Ende kommen, fehlen uns noch unsere ungewöhnlichen Fakten zum Thema. Ich habe zum Beispiel herausgefunden, dass dieser besondere Duft, wenn man in den nassen Wald geht, wenn der Regen auf den trockenen Boden tropft, einen speziellen Namen hat, Petrichor.
Lisa: Ja, Petrichor bedeutet übersetzt 'Götterblut der Steine' und ist sogar in einigen Parfums enthalten. Ja, und apropos Götter, weil ich im Interview die alten Griechen erwähnt habe, im Interview mit Jeannine Hermann, auch im Römischen Reich gehörten öffentliche Thermen schon vor über 2000 Jahren zum Alltag dazu und eine solche Badeanlage kann man zum Beispiel auch in Osttirol in der Römerstadt Aguntum besuchen, beziehungsweise die Überreste dieser Badeanstalt natürlich.
Klaus: Und wir bleiben noch bei den Römern. Das Wort Spa sollte ursprünglich aus dem Lateinisch stammen und steht für 'Sanus per aquam', das heißt übersetzt 'gesund durch Wasser'. Und weil wir das gute Buch heute schon so oft erwähnt haben, hier noch ein paar Lesetipps von Tiroler Autorinnen und Autoren. Lisa, was würdest du denn empfehlen?
Lisa: Ja, wäre es gerne spannend bis zum Schluss mag, der kann wahrscheinlich mit den Büchern von Krimi-Autor Bernhard Aichner viel anfangen. Er ist bekannt unter anderem über die Totenfrau-Serie. Tiefgründig sind die Erzählungen und Romane von Norbert Gstrein oder für Lyrik-Fans wären vielleicht die Bände von Barbara Hundegger interessant. Und zum Abschluss ein Zitat von Karl Valentin, das hat mir Bergführer Roli Mayerhofer noch als Tipp mitgegeben.
Roli Mayerhofer: Wenn ich so bei Regen unterwegs bin, dann muss ich immer an den Spruch von ihm denken, "Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, dann regnet es auch". Und das ist eigentlich ganz eine gute Einstellung, dass man sich da ein bisschen locker macht im Kopf und das so hinnimmt, wie es ist.
Lisa: Vielleicht als Inspiration für den nächsten Regentag ja interessant, egal wo.
Klaus: Ja, das war's vom heutigen Hörausflug. Wir hoffen, dass ihr euch, wie wir, auf den nächsten Regentag freut.
Lisa: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
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